Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1861)
- Date
- 1861-04-02
- Page
- Seite 191 (sequence 3)
- Language
- German
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191 rung unb die Zusicherung abzugeben, daß dem vorliegen-.. den Anträge von Seiten der Staatsregierung keine Schwie- ' rigkeit begegnen werde, im Fall derselbe zum Beschluß .des Landtags erhoben würde. Herr,.Paur: Er habe die Be- . friedigung erhalten, daß der Ausschuß die Motive seines ' Antrags zu den seinigen gemacht-habe. Sein Antrag sei ein, Postulat der absoluten Gerechtigkeit, der Humanität -— ein Postulat jener gesunden Politik, welche die Liebe der Staatsangehörigen zum Vaterland auf dem Wege des Rechtthuns erzeuge; ein Postulat einer unabweisbaren Conseguenz, denn es habe keinen Sinn mehr, Staatsangehörigen, welchen im hohen Maß, wie dies im Verlaufe der. Zeit geschehen sei, politische Rechte im Land eingeräumt seien, die natürlichsten Rechte, die Wahl der Heimath, der Ansässigmachung, den Betrieb der Gewerbe, wenn nicht ganz zu versagen, so doch im höchsten Grade zu erschweren. Sein Antrag werde getheilt von der öffentlichen Meinung. Als vor zwölf Jahren die Judenemancipation verhandelt worden sei, habe sich dagegen ein Th eil der' Presse geäußert, und seien cntgegenstrebendc Adressen ein-! gekommen) diese Wahrnehmung habe man diesmal nicht gemacht — ein Beweis sowohl für die Bescheidenheit des Antrags, wie dafür, daß letzterer gewiß von der ganzen Nation und jedem Unbefangenen gutgeheißcn werde. Es sei Zeit, daß die beschränkenden Bestimmungen abgeschafft werden, denn das Edict habe bewirkt, daß die jüdische Bevölkerung durch Auswanderung der kräftigen Jugend bedeutend abgenommen habe. Er fei während seiner anwaltschaftlichen Praris oft Augenzeuge der entsetzlichen Opfer gewesen, womit diese Auswanderungen bei,dem bekannten innigen Familienleben der Israeliten verbunden gewesen feien. Regierungsrath ,v. G ump.p enberg: er stimme wohl für den Ausschußantrag, doch müsse er auch •; bemerken, daß ihm als Landgerichtsvorstaud die Judenschaft durch ihr Verhalten gegenüber der christlichen Bevölkerung viel Sorge, 'Verdruß und Plage verursacht habe. Mit der Aufhebung des Matrikelwescns sei er einverstanden, da es mit dem Gesetz bereits dahin gekommen sei, daß es von Unten und Oben für ungerecht gehalten, und nur mit Widerwillen vollzogen werde. Auch lasse sich dagegen nichts einwenden, daß die Zahl der Bierbrauer durch einige jüdische Brauer vermehrt werde, was insbesondere dann nicht schaden könne, wenn endlich einmal die Biertare aufgehoben werde. Was dagegen den Betrieb von Wirtschaften anbelangte, so furchte er, daß dies, wenigstens in ärmern Gegenden, Gelegenheit geben werde, die arme Bevölkerung der Umgebung immer mehr auszusaugen. Abg. K ö.m i ch:>; er-würde dem, .Ausschußantrag zustimmen, wenn er auch noch-Vieh weiter., ginge, und nehme hierbei Veranlassung, die. Aufmerksamkeit! der Staatsregierung und. der Kammer auffolgende Pynßte zu lenken: 1) die Juden müssen ihre Cultu s kosten aus eigenen Mitteln bestreiten, obwohl sie; zu -allen Staatslasten und daher auch zu den Kosten des. christlichen Cultus beitragen; eben so liege ihnen 2) die Unterhaltung ihrer El e me nt ar sch u len ,aflein ob, während, die christlichen Schulen aus - Gemeindekassen unterhalten werden, zu denen die Juden, als Gemeindeglieder beizusteuern haben; der dritte Punkt betreffe, die Fprm des israelitischen Eides, der in der Pfalz in Civilsachen immer in der Synagoge abgeleistet werden müsse. Ein vierter Punkt betreffe das Anftellungswesen, -indem man junge Israeliten alle Vorbedingungen zur Anstellung, .durchmachen lasse, und sie endlich nach langem Warten, doch nicht anstelle in dieser Beziehung.bitte er-um deutliche und bestimmte Erklärung.darüber: 0b dieI sraeliten, und tn welchen Fachern, auf Anstellung.zu hoffen ha b e n. Sodann bestehe fünftens eine ungemeine Rechtsungleichheit fn Bezug auf die Ehe, indem.iNj, den ejnen Theilen der Pfalz ein Ehehinderniß zwischen Juden und Christen bestehe, in den andern dagegen nicht, und endlich müsse, er darauf , noch aufmerksam machen, daß Israeliten, welche dem diesseitigen Bayern angehören, und sich in der Pfalz niederlassen wollen, geradezu wieAusländer behandelt werden. Er wünsche, daß derartige Ausnahmszustände beseitigt werden, indem dieselben bei den jetzigen socialen Verhältnissen mehr schaden als nützen. Abg. Föckerer hält.die Israeliten-für fähig, in die Rechte einzutreten, die ihnen so. lange,, vorenthaltenworden.;. man könne und dürfe, hier fas Vorurtheil nicht, aufkomrnen lassen, denn von solchem feien auch, was ex.entgegen, den Bemerkungen, des Hrm Negiexungsraths Gunrppenberg erwähnen müsse, die Landgerichtsvorstände nie ganz frei. Auch er (Redner) sei aus einer Provinz, wo ein lebhaftes Vorurtheil gegen die Israeliten herrsche, und er wisse, daß. er sich mit seiner heutigen Abstimmung bei seinen Wahlmännern «nicht einschmeicheln )wexde— allein er,müsse nach seiner Ucherzeugung stimmen,, und. noch .bemerkendaß, wenn es auf die Ansichten, der Königl. Landgerichtsvorstände ankäme, er und seine, Freunde in seinem Landgtzrichtsbezirk.-auch, nicht emancipirt - würden. Ahg. Rebay ist für den Ausschußantrag, will jedoch, daß dem verderblichen Hausirhandel der Juden energisch entgegengetreten werde, Abg. Boyffprichtsich gegen das-Eheverbot zwi- 14*