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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1860-10-30 · Heft 44 (30.10.1860) · p. Seite 647

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
24 (1860)
Issue
Heft 44 (30.10.1860)
Date
1860-10-30
Page
Seite 647 (sequence 5)
Language
German
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647 Vervollkommnung des Geschlechtesweil sie die Beschränkungen-und Beschwerden unserer irdischen Natur aufhebt oder mindert, die Beschaffung der Lebens-Bedürfnisse erleichtert-und den Wohlstand mehrt. Nicht also diese, sage ich : denn die Vortheile des gemeinen Lebens sind vorwiegend materiell und die Materie, für sich gedacht, ist todt. Der Geist ist lebendig und macht lebendig. Und worin lebt der Geist? In der Idee. Was erzeugt der Geist? 1 die Ideen. Die lebendige Wissenschaft lebt also in dem Idealen; und beschäftigt sie sich auch noch so sehr Mit dem Materiellen, sie ist dennoch ideal, so lange sie nur noch Wissenschaft. Das unvermischte Ideal ist aber ein unsinnliches und ewiges, ist in Gott, und das Streben nach jenem ist'das Streben nach der möglichsten Verähnlichung Und Vereinigung mit dem Göttlichen, die schon im-Heidenthum' den Weisen als höchster sittlicher Zweck vorschwebte. Ja, ich wage es, einen Gedanken auszusprechen/ der dem Einen oberflächlich und gemein, dem Anderen überspannt oder träumerisch scheinen mag: die Wissenschaft mit ihrer Zwillingsschwester der Kunst ist eine Gottesverehrung als Nachahmung der in Gott seienden Ideale. Wenn' in manchen heidnischen Diensten der priefterliche Liturg bei hohen Festlichkeiten durch typische Tracht den Gott symbolisch darzustellen hatte, so war. damit ahnungsvoll, wenngleich äußerlich und sinnlich, wie das Heidenthum war, - der tiefe Sinn ausgedrückt, daß die Gottesverehrung eine Verähnlichung mit dem Göttlichen sein solle. Wir 'aber haben dies innerlicher und geistiger zu fassen, wie ein frommer Dichter singt: „Das edelste Gebet ist, ^wenn der Beter sich „In das; vor dem er knieet, verwandelt inniglich." Sagt uns die heilige Urkunde, daß Gott den Menschen geschaffen ihm zum Bilde, das ihm gleich sei--so hieße es in das Heidenthum zurückfallen, welches nicht sowohl den Menschen Gott, als Gott dem Menschen' ähnlich dachte, wenn wir glauben sollten, dieser menschliche Leib sei ein Ebenbild Gottes: denn Gott ist Geist,'den wir im Geist und in der Wahrheit anbeten sollen: vielmehr der Menschengeist, die Vernunft, ist Vasgeschaffene- Bild- Gottes, so weit von der Vernunft gesägt werden mag, daß sie ein Geschaffenes sei, und nicht vielmehr ein Ewiges, was dem Zeitlichen und Gewordenen als sein unsterblicher Theil einwohnt. Daß dieser geschaffene Geist nicht iw dieser Zeitlichkeit und Sinnlichkeit verkomme, muß er auf das Urbild gerichtet, in diesem leben, weben und sein, und sich der Aehnlichkeit mit demselben bewußt,-Aehnliches zu bilden streben: das ist Gottesdienst im Geist und in der Wahrheit.' Das Vernunft tige Erkennen des menschlichen Geistes ist eine'fortwährende Gottesverehrung im Abbilden der Ideale. Wenn der Stagirite die Thätigkeit der Poesie und der meisten Künste in der Nachahmung findet, so ist dies zwar auf -einem niederen Standpunkt genommen, eine geringe Ansicht; aber tiefer gefaßt, ahmt die Kunst innere Anschauungen und Gefühlswahrheiten in sinnlichen Bildern nach und bringt sie in Symbolen zur Erscheinung; und gleicher Weise ist alles geistige Lernen und das Finden urld Erzeugen des Wahren selbst eine im Geist mit Bewußtsein vollzogene möglichste Wiederholung und Nachahmung des Wesens der Dinge, nicht eben mehr als durch das Wort verschieden von dem, was Platon Erinnerung aus einem Jenseitigen genannt hat. Dies gilt zunächst von den reinsten Ideen, welche der Philosoph zu erkennen strebt; aber auch die Erfahrungswissenschaften suchen auf ihrem Wege näher oder ferner einen Einblick in die mystische Tiefe der Natur und der Geschichte zu gewinnen und den Wesenheiten Leider auf die Spur zu. kommen, wodurch anders als durch nachbildende Wiedcrerzeugung der darin' ausgeprägten Gedanken und Gesetze, deren letzter Grund göttlichen Ursprungs ist? So gilt von aller lebendigen Wissenschaft, was Baco, der ja selber auf dem Standpunkte der Empirie stand, von der Philosophie sagt, daß, wenn sie mittelmäßig gekostet, von Gott abführe, sie'Die-'welche sie ergründen, zu ihm zurückführt. „Gott sprach: es werde Licht; und es ward Licht!" Literarischer Wochenbericht. M a g d e b u r g, 2. October. In diesen Tagen erschien zu Göttingen eine von der Pariser Akademie gekrönte Preisschrift über „die Geschichte des Korans" von Theodor N ö l d e k e.; Diese gründliche Forschung, deren erster Theil über den Ursprung des Korans handelt, und zwar zunächst über die Quellen von Muhameds Lehre, kommt zu dem Resulate, daß „die Hauptquelle derOffenbarungen für Muhamed die Jud en bild eten." Der Verfasser sagt S.5.: „In mehreren Gegenden Arabiens, vorzüglich im Gebiete von Patrib, welches mit seiner Vaterstadt in vielfacher Verbindung stand, waren die Juden zahlreich; ja auch Mekka muß häufig von ihnen besucht worden sein. Die ganze Lehre Muhameds trägt schon in den ältesten Suren die unverkennbaren Zeichen ihres Ursprungs an sich; es wäre überflüssig, hier erst auseinanderzusetzen,

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