Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1861)
- Date
- 1861-01-29
- Page
- Seite 69 (sequence 11)
- Language
- German
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schxinlich den unter slavischen. Völkern lebenden - Juden. Wie-iM - fiei - sind - ist schwer zu -sagen; allein mögen sie nun einem orientalischen, vielleicht gar einem mit den Griechen üntergegangenen enharmonisch - chromatischen Klanggeschlecht. entsprungen: sein (eine Vermuthuug, die uns/alta?Eantoren/:so oft ) sie sogenannte Phrygische Me»? lodienfingen} durch ihre falsche Intonation der kleinen; und großen Terz und' her /übermäßigen Secunde, welche? M'unserer Temperatur gar nicht in Einklang zu bringen ist, aufdrängen)/ oder'mögen sie im Abendlande un-? ter dem Einfluß des stavischen Nationalgesangs entstani den. sein, so viel ist gewiß, daß eine fortschreitende Entnickelung in ihnen nirgends wahrzunehmen ist, und daß . sie?/ alle >Mf der?.gleichen Stufedes: Naturgesangs außerhalb allen ^rhythmischen - modulatorischen und harmonischen Gesetzen. stehen. Sie sind den Juden früher sympathisch gewesen wegen ihrer eigenthümlich trüben Klänge, klingen aber^nunchehr unserm entwickelten Tonsinne häufig unangenehm, .immer aber fremd. Ihre Lebenszeit ist nahezu am, Ende, .unb; man wird sich vergeblich bemühen, auch die- Altäre'künftiger Generationen noch Mit diesen erotischen' Pflanzen zu schmücken. Eine dritte Gruppe endlich bilden die Synogal-Jntönationen (rvttTri).. Diese scheinen am meisten zu der irrthümlichen Ansicht verleitet zu. haben, daßwir es in unfern- Nationalmelodien mit den Kirchentonarten zu thun Haben, und in der Thät mögen sie ursprünglich aus diesen Hervorgegangen sein; "allein 'ihre'jetzige Gestaltbeweist zur Genüge, haß "sie im, Lochfe der/bangelr Z Theil/vergessen,.worden sind.? .Wem) der Kjrchengesang, sich? Melodien und Jnto- / natiöneü aus^den ersten-Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung bis auf die neueste Zeit erhielt, so war dies , ihm üur möglich geworden durch die engen Gren-? zen, welche durch - gegebene Formeln und .geregelte -Ton- - .arten ihm.vorgezeichnet wurden, . die er nie-überschreiten) durstem/Der-Bischof-Ambrosius im 4ten Jahrh., Papst' - Gregor im 6ten durch sein an den. Altar befestigtes Antifonar, und andere' Geistliche späterer Zeit, wie Guido von Arezzo, wachten über die Unverfälschtheit der eingeführten Gesänge, suchten etwaigen Jrrthümern dadurch vorzubeugen- -daß sie die einmal gezogenen Grenzen durch? die Notenschrift für die Zukunft aufbewahrten, und so vyn^leitenden' Autoritäten gepflegt, war/den Gesängen: auch die Verbreitung' und. eine möglichst genaue Ueberernstimmung in allen Gemeinden gesichert.' Unsere Melobten --dagegensind/ nie^ durch die? Schriftfipirt worden, - die -mündliche UeberMerung) aber gab, da ein Tonsystem j nicht -festgesetzt wurde, , einem Jeden? die. vollständige Freiheit, nach: seiner. Phantasie? damit zu. schalten, eine Freiheit, dievon) Eantoren wie von Laien nach- Kräftelr/benutzt wurde,, um die überlieferten Melodien.durch.eigene sinnlose-? Compositionen? zu ergänzen oder. zu verdrängen. Belege, hierzu findet , man. reichlich auch im-dritten. Theile der W.'schen Gesänge. / Anstatt daß die ursprünglichen Intonationen einen: sichern Ausgangspunkt zu. weitern Erfindungen hätten abgeben sollen, find sie selbst mit der Zeit im freien Phantasiren untergegangen, und nichts ist von ihnen ..übrig geblieben als einige den Kirchentonarten? eigenthümliche Wendungen und Schlüffe, von denen . es immer zweifelhaft bleiben, wird,? ob )sie ihnenursprünglich angehört-' oder ob sie sie der.Kirche,.entlehnt haben. Nur sehr wenige Melodien..dieser -dritten Gruppe .lasse»? sich wirklich auf. die-ulten Kirchentonarten /zurückführen, und haben wir schon vor mehreren? Jahren Gelegenheit genommen, in der Dr. Frankel'schen Zeitschrift uns darüber auszusprechen. Diesen wenigen ■.> Melodien allein ist auch jene unerklärliche Verbreitung geworden, die vermuthen läßt, daß sieaus) einer vorchristlichen Zeit herrühren, und daß die Kirchentonartcn. ihnen entnommen wurden. In allen übrigen Gesängen. und namentlich in den Reeitativen wird. man vergeblich, eine andere Uebereinstimmung suchen, als. diejenige, - die in der-Gemeinschaftlichkeit . der äolischen, und ionischen. Tonart, die unseren A-moll unb C^dur entsprechen,. liegt.?; Herr W. müßte dies längst - erfahren haben , und. kann sich leicht noch überzeugen, wenn: er seine Intonationen) mit? den:in Wien, Paris, München und noch in andern jüdischen Gemeind en? erschienenen vergleicht. FügeNj wir? noch, hinzu, daß diese Melodien uns. .einstimmig,. ohne jede harmonische Stütze und - ohne alle) rhythmische.Anordnung überliefert. wurden, und daß sie mit unzähligen Rouladen, Fiorituren und Schnörkeleien verballhornt sind, so/wird man begreifen, wie unbrauchbar die bei Weitem größere Zahl derselben für unfern Gottesdienst in der neuen Zeit geworden sind. Glaubt man abep sie durch.Vereinfachung, Harmonisirung und Rhythmisirung mit den. alten Kirchentonarten und mit unfern heutigen' Anforderungen wieder auszusöhnen, so ist man abermals in einem Jrrthum, denn man hat weiter nichts erzielt, als den Gewinn neuer Melodien in alten Kirchentonarten,- die nicht einmal die Pietät, welche wir den traditionellen Melodien bewahren, für sich in Anspruch Nehmen können, da sie, alles Eigenthümlichen und Ursprünglichen entkleidet, uns entfremdet, demHstW abepEnzMnd/ gar unkenntlich geworden sind.