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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-05-07 · Heft 19 (7.5.1861) · page 17

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 19 (7.5.1861)
Date
1861-05-07
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Beilage z« Rv. 19. der Mg. Ztg. des Judenth. Aus Ungarn, 20. April 1861. Der berühmte Archimedes hatte wohl Recht, als er ausrief: „Gebt mir nur einen Punkt außer der Erde, und ich bewege dieselbe." — .Um diesen Satz auch auf unsre Zustände anzuwenden, so bedurfte es blos eines kräftigen Ruckes, eines Stoßes von Außen, um die von unsern politischen Parteiführern und Journalen in letzterer Zeit so zu sagen todtgeschwiegene Judenfrage wieder lebensfähig zu machen und in den Kreis der von dem Landtage zuerst zu erledigenden Hauptaufgaben zu rollen. — Die vom Auslande her in unsern Angelegenheiten geschriebenen Briefe Klapka's und Pulßky's hatten die Wirkung eines solchen archimedischen Stoßes. In der jüngsten Woche brachten die Journale aller Färbung Artikel über die Judenemancipation. Unsre Sache wurde auf einmal wieder salonfähig. Man sucht sich wenigstens zu entschuldigen, daß man uns da draußen in dem politischen Wartsaale so lange suppliciren läßt, während bisher selbst der letzte Bediente der Publicistik uns vornehm den Rücken kehrte, und dies unser Antichambriren als sich von selbst verstehend gar nicht zu beachten schien. — Man überbietet sich plötzlich in Freundlichkeit gegen uns, um die von Außen her gemachten Vorwürfe nickt auf sich beziehen zu müssen. — Selbst das Organ der eingefleischten Tablübivü's — der Pesti Hirnök — nimmt einen Anlauf, um durch einige uns gnädigst ertheilten Fußtritte sich unsrer zu erinnern. Während daher in der Wirklichkeit, veranlaßt durch das lange Schweigen der Presse, die Feindseligkeit gegen uns immer mehr Terrain gewinnt; hier bei der gerichtlichen Feilbietung von Rustical-Grundstücken Juden als nicht besitzfähig zurückgewjesen werden; dort wiederum an solchen vor 1848 von Juden nicht bewohnten Orten Versuche zu Treibjagden derselben angestellt werden — psalmoniren unsre Journale Plötzlich in einem Tone, als wäre der Engel der Versöhnung nunmehr unter die Menschen herabgestiegen, um dieselben auf der großen Hallelujah-Wiese brüderlicher Gleichheit in einem Chore Friedenshymnen anstimmen zu lassen. — Um einige Journale namhaft zu machen, so brachte Mgyar oxszäg eineu schön geschriebenen Artikel aus der bekannten Feder des inzwischen zum Vicepräsidenten des Unterhauses gewählten Deputirten Kalman von Tissza. Unter den deutschen Journalen brachte der Pesther Lloyd vom 14. dieses einen warmen, ernstgemeinten Artikel des Herrn Grafen Koloman Majläth, welcher sogar die Gleichstellung bis auf die bürgerlich gestattete Ehe zwischen Juden und Christen ausgedehnt wissen will. — Es wird auch in diesem Plaidoyer neben Maimonides ein Rabbi Chuan als Glanzstern unsrer Aerzte und Philosophen hingestellt. Sollte der edle Graf, dessen schriftstellerische Leistungen durch das Buch „Ungarn und die Centralisation" (Leipzig 1850) auch dem Auslande vortheilhast bekannt sind, sich in diesem Namen nicht verschrieben haben, so möge einer Ihrer gelehrten Literaturhistoriker uns mit dieser unbekannten jüdischen Größe näher bekannt machen. — \ Die nüchternste, eindringlichste Argumentation jedoch für die schleunige Erledigung unsrer Sache enthält ein Artikel des hochariftokratischen Pesti Naplö, welches außer einem farblosen, zweifelhaften Artikel des Mitredacteurs Di*. Falk bisher für uns noch kein Wort verlor. Da dieses Blatt den Leitern der Bewegung zum Organe dient, jo kann dieser Artikel mit Recht als Gesinnungsausdruck der entscheidenden Kreise gelten, und verdient daher seiner Bedeutsamkeit wegen hier mitgetheilt zu werden. Jedenfalls verdient der Schreiber desselben, Herr Moritz von Lukäcs, welcher als publicistische Autorität geltend, auch Mitglied der Akademie ist, den gefeiertsten Vorkämpfern unsrer Sache beigezählt zu werden, — Der bemeldete Artikel in Nr. 84 des Pesti Naplü ist einem Cyklus von Artikeln über die dringendsten Aufgaben des Landtags entnommen und lautet: „ III. Ich will nunmehr die Dringlichkeit der Judenemancipation erörtern. Wohl weiß ich es, daß ich da eine unpopuläre Frage berühre; unpopulär bei dem Pöbel sowohl, wie bei den Gebildeten und Aufgeklärten. Reiche und Arme, niedere und höhergestellte Volksclassen sind hierin gleichweise in verblendenden Vorurtheilen befangen, und dies nicht nur in unserm Vaterlande, sondern auch in allen Theilen der Welt. Dieses kann mich doch nicht abhalten, von dieser durch Humanität und Politik in den Vordergrund gestellten Frage

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