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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-05-07 · Heft 19 (7.5.1861) · p. Seite 269

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 19 (7.5.1861)
Date
1861-05-07
Page
Seite 269 (sequence 11)
Language
German
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Lös davon H, dies Gefühl zu hegen/ daß im Gegentheil schon seit Jahren Jude und Christ mit und neben .einander in einer Corporation -inschönster Harmonie wirken, und so durchdrungen von der Wahrheit sind, -daß das Glaubensbekenntniß ein wohlbegründetes Recht unmöglich beeinträchtigen kann. — Nur aus diesem Grunde und von diesem Gesichtspunkte, löbliche Versammlung, bin ich so frei, meine Motion Ihrer Annahme zu empfehlen;äch kenne aus sechsjähriger Erfahrung den toleranten Geist/ der die Meisten in dieser Versammlung beseelt, iiimb hege darum die gegründetste Hoffnung, daß die löbliche General-Versammlung meinem Anträge die gerechte. Würdigung angedeihen lassen werde, und den Beschluß.ausspreche, daß von nun an drei Vorsteher zu wählen wären, worunter stets mindestens ein Vorsteher israelitischen Glaubens zu sein hat. Von den Karpathen, 6. April. (Privatmitth.) Heute werden sämmtliche Landtage des österreichischen Kaiserstäates (der zu Lemberg ausgenommen) in den betreffenden Landeshauptstädten eröffnet. Wer bis jetzt gelitten und geduldet, richtet nun Geist und Gemüth Vertrauens- und hoffnungsvoll nach diesen Centralpunkten , wo die ersten Grundsteine zu einem neuen, verfassungsmäßigen Oesterreich gelegt werden sollen. Natürlich stehen die Israeliten dieses polyglotten Staates, die am meisten zü leiden und zu dulden hatten, in erster Linie der Vertrauens- und hoffnungsvoll Harrenden, und die geehrten Leser dieses judenthümlichen Organechtheilen gewiß Mit' gleicher Wärme das Interesse der österreichischen Jftäelitenschaft; auch die, welche — glücklicher als diese — bereits auf derjenigen Stufe rechtlicher und socialer Gehobenheit stehen, welche wir zu erzielen so sehnlich wünschen, Es dürfte daher, die Ausstellung eines Licht- Und Schattenbildes aus dem gegenwärtigen Leben dieses vielgeprüften und erfahrungsreichen Volkes hier am Orte sein, wie solches die verschiedenen öffentlichen Blätter darstellen. „Bei dem Bistritzer Kreisgericht", erzählen Wiener Journale, „wird eine strafgerichtliche Untersuchung wegen öffentlicher Gewaltthätigkeit eingeleitet werden, deren Gegenstand von allgemeinem Interesse ist.. Die zur ehemaligen Militärgrenze gehörige rumänische Gemeinde Teltsch rin Naszoder Bezirk faßte am 17. März den einstimmigen Beschluß, den daselbst ansässigen Israeliten Moses Widder aus der Gemeinde auszuweisen. . Dieser Beschluß wurde noch am nämlichen Tage.in folgender Weift ausgeführt: die ganze über 2000 Seelen zäh^ lende Gemeinde versammelte sich vor dem Hause des Js-' raeliten. Die Hauseinrichtung desselben wurde auf herbeigebrachte, mit Ochsen bespannte Wagen aufgeladen, und Widder sammt seiner Familie vor den Gemeindeort hinausgeführt und von den Ortsinsassen bis dorthin begleitet. Der Israelit wurde darauf durch die Fuhrleute und mehrere berittene Geleitsmänner — darunter auch zwei zwangsweise requirirte Israeliten — in die 2'ft Meilen entfernte, an die Marmarosch in Ungarn grenzende Gemeinde Romoli, die ehemalige Heimath Widder's, abgeschoben, und ihm hierauf jeder fernere Aufenthalt in Teltsch förmlich untersagt. Während des Auszuges wurde mit allen Glocken der (griechisch-katholischen) Gemeinde geläutet. Es fiel nicht die geringste Verletzung der Person oder der Familienglieder des Israeliten vor. Im Gegentheil sind seine im Hause vorläufig noch zurückgebliebenen GetreidevoMhe unter Schloß und Riegel gelegt und jede Nacht durch zwei Insassen bewacht worden. Vor dem Jahre 1848 durfte kein Jude in der Militärgrenze wohnen, und die Gemeinde ist der Ansicht, durch Widder's A u s w e isun g ein gottesdienstliches Werk gethan zu haben.". Hierzu bemerkt die D. Z.: „Dem -ganzen Vorgang dürste Aufhetzung zu Grunde liegen, und es scheint damit überhaupt auf die planmäßige Vertreibung aller Israeliten aus. dem Naszoder Bezirk abgesehen." Kann man diese Verirrung des menschlichen Geistes nicht ohne schmerzliche Betroffenheit lesen, so macht dagegen wieder folgendes Benehmen von Juden gegen leidende Christen einen wohlthuenden Eindruck. Aus Pesth wird nämlich der „Presse" unterm 31. März geschrieben: daß in dem Städtchen Rajetz im Trentschiner Comitate die Deputirtenwahl auf blutige' Weise unterbrochen wurde, die Minorität griff nämlich zu den Waffen wider die Gegenpartei und zwar in dem Maße^ daß vier Männer den Wunden erlagen, zwanzig schwer und, fünfundvierzig leicht verwundet wurden. „Der.Magistrat von Sillein", fügt der Berichterstatter, hinzu, - „setzt die umliegenden Gemeinden von' diesem: traurigen Resultate durch ein Rundschreiben in Kenntniß, in welchem es unter Anderm heißt, daß das Unglück noch größer geworden wäre, wenn nicht die Israeliten die Fliehenden in ihre H ä u s er aufgenommen und geschützt hätten, was. Andere, deren Stellung es vor- 19**

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