Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 24 (1860)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1860)
- Date
- 1860-11-27
- Page
- Seite 705 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Hey? .Der Mann stand hastig auf, holte aus einem alten,.Hulte, das s in, Rede stehende Merkchen hervor und zeigte mir Seite49.^ . Anmerkung. , Der Verfasser erzählt, daß. in Slawuta, einem Städtchen in Volhynien, irgend welche. Juden, wohnen, die, wahrscheinlich nicht für ihre guten Werke, . einst durch, die Regierungbestraft worden, man ließ sie, nämlich Spießruthen laufen. — Das Volk halt sie für Märtyrer und betet sie fast als Heilige an. — Heißt das nicht uns denunciren, daß wir Verbrecher eben, darum anbeten, weil sie von der Regierung bestraft worden find? ÄZann und wo hätten Juden Verbrecher angebetet und für Heilige gehalten? Wer mit den Umwänden vertraut ist, die dieses schauerliche Ereigniß herbeigeführt, kann das Ungeheure der Verleumdung eines Knaben ermessen, derohne die mindeste Kunde vom Judentum zu haben, sich zum Verbesserer und Reformator desselben aufwerfen will. O, wir sind just dies Männer, uns von solchen Subjekten Lehren vorschreiben und. uns vonihnen meistern zu lassen! Sie müssen wissen , - daß hier nicht die Rede vonirgend welchen Juden, sondern von Männern sei, die aus einem alten hohen Rabbinergeschlechte stammend, durch ihre musterhafte Frömmigkeit, unbescholtenen Lebenswandel und rabbinische Gelehrsamkeit, als die Träger und Stützen des Judenthums stets angesehen worden) und diese Männer, in deren Haus min vereinigt war, die das Volk längst als ihre geistlichen Leiter angesehen, beschuldigte man nicht mehr und nicht, minder — als eines Mordes! O, wenn sie wüßtenwas sich in unseren Herzen damals regte, als das Gerücht die Kunde hiervon zu uns gebracht,— sie die Hand an eines Menschen Leben legen! Es sind seitdem 25 Jahre verflossen; wir fühlen noch die Nachwehen unseres damaligen großen Wehes. — Doch ich will lieber den Schleier des Schweigens über dieses grausige Ereigniß breiten.. Sie haben hernach, durch. ihre große Ergebung in den göttlichen Willen, der, über sie solch eine harte Prüfung verhängt, durch ihr gelassenes frommes Dulden und ihre Unterwerfung während, ihrer vieljährigen Verbannung erwiesen,' wie abgeschmackt, jede Beschuldigung und wie weit sie auch vpn einem Schatten des Verbrechens entfernt gewesen. . —;. Der glorreichen; Regierung ■ unseres angebeteten Monarchen-war es Leschieden, diesen generösen Gerechtigkeitsact zu üben und diese in Kummer und Elend ergrauten-Männer -in .den Schoß ihrer Familien zurückzuführen, damit, sie dort den Rest ihrer Tage, in Gebet und Wohlthun beschließen und ihre müden Gebeine in die Gräber ihrer Väter, niederlegen könnten. Sie hätten die - allgemeine Freude sehen, die Segnungen hören. sollen, Hie sich unseren Herzen entrangen,' als die Kunde zu uns gelangte, daß. :der Kaiser auf die gütige Vorstellung.unseres Humanen, großmüthigen General-Gouverneurs, des.Fürsten Wastltfchikow, ihre Freisprechung und Heimkehr decretirt und nun kommt ein muthwilliger Knabe Und entblödet sich nicht, mit giftiger. Feder in ihren noch nicht j^rharrschten Wunden zu wühlen , und beschuldigt uns, daß wir Verbrecher lediglich darum anbeten, weil sie einst von der Regierung bestraft worden. — Ich muß aber Ihnen überhaupt noch eine Bemerkung machen, sagte der Mann nach einer Weile Stillschweigens, die unsere Stellung Euch Gebildeten gegenüber beleuchtet. Es giebt eine-Partei unter Euch, zu der besonders, wie es mir scheint,: die jüngere Generation zählt, die uns entweder mit Stumpf und Stiel ausrotten, oder uns bekehren , und für. die Sache der Civilisation und Aufklärung gewinnen will,, nicht, durch: die Kraft der Ueberzeugung, durch Sichhervorthun über uns durch, sittlichen Wandel, Moralität und Opferfreudigkeit für unsere allgemeine Sachenein, durch ein terroristisches System, durch Angeberei und Verdächtigung wollen sie uns einschüchtern, wollen uns, die von jeher den: Muth und die Kraft hatten, für -ihre Ueberzeugung zu sterben,: durch Anfeindung und Verfolgung eines Bessern belehren; kurz, sie hätten uns lieber, wie jener römische Imperator, einen einziges Hals gewünscht, .damit sie uns mit einem Schlage den Garaus machen könnten.. .Der Verfasser scheint zu dieser Partei , zu gehören, die . ich lieber Fanatiker der Bildung nennen: möchte, wenn sich nicht persönliche Interessen unter der Maske versteckt hätten, und dient ihnen in dieser hochbewegten Zeit bei der freien Bewegung der Presse als willkommenes Werkzeug. -7- Nein, nicht solche Creaturen werden uns bekehren; das Judenthum hat sich noch nie von solchen Reformatoren meistern lassen und wird's mit göttlicher Hülfe auch fürder nicht.: — Die Welt weiß es sehr gut, wer die Träger und die Stützen des Judenthums stets gewesen, die Unsrigen, die . stets bereit sind, Äut und Blut für dasselbe in die Schanze zu schlagen, oder die Ihrigen, die bei der kleinsten Veranlassung und Verlockung, bei Hem ersten Kitzel der Ehrsucht hingehen und ihrer angestammten Religion, ihrer inneren Stimme der Vernunft und Ueberzeugung Hohn sprechen und ihrem Volke und den Gräbern ihrer Eltern Valet jage«. — (Fortsetzung folgt.)