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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-01-01 · Heft 1 (1.1.1861) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 1 (1.1.1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Aufsicht, oder vielmehr die Art und Weise, wie solche ausgeübt wird. Die polizeiliche Beaufsichtigung der entlassenen Sträflinge, namentlich wenn sie zu den berüchtigten Dieben gehören, ist gewiß sehr nöthig und es'dürfte auch den hohen Behörden, welche sie eingesetzt und über die Ausführung zu wachen haben, nicht entfernt die Schuld beizumessen sein, daß letztere nicht immer mit gehöriger Berücksichtigung , sondern oftmals mit aller Rücksichtslosigkeit stattfindet. ' ' Nehmen wir z. B. einen Handwerksmeister an, der, sich hinwegsetzend über das Vörurtheil, einen Gesellen, der das Unglück gehabt hat, dem Zuchthause verfallen zu sein, in Arbeit nimmt, seinen andern Gesellen aber vorsichtig diesen Umstand verschweigt, um Jenem nicht zu schaden. Nun erscheint plötzlich ein Polizeibeamter in der Werkftätte, erkundigt sich ohne allen Rückhalt nach dem „Bestraften" — was ist das Resultat? — Die andern Gesellen werden erklären, mit einem „Bestraften" nicht zusammen zu arbeiten, und es bleibt dem Meister beim, besten Willen nichts weiter übrig, als Diesen zu entlassen, um Jene zu halten und sich vor Nachtheil zu wahren. Der arme Bestrafte ist nun hinausgestoßen, findet kein anderes Unterkommen, sucht Zuflucht bei seinen früheren Genossen, findet sie dort auch und ist nun wieder auf derselben Stelle angelangt, wo er vor seiner Bestrafung sich befand. Oder wenden wir das Vorhergesagte auf eine weibliche, Person an; welche Herrschaft wird ein Dienstmädchen behalten, das wohl gar zu nächtlicher Zeit controlirr wird? — „Noth bricht Eisen" — sagt ein altes Sprichwort, und so wird auch ein solches Mädchen wieder fallen, sich zuvörderst denjenigen Laster in die Arme werfen, zu dem die großen Städte vorzugsweise Gelegenheit bieten, und vielleicht immer tiefer sinken, bis es endlich dem Zuchthaufe wieder verfällt. Mag die Zuchthausstrafe immerhin eine Leidenszeit sein für Diejenigen, welche sie erdulden müssen, die traurigen Folgen derselben sind aber in vielen Fällen noch schlimmer. - So lange die Strafe währt, sind die Sträflinge' der Oeffentlichkeit entzogen und leiden im Verborgenen; mit dem Austritt aus der Straf-Anstalt treten sie in die Oeffentlichkeit zurück, gebrandmärkt durch die erlittene Strafe, ja in ein ihnen fremd gewordenes Leben; wehe ihnen dann, wenn sie nicht den Muth haben, dem Schicksale die Stirn zu bietendcch ihrer -noch Harrende als eine Prüfung mit Standhaftigkeit zu ertragen, vielleicht Entbehrung',; Nöth ' und -'Schmach beharrlich ziri überwinden, und -mit Ausdauer dahin zu streben, die ver-- lorene Ehre wieder zu gewinnen. . Wie Dem gründlich abzuhelfen sein Möchte, - das würde eine weitläufige Auseinandersetzung erfordern, und ich habe> die Geduld Euer Hochehrwürden wohl schon allzusehr' in Anspruch genommen; ich bemerke daher nur noch, daß nach meiner Ansicht ein Verein, gleich dem-des „National-Dank", über das ganze Land'verbreitet und der Sorge für die entlassenen Sträflingeverbunden mit der Beaufsichtigung derselben, sich unterziehend, das geeignetste Mittel sein möchte. i;' Meinhardt ist nun Einer derjenigen Unglücklichen, welche die ihrer außerhalb des Zuchthauses harrenden Prüfungen nicht mit Standhaftigkeit zu tragen Und zu überwinden vermochten, denn er befindet'sich leider schon-zum fünften Male in Haft und zwar immer nur wegen Vergreifens an fremdem Eigenthum, obgleich er sein Handwerk erlernt, folglich die . Mittel hat, sich, ehrlich zu ernähren, wenn er will, oder wenn ihm die Hand dazu geboten wird. Indessen darf doch auch aus diesem Grunde noch nicht an seiner Besserung verzweifelt werden, aber es wird um so nöthiger sein, ihm die helfende Hand zu bieten, ihm' Gelegenheit zum ehrlichen Brotmverbe zu geben und ihn dann streng zu überwachen. Euer Hochehrwürden stelle ich nun das Weitere ganz ergebenst anheim; vielleicht gelingt es Ihnen, falls ein Verein der Art unter Ihren Glaubensgenossen noch nicht bestehen sollte, einige hochherzige Männer zur Gründung' eines solchen zu bewegen, und wenn ich durch diese Andeutung zu einem so segensreichen Bau auch nur Einen Stein gereicht haben sollte, würde es mir zur großen Genugthuung gereichen. Genehmigen Euer Hochehrwürden auch bei dieser Gelegenheit die Versicherung meiner Hochachtung und Ergebenheit. Der Director . Schelowsky. Auch wir sind der Ueberzeugung; daß der in diesem Schreiben in so humaner Weise ausgesprochene Gedanke der eifrigsten Berücksichtigung würdig ist. Ist es doch das Judenthum, welches auf die Besserung des Sünders einen so großen Werth legt, und ihr in den religiösen Institutionen einen so weiten Raum gewährt hat-- und welches dem „Wiedergewinn einer einzigen Seele" eine so hohe Bedeutung beimißt. Wenn wir nicht irren, so schlug emmäl unser wür-

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