Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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arbeitung der rM von Bodenheim er wird eine zweite erweiterte Auflage erscheinen. — Gr. Becskerek, im December. VS ^22 drnvviri. Der babylonische Talmud und die Thoßistha mit den gewöhnlichen und vielen neuen Commentaren. I. Band: Berachoth und Seraim. Kleinfolio. Wien 1860. Expedition des Talmud. Druck von L. C. Zamarski u. C. Dittmarsch. Angezeigt von D. Oppenheim, Rabbiner. Je weniger die Gegenwart mit ihren großen Zeitfragen und politischen Ereignissen der Literatur günstig ist, desto nothwendiger ist es, den etwaigen literarischen Erscheinungen volle Aufmerksamkeit zu widmen, da sie sonst gänzlich vom Publikum, das von den Tagesbegebenheiten völlig in Anspruch genommen wird, ignorirt werden. Das Interesse für die jüdische Literatur anzuregen, ist aber jetzt, eine um so heiligere Pflicht, weil ja eben das allgemeine Feldgeschrei und Losungswort der gegenseitig sich befehdenden Nationalitäten es ist, die nationale Literatur zu unterstützen, zu befördern — und. selbst die Minoritäten, die auf einer sehr tiefen Stufe der Cultur stehen, wie wir dies in Oesterreich täglich sehen, wollen hierin den gebildetsten Völkern nicht nachftehen. Sollte hierin nicht für den Israeliten die ernste Mahnung liegen, seinem eigenen altehrwürdigen Schriftthume, seiner Geschichte und deren wissenschaftlicher Erforschung die aufrichtigste Theilnahme zu schenken? Wahrlich, was gegenwärtig am meisten noth thut, ist das jüdische Volksbewußtsein und Nationalgefühl, das bisher von andern nationalen Bestrebungen zu sehr in den Hintergrund zurückgedrängt wurde, hauptsächlich wieder bei der Jugend zu kräftigen und lebendig zu erhalten, damit sie mit Stolz den Namen Israels nennen und ihr Volk mit aller Innigkeit und Hingebung lieben lerne. Es verdienen daher die Männer alle Anerkennung, die bei' der Ungunst der Zeitverhältnisse mit wahrer Aufopferung und Srlbstverläugnung sich dennoch der Pflege der jüdischen Wissenschaft widmen und die Herausgabe von größern Werken befördern und möglich machen. Besonders ist die wiedererwachte Thätigkeit der Wiener jüdischen Presse rühmlich hervorzuheben, wo eben mehrere größere Unternehmungen, z. B. der babyl. Talmud, ein Bibelwerk in 20 Bänden, und der Pentateuch mit den Thargumim und vielen alten Commentaren, vorbereitet werden. Höchst beachtenswerth ist die neue, von einem Vereine veranstaltete Ausgabe des babylonischen Talmuds und der Thoßistha/ deren erster Band: Berachoth und Seraim, uns vorliegt, welcher, hervorgegangen aus der rühmlichst .bekannten typographischen Anstalt von Zamarskr u. Dittmarsch, wahrhaft prachtvoll und glänzend ausgestattet ist. Der Verein, bestehend aus den Herren Rabbiner L. Horowitz, Chacham Baruch, I. Schloßberger, Abraham Adutt, den Buchhändlern Zamarski u. Dittmarsch, Knöpflmacher, Löwy re., hat Alles aufgeboten, um allen Anforderungen zu entsprechen, so daß keine der neuern Editionen des Talmuds mit dieser an Vollständigkeit, Schönheit und Wohlfeilheit zu concurriren im Stande ist. Der Pränumerationspreis von 48 Fl. öst. W. für eine Talmudausgabe in 24 Theilen nebst der neu hinzugekommenen Thoßistha, Macharscha re. auf Schreibpapier und elegant gedruckt, ist gewiß enorm billig!! — Die Herren Rabbiner Horowitz und Baruch, ferner die Herren I. Schloßberger, Factor der genannten Druckerei, und Ignaz Weiß, Corrector, sind Bürge, daß das großartige Unternehmen den wissenschaftlichen Ansprüchen auch Rechnung tragen wird. — Als einen trefflichen Gedanken, der gewiß in Zukunft Nachahmung finden wird, müssen wir es bezeichnen, daß die Thoßistha, die bisher ohne Grund und Ursache dem Werke des R. Jizchak Alfasi beigedruckt wurde, zum ersten Male mit dem Talmud verbunden und überall bei dem dazu gehörenden Tractute zu Ende angehängt wurde. Die Thoßistha als Additamenta und Nachträge der Mischnah (nvnrnn ‘TPta wie sie Sackuel Hanagid nennt) bildet einen integrirenden Theil des Talmuds und darf von demselben auch nicht technisch getrennt werden. Hauptsächlich müssen wir dem Vereine dafür danken, daß er für eine correcte Ausgabe der bisher so sehr vernachlässigten Thoßistha Sorge getragen und derselben durch Vermittlung des Herrn Dr. I. Goldenthal das in der k. k. Hofbibliothek sich befindende Thoßiftha-Manuscript zu Grunde legte, wobei die Varianten des Manuskriptes unter dem Texte unter dem Titel rmn beigedruckt sind. Unseres Erachtens aber wäre es viel besser gewesen, den Text nach dem Manuscripte getreu wiederzugeben und die Varianten und Lesarten der alten Ausgabe besonders anzumerken.— Außerdem befinden sich bei dem vorliegenden Bande die Commentare des R. Samuel Edels, R. Salomon Luria, R. Me'ir Lublin, ferner die Randglossen des R. Jesaias Pik, R. Elia Wilna, R. Ekiba Eger, R. Moses Schreiber rc.*) Die Correctur besorgt mit vie- *) Ungern vermissen wir die Hagahoth des R. Hirsch Chajes, die in der letzten Wiener Talmudausgabe sich be-