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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-01-01 · Heft 1 (1.1.1861) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 1 (1.1.1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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die verabredeten Judenkravalle für den Augenblick unterdrückt wurden. Bei der in der Wojewodschaft von dem k. k. Commissair vorgenommenen Einvernehmung der Vertrauensmänner wegen der Annexion der Wojowodschaft an Ungarn, wurden auch Juden Leigezogen und zwar in Temesvar der Vorsteher, in Theresiopel der dortige Rabbiner und der Rabbiner von Baja, während in anderen Kreisen, z. B. Lagos und Gr.-Becskerek, die Juden übergangen wurden. Ueberhaupt herrschte beim ganzen Verfahren eine große* Willkürlichkeit, weil der k. k. Commissair die Vertrauensmänner wählte. — Bei der jetzt abgehaltenen Graner Conferenz ist Herr Vorsteher Schoßberger von Pesth als Conferenzmitglied gewählt worden, wogegen die: Pesther Jugend in den Zeitungen heftig reclamirte, weil Herr Schoßberger die Juden nicht gehörig zu vertreten im Stande ist. Magdeburg, 23. December. Die Keflerung enttajsener jüdischer Sträflinge. Es wird uns folgendes interessante Actenstück mitgetheilt, das wohl ein allgemeines Interesse in Anspruch nimmt, und seinem Verfasser wahrhafte Ehre macht. Königliche Direktion der Straf-Anstalt Leetio I. ^sourn.-M. 1844. Spandow, den 20sten September 1860. An den israelitischen Prediger und Religionslehrer emerit. Herrn I. Wolff Hochehrwürden zu Berlin. - Im Monat Januar k. I. wird aus der hiesigen Straf- Anstalt der Euer Hochehrwürden bekannte Schneider-Geselle Meinhardt nach verbüßter vierjähriger Zuchthausstrafe entlassen und ich nehme hieraus Veranlassung, mit Euer Hochehrwürden in der Eigenschaft als Seelsorger der jüdischen Gefangenen in der hiesigen Straf-Anstalt über einen Gegenstand in Verbindung zu treten, der mir sehr am Herzen liegt und worüber Sie, dessen bin ich überzeugt, mit mir gewiß einverstanden sind. Es ist dies die Sorge für die Zukunft der entlassenen Gefangenen. Was ich nach andern Richtungen hin in dieser Beziehung gethan habe, ob mit, ob ohne Erfolg, das Alles gehört hier nicht her; ich beschränke mich also Euer Hochehrwürden gegenüber nur auf Ihre Glaubensgenossen und zwar nur auf diejenigen, welche das Schicksal zu meinen Zuchtbefohlenen gemacht bat. Hält es nun schon im Allgemeinen schwer, einem aus dem Zuchthause entlasienen Menschen ein Unterkommen zu verschaffen, da leider die erlittene Zuchthausstrafe noch immer ein Kainszeichen ist, indem das neunzehnte Jahrhundert mit allen seinen Ereignissen noch nicht vermochte, dieses unglückliche Vorurtheil zu besiegen, um so viel schwerer wird es dem „Juden" werden, ein ehrliches Unterkommen zu finden, denn ihm tritt neben diesem allgemeinen Vorurtheil auch noch das confesfionelle entgegen, da Dasjenige , was Jesus dem Nicodemus über den „Nächsten" sagte, leider zu wenig beachtet wird. Der aus der Straf-Anstalt entlassene Jude wird also besonders auf seine Glaubensgenossen und deren Hülfe angewiesen sein. Es ist mir nicht bekannt, ob unter den Israeliten Vereine bestehen, die die Sorge für entlassene Sträflinge ihres Glaubens übernehmen*); ist solches nicht der Fall, so dürfte es wohl sehr wünschenswerth sein, daß dergleichen sich bildeten, und da möchten Euer Hochehrwürden wohl gerade dazu geeignet sein, diese wichtige Angelegenheit in Anregung zu bringen. Es läßt sich nun allerdings nicht wegläugnen, daß ein solches Unternehmen ein schwieriges und unangenehmes ist, da es besonders viel mit dem Undank zu kämpfen hat; denn leider ist es unbestreitbare Wahrheit, daß viele entlassene Sträflinge und vorzugsweise diejenigen, welche am vortheilhaftesten untergebracht werden, allzuleicht wieder Umschlagen und den bequemeren Pfad des Lasters wieder betreten, der sie dann nach einer kurzen Wanderung wieder in das Zuchthaus führt; aber sollte doch Gomorrha verschont werden um Eines Gerechten willen, und so dürfen denn auch die wenigen Beispiele vom Gegentheile nicht übersehen werden, denn es lebt doch so mancher rechtliche und geachtete Mann, den in früheren Jahren Leichtsinn oder auch wohl ungünstige äußere Verhältnisse kn das Zuchthaus führten. Wollen wir aber der Wahrheit überall die Ehre geben, so stoßen wir nach der andern Seite hin auf einen Gegenstand, der sehr oft Veranlassung zum Rückfälligwerden früherer Sträflinge wird; es ist die polizeiliche *) Mir ist bis jetzt kein Verein dieser Art unter den Juden bekannt geworden. . Wplf. 1*

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