Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 24 (1860)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1860)
- Date
- 1860-08-14
- Page
- Seite 483 (sequence 3)
- Language
- German
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Die KnKnlist Palästinas. Im gegemvartigcn Zeitpunkte sind: die Augen Europas wieder auf jenes Sand gerichtet, welchemein großer Theil des Menschengeschlechtes besondere Sympathien spendet,' insonders -auf jenes Gebirge, .welches in den: innigsten Beziehungen zur Vorzeit unseres Stammes und Glaubens steht: Syrien, Palästina, der Libanom Abermals hat eine jener blutigen Fehden zwischen den christlichen Maroniten und den islamitischen Drusen, zweien Secten, welche eben so sehr das Christcnthum, wie den Islam entstellt haben, stattgefundcn; eine furchtbare Metzelei unter den unterliegenden Maroniten und den in Syrien, namentlich in Damaskus wohnenden Christen war die Folge, und die Energie des französischen Kaisers will diesmal nicht zugeben, daß Europa ein muffiger Zuschauer bleibe : eine Intervention, d. h. Occupation von französischer Seite soll eintreten, die Pforte: hat ihre Zustimmung hierzu gegeben, die europäischen Mächte eine: Convention darüber geschlossen, und so werden sich jedenfalls Thatsachcn daraus ergeben. Syrien hat aus seiner stürmischen Geschichte Ueberbleibsel jeder Nationalität zurückbchalten, die seit Israel das Land Kanaan erobert, in Syrien eineRolle gespielt, so daß in der That nur jene alten Völker fehlen, welche vor und neben Israel eriflirten und denen die -Propheten den Untergang verkündet hatten. Außer den auch dort überall zerstreuten Juden giebt es hier zunächst die Reste des Volkes, welches vor dem Eroberüngszug des Islams diese Länder beherrschte, der Griechen des byzantinischen Reiches, die aber wieder in die Anhänger des griechischen Cultus, die lateinischen Griechen und die Maroniten, von der Secte des Mönchs Maron, ehemals unabhängig, jetzt der römischen Kirche zugehörig, zerfallen. Hierauf kommen die Reste der Nation, welche die Fahne des-Islams siegreich über Wcstasicn getragen, der Araber, unter welchen die Abkömmlinge der ursprünglichen Araber, die Metualis, die Drusen, die Ansarier rc. figuriren, die sämmtlich durch Abstammung und religiöse Glaubensverschiedenhciten. von einander gespalten sind: Hierzu kommt das jetzt herrschende Volk, die ottomanischen Türken,- bekanntlich von mongolischer Race, und endlich gesellen sich zu diesem Gemisch ansässiger Völker die nomadischen Hirtenstänlme der Turkomannender Kurden, der arabischen Beduinen. Im Verlaufe von 344 Jahren, seitdem der Sultan Selim I. diese Länder unterwarf vermochten die Türken nicht, dieses Gemengsel von Nationen zu irgend einer Einheit umzubilden, da sie selbst eben nur als einebesondere Nationalität zu leben verstünden. Mit der Zeit, seit welcher die türkische Nation ihre Kraft verlören, unter allen diesen Völkerschaften aber -keine war , die all ihre' Stelle treten konnte, mußte Syrien eigentlich die Beute einer europäischen , Macht sein. Nicht als ob wir den religiösen Zug nach den heiligen Stätten oder die Sentimentalität über die dort vorfallendcn Gräuel als genügendes Motiv für-einen europäischen Heereszug nach Syrien aNsehen möchten, sondern weil das betreffende Land anziehend genug für die Herrschsucht und die Handelsinteressen, überhaupt als eine kräftige Grundlage für politischen und cömmerciellen Einfluß in Asien ist, um nicht noch mehr als - der Kaukasus, Algier oder Indien anzulocken. Allein die Eifersucht de? europäischen Mächte, wenn man nicht sagen will das europäische Gleichgewicht,-verhinderte stets die Besitzergreifung Syriens durch eine europäische Macht, trat aber auch eben so einem Versuche eines außereuropäischen Herrschers, ein starkes Syrien zu gründen, entgegen. Daher wurde nicht allein Napoleon I., als er von Aegypten aus Syrien erobern wollte, von den verbündeten Engländern und Türken zurückgeschlägcn^ -sondern auch, als -der Vicekönig von Aegypten Mehemed-Ali und' sein Sohn Ibrahim-Pascha 1840 Syrien sich unterworfen und die Türken wiederholt geschlagen hatten, zwangen die verbündeten Oesterreicher, Engländer und Russen sie, Syrien wieder zu räumen, da Frankreich, der einzige Bundesgenosse des ägyptischen Vicekönigs, unter dcr^ schwächlichen Politik Ludwig Philipps ihm beizustehen nicht wagte. Napoleon Hl. aber, der jede Gelegenheit mit Eifer ergreift, welche geeignet ist, die'alten Scharten' auszuwetzen, und Frankreichs Machtstellung zu vergrößern /'wohl-wissend, daß die: französische Nation ihm so lange gehorchen werde, als sie sich durch ihn an der Spitze der Nationen zu stehen wähnt, will' die einmal wieder eingetretcne Zwistigkeit der beiden wilden Völkerstäminc des Libanon benutzen/um in Syrien die Macht des französischen Staates zu entwickeln.' Zwar trat - ihm auch diesmall die "natürliche Einsprache der andern ‘ Großmächte,; namentlich der- Engländer entgegen, so daß der Einfall der - Franzosen in Syrien nicht die anfänglich beabsichtigte große Dimension annehmen wird, ja daß die französische Occupätion nur. eine beschränkte und der Zeit nach begrenzte sein soll; aber die sonderbare politische Conjünctur -in Europa/ daß einerseits Frankreich vorwärts drängt, dennoch aber von der Befürchtung einer europäischen Coalitkön zurück- : gehalten wird, andererseits die übrigen europäischen Mächte