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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1860-09-04 · Heft 36 (4.9.1860) · p. Seite 526

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
24 (1860)
Issue
Heft 36 (4.9.1860)
Date
1860-09-04
Page
Seite 526 (sequence 2)
Language
German
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Ueberall, wo im Laufe des verflossenen Jahrhunderts Bildung und Gesittung.,ihre ersten Strahlen in die geschloHnen ^Kreise- Israels warfen/ Wo die Strömung des HiHMeP Lebens tzie ^Krtsjr derWWtid st)uWrach und deren Bevölkerung trotz allem Widerstreben nach und'nach mit sich fortriß, sah man alsbald, daß die Erziehung der Jugend in der alten Weife nicht fortgesetzt werden könnte. Man sah ein> Paß, diese Jugend,.in. der Unwissenheit und , Rohheit ethäÄn^/ntch^blos geistig/ sondern auch ntateriell untergehen müßte, da in unserer Zeit auch auf dem industriellen Gebiete selbst für den kleinsten Mann ohne Wissen und Entwickelung des Geistes' nicht 'vorwärts" zu kommen ist. Man machte auch die Erfahrung, daß die in alter Weise unterrichtete Jugend, wenn sie auch theilweise ein größeres Maß positiv jüdischer Religionskenntnisse erhielt, dadurch keineswegs gesicherter gegen Jrreli- - giosität sei, sondern gerade von einem Ertrem ins andere hinüberspringe und oft das religiöse Wesen ganz abstreife, weil sie, mit achtem religiösen Geiste nicht genährt und nur das ihr neue weltliche bewundernd, von innen heraus , nicht geschütztwar.Diese, Gefahr wird, aber immer .größer, je näher das wirkliche Leben den. bis jetzt abge- . schlossenen Kreisen Judas. rückt, jei tiefer es in diese eindringt,. je mehr Theile: derselben es überwindet. Es findet daher,; gerade. das Gegentheil; statt von Dem, was Mele durch Erhaltung^e.3 ölten Leabsich- .Ligen. ■ Anstatt das Judenthum. zu erhalten, bedroht es .dasselbe mit den größten Gefahren, die nur Dem ver-; schlossen, sind, . der die Augen verschlossen hält. Reden Hip daher hier, nicht von denjenigen Individuen, welche das ,Chedarwesen. aus eigennützigen Absichten aufrecht zu erhalten suchen, sondern.sprechen nur zu Denen, welche in gutgemeintem,, aber blindem Eifer der Gründung geordneter Schulen feindlich: entgegentreten.' so sehet wohl zu, Ihr, Brüder, daß Ihr Eure Jugend nicht der doppelten Gefahr ausfetzet, ihr materielles Dasein und ihre Religion gleicher Weife zu verlieren! Ja wohl habet Ihr Recht, und es ist Eureernsthafteste Pflicht, darauf zu sehen, daß in den neu zu gründenden Schulen der Unterricht pu der Religion unserer Väter, nach ihrer positiven Gestaltung nicht zueiner Nebensache erniedrigt, sondern als eine; Hauptaufgabe behandelt wird^ aber gerade in- ^pem.Ihr-diesen Gesichtspunkt kräftig festhaltet, wird -die neue Schule ihrem Gesammtzwecke vollständig dienen,- und Jhx dadurch der-jüdischen Schule ein Fundament auf viele Jahrhunderte, legen, b.v . / ' Die Schulfrage ist. für die galizische Judenschaft durch ' die neueste österreichische Gesetzgebung eine wahre Lebensfrage^ geworden. Dieselbe macht die Befähigung, Grundbesitz -zm.serwerhen, von penhHefüch^ der EchM anhängig, unA wie-HrnAdie k. ^M^aÄrHHtuüg e| hiA»E Mint, ersieht man aus demM^scripte, welches Privatprufsingen für die galizischen Juden nicht zuläßt. Die hohe Regierung will hiermit alle Umgehungen des Gesetzes, alle Be- , stechlichkeiten vermeiden, wenn dadurch auch allerdings viele ' Einzelne chart betroffen iVrdeüs '*'' ,Es.ist hier nicht unsre Sache, dieses Gesetz zu beurtheilen. Es ist factisch da, und so wird der Vernünftige nur das'Tatsächliche ins Auge fassen. Ich glaube nicht, daß dieses Ausnahmegesetz so leicht verschwinden werde, . und um so weniger, je mehr die Juden Galiziens die Gründung von Schulen vernachlässigeil oder gar Hintertreiben. Sehet also wohl zu, daß. Ihr Eure Jugend nicht einer der größten bürgerlichen Wohlthaten dauernd beraubtso daß sie einst anklagend gegen. Euch auftritt, und, was der schrecklichste Gedanke für Eltern ist, Steine der Anschuldigung auf die Gräber der Väter wirft. Sie werden gegen Euch auftreten, Eure Kinder, und sprechen: UnsreVäter haben ihrem Vorurtheil oder ihrer Lässigkeit und Nachgiebigkeit unser ganzes bürgerliches Wohl geopfert! . Sie wähnten, daß unsre Religion nur durch Unwissenheit und Beschränktheit erhalten werden könne, und diesem Wahne fielen wir zum Opfer! - Darum stehen wir mitten im Vaterlande, mitten unter den Glaubensgenossen der anderen österreichischen Staaten ausgeschlossen und des besten bürgerlichen Rechtes beraubt da! — So werden Eure Kinder sprechen, und sie werden nicht Unrecht haben.. Denn ich brauche es Euch wohl kaum zu sagen, daß auch in industrieller Beziehung die Welt eine ganz andere geworden'und daß ohne die Befähigung, Grundbesitz zu erwerben,, gegenwärtig kaum ein industrielles Unternehmen vortheilhaft zu bewerkstelligen ist.: . Ich bilde mir nicht ein, - daß ich durch dieses an Euch gerichtete Wort Diejenigen überzeugen werdewelche durch die Richtung ihres Geistes und durch den, dem europäischen Wesen so ganz entfernten Bildungsgang kaum zu begreifen vermögen, was wir wollen, oder vom blinden Vorurtheil befangen, im-Voraus verwerfen,- was-wir sagen. Aber, wir wenden uns an Diejenigen unter Euch, die da schwanken, an Diejenigen, welche das Bessere zwar erkannt haben, aber zu lässig sind, um Hand an ein großes Werk zu legen, an Diejenigen, welche vor jedem Hinderniß zurückschrecken, jeden Kampf scheuen- und aus persönlichen Rücksichten nachgebensendlich an Diejenigen, welche

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