Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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feiger College; Herr Stäfetrabbiner Präger in Mannheim; vor, einen Verein zur Besserung jüdischer' Sträflinge für ganz Deutschland zu bilden.: Der Gedanke mußte an seiner Umfänglichkeit scheitern. Zu weite Ausdehnung schadet Vereinen mit' praktischen Tendenzen immer. Vielmehr erscheint es uns am zuträglichsten, in jedem größeren deutschen Staate einen besonderen Verein für wen besprochenen Zweck zu bilden, und konnten dann die ins Leben getretenen unter einander cörrespondiren und sich nöthigenfalls auch wohl gegenseitig unterstützen. .An das obige Aetenstück anknüpfend, scheint es uns zunächst von hoher Wichtigkeit, daß sich ein solcher Verein für die östlichen Provinzen Preußens, und ein zweiter für die westlichen Provinzen bilde. Was uns persönlich betrifft, so ist es uns beim besten Willen nicht möglich, unfern großen Verpflichtungen noch eine hinzuzufügen. Auch ist eine Provinzialstadt und mittlere Gemeinde, wo noch dazu ein Strafhaus nicht einmal in der unmittelbaren Nähe sich befindet, nicht der Ort, wo der Centralpunkt eines solchen Vereines am.angemessensten psaeirt wäre. Wie aber? Sollten sich in Berlin und Cöln. nicht etwa einige -hochherzige Männer finden, welche thatkräftig. sich der Bildung und Fortführung eines solchen Vereins widmeten, der, da er das irdische und das Seelenheil gefallener Erdenbrüder und Glaubensgenossen zum Ziele hat, sicher zu den verdienstvollsten Werken vor Gott und Menschen gehört? Wir heben hervor, daß eigentlich zu einem solchen Vereine weniger große Geldmittel, als ausdauernde und persönliche Verwendung und Wirksamkeit gehören, daß die Begründer und Vorsteher desselben vor Allem Charakter besitzen müssen, der sich von erfolglosen Bemühungen nicht zurückschrecken läßt, und, wenn unter fünf Fällen nur einer günstigen. Erfolg bringt, sich höchlichst belohnt findet. Vor Kurzem wurde ein solcher Verein unter der christlichen Bevölkerung Münchens in Vorschlag gebracht und binnen acht Tagen hatten sich 400 Mitglieder gemeldet. Wir halten uns überzeugt, daß, wenn eine tüchtige und bewährte Kraft in Berlin bei unseren Glaubensgenossen feie Sache, zur Sprache bringt, sie nicht minder ein schnelles und bedeutendes Resultat erzielen wird. .Wir würden unsererseits der eingeleiteten Sache mit unseren schwachen Kräften die möglichste Unterstützung gewähren, und feie Spalten dieser Zeitung zu Gebote stellen. *; Wie würden wir uns freuen, wenn wir durch die erste Rümmer dieses Jahrgangs ein " gutes Werk angeregt' zu haben im Stande gewesen l Literarischer Wochenbericht. - Magdeburg, 23. December. Vor Kurzem erschienen in London drei Werke, welche die Sprache und das Schriftthum der Afghanen behandeln, und zwar vom Capitän I. G. Raverty von der Bombay-Armee. Derselbe rechnet das Puschto/ die Sprache der-Afghanen zur semitischen Sprachenfamilie, und glaubt fest an die Sage, daß die Afghanen, welche allerdings eine jüdische Physiognomie haben, Nachkommen der verloren gegangenen Stämme seien. Bekanntlich trifft diese Ansicht auf viele Gegner, welche das Puschto aus mancherlei Analogien mit dem Sanscrit zu den arischen oder indoeuropäischen Sprachstämmen zählt. — Es sind uns in den letzten Tagen die neun ersten Nummern der von Zederbaum und Direetor Goldenblum in Odessa herausgegebenen hebräischen Zeitschrift sowie die ersten achtzehn Nummern der in Wilna erscheinenden bn-on zügekommem Jeder unparteiische Beurtheiler muß beiden Zeitschriften das beste Lob und die aufrichtigste Anerkennung zusprcchen. Allerdings sucht die letztere Wochenschrift strenger den Charakter einer Zeitschrift sich anzueignen, als die erste; ihre Aufsätze nähern in Form und Inhalt sich dem wissenschaftlichen Charakter, und sie sammelt in umfassenderer Weise die Zeitungsnachrichten, sowohl was die allgemeinen Weltereignisse als auch die auf das Judenthum bezüglichen betrifft. Denn allerdings will sie sich nicht auf die letzteren beschränken. Dagegen schlägt der Meliz einen wärmeren Ton an. hat mehr Schwung der Sprache, und sucht die Liebe und den Eifer für das Judenthum zu entzünden. Wir haben also dergleichen hebräische Wochenschriften mit dem Maggid bereits drei; in Rußland selbst erscheinen, mit der russischen „Morgenröthe" drei jüdische Zeitschriften. — Außer den Archives, Univers israelite, la V6rit6 israolite, die sämmtlich in Paris erscheinen, und dem Lien d'Israel in Straßburg erscheint auch in Avignon eine jüdische Zeitschrift „La Familie-de Jacob“, die wir aber noch nicht zu Gesichte bekommen haben. — Von den im ersten Jahre des „Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur erschienenen „Reden wider den Unglauben" vom Herausgeber dieser Zeitung wird in Kurzem eine zweite vermehrte Auflage bei Baumgärtner erscheinen. — Von der Be-