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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1860-11-27 · Heft 48 (27.11.1860) · p. Seite 704

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
24 (1860)
Issue
Heft 48 (27.11.1860)
Date
1860-11-27
Page
Seite 704 (sequence 4)
Language
German
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diametralem Widerspruche mit dessen späteren Darstellungen der gxsammten hiesigen Judenheit? -Hat es - die Pupe Liebe dem Verfasser in die Feder dictirtunS in diesem wichtigen Momente als das obscuriöseste, moralisch verkommenste Volk zu schildern? Heißt es nicht der böswilligen Gehässigkeit ein Schwert gegen uns.in die Hand, geben? Man weiß aus den letzten Ereignissen sehr gut, wie sehr unsere Feinde gerade diesen Umstand auszubeuten lieben; sie wollen. aus ihm den Schluß folgern, daß wir noch, unter dem Drucke der Ausnahmsgesetze schmachten muffen, weil wir noch selbst eine so grelle Ausnahme in der menschlichen Gesellschaft ausmachen. — Nun wird in der russischen Sprache von einem Juden erzählt, wirstünden noch , auf einer solchen niedrigen Stufe der Cultur, zu wähnen, daß, man mit dem Telegraphen Gepäck und ganze Corps, Militär verschicken könne, oder, daß er selbst gehört, wie man sich wünschte, ein Zehntheil. von Dem zu besitzen,/was die reichen Juden in B. der Ortsbehörde gegeben, um den Durchgang, des Kometen daselbst zu iverhindern und noch viele, solche witzig sein sollende Extravaganzen, .von denen das Merkchen wimmelt, und von denen der Autor immer ein Ohren- und Augenzeuge gewesen sein will. Es stände wirklich sehr schlimm mit uns, wenn man solche Schilderungen zum Maßstabe der Beurteilung der Gesammtheit nehmen wollte. Es will und kann Niemand in Abrede stellen, daß die Masse bei uns noch aus einer sehr niedrigen Stufe der Cultur steht, daß noch sehr Vieles geschehen müsse zu ihrer geistigen. Hebung, daß ein neuer Geist in dieselbe dringen müsse, um sie Mus die Höhe der Cultur zu erheben, auf der sie ihre wahrem Freunde, die wohl wissen, was ihr fehlt und frommt, zu sehen wünschen; aber bei ihrer Beurtheilung muß'man sie immer in Vergleich stellen zu ihrer Umgebung mit Rückblick aus ihre Vergangenheit, und in diesem Vergleich in diesem Rückblicke gewinnt doch unser Volk unendlich viel an Moralität und Sittenreinheit; man muß doch gestehen , daß demselben eine unverwüstliche innere Kraft der Moralität innewohnt, die selbst Jahrhunderte der Schmach^ und Niedertretung nicht zu vernichten vermochten. Dort aber, wo die Solidarität mit solcher schweren Wucht auf uns lastet, dort, wo jedes noch so kleinste Verbrechen eines Einzelnen von der Böswilligkeit so bereitwillig! ausgebeutet wird, um mit schneidender Ironie zu sagen:! rtbfc« S ist gewiß anwendbar das, n-!n-uvnp ''' i ' -- n Kann nun ’ jeder Unparteiische die schädliche Tragweite eines solchen Verfahrens nach einer Seite hin ermessen, ist. aber auch der schädliche Einfluß, den es nach einer andern hin übt, unberechenbar: Hierzu den Beleg. Ich kam ein anderes . Mal zu einem Orthodoxen, der so ziemlich unterrichtetauch im Stande ist, mber solche-literarische Pxoductionen ein Urtheil zu fällem Wir kamen bald zu sprechen über.Zeitfragen, wir bewunderten die Wege der Vorsehungwelche einen neuen Geist über die Völker ergossen, uns nicht mehr , als Parias anzusehen;: wie der furchtbare Druck,; der auf uns gelastet, allgemach schwindet; wie unsere heiligen Menschenrechte, uns nicht mehr vorenthalten, werden, daß für uns eine neue / Sonne in der Gerechtigkeitsliebe des Monarchen aufgegangen,' unter deren Strahlen wir, einer heitern Zukunft entgegensehen können./ Ich hob dann auch hervor, daß es nun aber auch an der Zeit wäre) daß wir russischen Juden unsere isölirende Stellung aufgäben,; die mittelalterlichen, dem Zeiigeiste nicht mehr entsprechenden- Formen zerbrächen und regen Antheil an dem öffentlichen Leben und der Cultur der Völker, nähmen, damit wir. von uns den Vorwurf der, Verwilderung und des Fanatismus abwälzten; — daß unser Hauptaugenmerk sein müsse, unsere Kinder nicht mehr im verknöcherten Schlendrian der finsteren Tage zu erziehen, sondern daß -auch ein neuer Geist in diesen wichtigen Hebel des menschlichen Lebens dringen müsse, um bessere, gebildete Menschen heranzuziehen, die im Stande wären, für ihr Volk in die Schranken zu treten und seine heilige Sache zu verfechten; denn er müsse doch gestehen, daß unsere bisherige Erziehung nur erbärmliche Jammergestalten von Menschen hervorgebracht, das Volk dumm, abergläubisch und eben darum elend gemacht. Ir, sagte er, Sie verlangen, daß wir unsere Kinder bilden-, die Schulen besuchen und Sprachen und Wissenschaften lernen lassen, wozu? daß sie dann etwa hingehen und Alles, was dem jüdischen Herzen theuer und werth, vor aller Welt Augen, lächerlich machen und es mit bitterem Spott verhöhnen und uns in den Augen der Regierung verdächtigen? — Denn, sehen Sie, die Frucht Ihrer gerühmten Bildung: kaum ist es den Juden gegönnt, ihre eigene heilige Sache zu verfechten und ihre Stimme zur Selbsivertheidigung. zu erheben, als Ihre Gebildeten und Stürmenden, die wir mit unserem Gelde großerzogen, mit im» serem Gute und Blute großgenährt, mit schlangenartiger Natur über uns herfallen, den Geifer der Verleumdung über uns spritzen und in den Augen - der Regierung als ihre Feinde verdächtigen und denuneiren. Alsich das Wort Denuneiation aussprechen hörte, fragte ich ihn erstaunt, wo er denn auch nur eine Spur derselben gefun-

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