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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1860-11-20 · Heft 47 (20.11.1860) · p. Seite 691

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
24 (1860)
Issue
Heft 47 (20.11.1860)
Date
1860-11-20
Page
Seite 691 (sequence 5)
Language
German
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Lender) Charakter ein Glück für Berlin.' Wer sein Haus betrat, iMM^re er der extremste Reformer gewesen, war ihm Jud^^M er freundlich empfing, ihm Rath ertheilte, ihm hal^^M) er. konnte da war kein hochmüthiges Abschließen, kein feindliches Zurückweisen, keine thörichte Selbstüberschätzung! Wer hätte einen solchen Greis beleidigen wollen - oder können! Deshalb sahen auch alle Parteien in ihm den. zu verehrenden Lehrer des Judenthums, die geistliche Spitze der Gemeinde, der sie sich unter allen Umständen noch zurechnen konnten. Friede seiner Asche! v-r-;; Daß ihm die Gemeinde eine ehrende Beerdigungsfeier widmete, versteht , sich von -selbst. Die jüdische Gemeinde zu Berlin hat so eben den Bau eines : neuen Krankenhauses für ihre Gemeindegenossen vollendet und, hierbei alle Erfahrungen im Krankenhauswcsen und alle: Bedürfnisse der.Krankenhauspsiege in so würdiger! Weifteberücksichtigt, daß die sachverständigsten Männer-dieses neue -jüdische Krankenhaus für eine. Musteranstalt erklären.. In Kurzem erscheint eine sachliche Beschreibung mit 13 lithographirten Tafeln in groß Folio vom Geheimrath und Verwaltungsdirector der Eharit6 vr. Esse, welche für .Me, die mit Krankenhäusern zu thun haben/ von großemNutzensein wird. — . ^Jeder . unserer- Leser kennt aus den öffentlichen Blättern die große Peränderung, welche im österreichischen Kaiserstaate durch das kaiserliche Diplom in jüngster Zeit eröffnet, wordennamentlich wie Ungarn zu seiner alten Verfassung wieder zurückgeführt worden. Da frägt^es sich nun, welche Stellung die Israeliten in Ungarn haben und erhalten werden? So viel wir wissen,, war die Emancipation .derselben einer der-letzten Beschlüsse des revolutionären Reichstages in Debreczin, also ein Beschluß, dem gegenwärtig alle Gültigkeit fehlt. Die Juden in Ungarn befinden sich also noch in einer ausnahmsweisen Stellung, wenn sie auch durch den letzten betreffenden kaiserlichen Erlaß Freizügigkeit und Grunderwerbs - Fähigkeit besitzen. Bekanntlich soll.der ungarische Primas in Gran eine Vorversammlungder einflußreichsten Persönlichkeiten berufen. Die „Köln. Ztg."- läßt sichhierüber vom 6. Novbr. Folgendes schreiben : „Mit großer Absichtlichkeit wird durch einige Blätter die Nachricht verbreitet, daß zu der in Gran abzuhaltenden Primatial-Conferenz auch ein Paar Rabbiner berufen würden. . Aus bester Quelle glaube ich versichern zu können, daß man in Ungarn hieran nicht denkt, weil gar kein vernünftiger Grund zu einer fpeciellen Berufung, von Juden vorliegt. Die Versammlung in Gran hat -keinen confesfionellen Charakter an sich/" — Wir befürchten, daß-diese Worte njcht'minder ein Ausfluß'dev! Absichtlichkeit sind.' Freilich-ist die Versammlung in Gran keine; confessiönelle, denn, wenn sie dies wäre, so würde man erst recht keinen Juden dazu berufen;, dadurch: aber, , daß man Juden beruft — es brauchen just keine Rabbi-, ner zu sein — würde man beweisen, daß die Versammlung keine confessionelle sei. -Die Versammlung hat-die höchsten staatlichen Zwecke, aber die Juden haben noch ihre rechte staatliche Stellung zu erringen, das Gesetz derGlaü- : bensfrei^t ist für Ungarn noch - ein zu erreichender staatlicher Zweck, und darum müßten . Juden, zu der Grüner Versammlung berufen werden. Und noch von einer aNderen Seite. Daß Ungarn von verschiedenen Natiönali- : täten bewohnt ist, weiß Jedermann, daß Ungarn sein wahres Heil nur in der Vereinigung aller, es. bewohnenden Nationalitäten zu den staatlichen Zwecken finden kann, wird Niemandem entgehen — nun,. Ihr schreiet doch die Juden immer laut genug als eine Nationalität aus; 'und machet wer weiß was .für-einen Lärm, von ihrer Bedeutsamkeit und Einwirkung : so wäre es wohl, zu rächen, Euch auch dieser Nationalität zu vergewissern. — Mag dies nun geschehen oder nicht, daß. die Juden Ungarns d'et großen Entwickelung, welche in ihrem Vaterlande jetzt, wieder anhebt, nicht gleichgültig zusehen werden und können, ist ausgemacht. Wir unsererseits haben und fühlen nicht den Beruf, den politischen Lehrmeister zu spielen. — Doch das Eine können wir nicht unterlassen, unsere, ungarischen Glaubensbrüder vor aller Art Ostentation zu warnen. Lasset Eure Herzen warm für das Vaterland schlagen, wo. Ihr ihm nützen könnt, thuet es mit ganzer Seele und mit vollen Händen, wandelt getreulich in den Wegen des Gesetzes —? aber machet von allem.Diesem, kein Aufsehen, keine Uebertreibung! Die Erfahrung hat gelehrt, daß, wo nur der geringste Schein eines solchen Strebens auf die Juden fällt, ihnen selbst für das Gute, das sie üben, nur Verkennung und Hohn gespendet wird/und daß, mag eine Sache ausfallen wie sie wolle,- sie den Nachtheil zu tragen haben. — Die öffentlichen Blätter bringen Folgendes aus Ungarn : „Der „Szegedi Hirado" erzählt, daß der Szeged i ner Oberrab bi, Leopold Löv, bei dem -am letz-! ten Sonnabend abgehaltenen Gottesdienste den versammelten Andächtigen die üblichen Segensfprüche Ungarisch - ertheilte. Derselbe Rabbiner veröffentlicht folgenden Aufruf: „Im Jahre 1844 wurde ein-Israelitischer Ungarischer Verein/ gegründetder., auch höher» OM: genehmigt und sanctionirt wurde. In Folge der verhängnißvtzllen Zeiten! hat sich dieser Verein aufgelöst.. Mehrere Parteigenossen

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