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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-01-01 · Heft 1 (1.1.1861) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 1 (1.1.1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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und Wachtmeister treten ein, rütteln die todtmüden Reisenden rc., Juden, aus ihrem festen Schlafe auf, die so-, dann samml und sonders ohne 'Federlesens mit Wache' nach -den Xstächstbesegenen Khaisen ^abgeführt,>)r»erh^ Dieser schreckliche Zustand läßt sich schwer beschreiben. Aber nicht schwierig ist es, sich die traurige Scene vor die Seele zu führen, wie einem vom Schlafe Aufgeschreckten zu Muthe sein muß,. wenn ^er die ganze Polizei., in armis und' Uniform siin Bett ' umstehen sieht^'So" Manchem hat dieser plötzliche Schrecken eine unheilbare , Krankheit zugezogen. Am darauf folgenden Tage werden sie Alle, indem um sie her ein Strick'alsRing gezogen wird, zur Belustigung des mit Hurrahgeschrei in Massen hinterherlaufenden Pöbels, unter starker Bedeckung durch die volkreichen Straßen aus der Chaise nach der Polizei abgeführt. Das Ende resultirt gewöhnlich, daß die Meisten als legitimirt sofort freigelassen werden und nur ein kleiner Theil derselben wegen Paßlosigkeit nach ihrer Heimath transportirt wird. Ja, sehr häufig mußten Alle zugleich, als mit gehöriger Legitimation versehen, befreiet werden. Diese wenigen Umrisse zeugen sattsam von den schlimmen Umständen der Juden in Riga. Es eristirt nirgends, selbst im Innern des Reiches, wo den Juden der Aufenthalt untersagt ist, eine solche Behandlung. Da ist nur der Wirth oder dessen Dwornick dafür verantwortlich, wenn sich ein Unverpaßter in einem Hause aufhält. Nie aber wird Jemand auf öffentlicher Straße angehalten oder aus dem Schlaf aufgestört, um seine Legitimation vorzuzeigen, wie sich, denn überhaupt die echten Russen stets durch Humanität und Toleranz auszeichnen. (Nachbemerkung der-Redaction. Wenn nicht der Schreiber obiger Zeilen mit seiner Unterschrift die Thatsachen verbürgt hätte, und dieser Mann uns seit Jahren als zuverlässig bekannt wäre, würde man es kaum glauben! Und warum wendet man sich nicht an des Kaisers Majestät? .Sicher würde dieser großherzige Monarch die Beschwerden nicht unberücksichtigt lassen!) Ungarn. Ein Berbrüderungösest. (Correspond enz.) Am 19. fand in Pesth ein „Verbrüderungsfest" zwischen Christen und Juden, welches seit längerer Zeit vorbereitet worden, statt. Wissenschaft, Literatur, Kunst, Industrie, Gewerbe und Handel waren unter den 300 bis 4O0-Anwesenden vertreten. Die Versammlung bot)in.dem glänzend beleuchteten,' mit Fahnen geschmückten . Saale^einen Imposanten Anblich dar. Den Vorsitz führte der Superintendent Török. Derselbe erhob"auch zuerst das Glas und wandte sich als Repräsentant seiner Kirche an den Herrn Besze als den Volksmann, damit dieser auch sprechen möge. Her Redner führte die Verbrüderung bis auf Abraham' zurück und schloß unter stürmischem Jubel. Rach dem geistlichen Redner sprach der Volksredner Bes ze in einer dem Ungar eigenen feurigen und beredten Weise, voll der schlagendsten Nachweise, wie schon vor 11 Jahren die Verbrüderung zwischen Christen und Juden durch die Bluttaufe besiegelt worden sei. Der Redner ward unzählige Mal von stürmischem Applaus unterbrochen. Abends erhielt das Fest seine Weihe. Der Tempel strahlte im Lichte und war gedrängt voll von Christen und Juden. Nach Absingung eines ungarischen Liedes betrat der Oberrabbiner die Kanzel, hielt eine Ansprache und gab den Anwesenden seinen Segels. Nachdem derselbe den Tempel verlassen hatte, wurde das Szozat angestimmt, undunter wiederholten „Eljen!" verließ man das Gotteshaus,- vor welchem eine unabsehbare Menschenmenge sich versammelt hatte, an die Herr Besze einige Worte richtete, und Alles ging ruhig nach Hause. Folgende Correspondenz kommt uns in diesem Augenblicke noch zu: Aus Südungen, 20. December. Gern,hätte, ich Ihnen über die auch die Juden ergriffene Bewegung in Ungarn ausführlich geschrieben, wenn ich dazu nur Ruhe und Muße finden könnte. Es ist alles noch zu sehr aufgeregt! Bezeichnender ist die Mittheilung für die Stimmung der Pesther Gemeinde, daß man damit umgehe Herrn Di*. Meisel zur Niederlegung des-Rabbinates zu bewegen! Ungarisch e Blätter haben diese gewiß falsche Nachricht mitgetheilt. Nicht' minder charakteristisch ist es, daß, wie der „Fortschritt" meldet, die israelitische Jugend in Gr'oß-Wardein dem dortigen Rabbiner und Vorsteher eine Katzenmusik gebracht, weil dieselben sich der Einführung der .ungarischen Sprache in die Synagoge widersetzt haben! — Trauriger aber ist das Gerücht, daß in Neutra u. s. w. die Slaven, wie im Jahre 1848 in Waag-Neuftadtl, Preßburg .rc., ihr Müthchen an den Juden wieder kühlen wollten, und daß es nur dem kräftigen Einschreiten der Behörden und besonders der neuen Obergespane zu verdanken ist, daß

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