Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 24 (1860)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1860)
- Date
- 1860-08-14
- Page
- Seite 482 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3226202-3226236--18790-3247773- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
geworden. Aber glaubet Ihr, daß dergleichen nur m Amsterdam möglich sei?. Soll ich den Sitten des rn r-ZMGWchK'iWlH' HO W samer Weise seine Fraü und Kinder entgingen? Wir^ haben Berichte über Vorgänge in Odessa, wo Prügeleien aus Fanatismus und durch Aufhetzung von Fanatikern in der neuen Synagoge und ihrer-Vorhalle in schimpflichster Weisö Mtlfandev- Gegen-<di^ -wirüm kein Äergerniß zu geben, unterdrückten. Was vor einiger Zeit in Konstantinopel betreffs der dortigen Schulen vorging, wird den Lesern noch erinnerlich'sein;'wie es 'in Bbka-' rest stand, als der Rabbiner Malbin die Stelle wieder verlassen sollte, haben wir in diesen Blättern nur sehr oberflächlich andeutcn lassen. Wir sammeln diese Bei- Wle/ der' jüngsten 'Zeit nur, um unsre deutschen Glauhensbrüdep nachdrücklich, zu. warnen. Auch in unserer Mitte sucht sich eine Partei zu sammeln und ihr Haupt zu erheben, die ganz Dasselbe beabsichtigt. Jede Regung des Besseren, jedes Streben nach Entwickelung und Bildung, auf religiösem Gebiete zu verketzern, zu verfolgen und durch alle mögliche Mittel, die dem Fanatismus zu Gebote stehen, zu untcrdrücken. Fragt nach, ob man in Würzburg und- Mainz, in Preßburg und. Eiscnstadt über den Vorgang in Amsterdam trauert oder frohlockt? Es, giebt auch unter den-deutschen Juden genug, welche in ihrer, Kurzsichtigkeit sich von den frönnnelnden Redensarten und Augenverdrehungen der nach Herrschaft über die Menge strebenden Hierophanten verlocken lassen; sie sehen die Schlange unter dem Grase nicht. Und was thun die. deutschen Rabhinen gegen dieses im Finstern wachsende Unheil? Stumm bleiben sie und unthätig, niüssige Zuschauer, wie Andere,kämpfen. Sie haben dies erst vor Kurzem bewiesen. Man darf einen Feind nicht überschätzen,' aber auch nicht unterschätzen. Eine rührige Minderzahl, noch dazu wenn ihr, jedes Mittel recht ist, vermag vjel einer indifferenten Mehrzahl gegenüber, zumal wenn diese den Standpunkt der Bildung, und Ehrlichkeit nicht verlassen will und kann. Lasset sie Euch erst über den Kopf wachsen, und Ihr werdet es in Euren eigenen Gemeinden schmerzlich empfinden. Wir wissen, sehr wohl, daß in Deutschland zu unserer Zeit die Machinationendes Fanatismus so wenig im jüdischen,, wie im nichtjüdischen Hecreslager sich irgend einen dauernden, Erfolg versprechen können. Ja, im Augenblicke, selbst, wo fie eines Sieges sich erfreuen zu können glauben, erwachs die Energie,, welche, im Nu' ihr funbamentloses Gebäude über den Haufen wirft. Allein sie vermögen viel zu hindern, Vieh zu stören, viel nützliche Kruste zuubsorblren <Jhr Mer unte^hentzd'eutschLnMaMrkm., welche sich gern rynstßoative Kennen,^ indem ste. dem.jBedsirfchß der Zeit, der Befriediffüng des Geistes nur. nlöglichst^geringe Zugeständnisse machen, und hingegen erhalten, was nicht geradezu abgerungen wird, glaubet nur nicht, daß Ihr darum jenen, herrschsüchtigen Mperorthodorcn weni- - gerverhaßt : seid/ Ihr predigk deutsch,' habet Chorgesang, kürzet diePiutim ab, haktet Taschlichmachen für eine Thorheit — Grund genug, um Euch zu verdammen. Wer weist Ähr ckhWn nichts noch hinderlicher erscheint, und sie Euch darum einst um so heftiger angrcifen werden. Bei ihnen heißt es wie bei allen Ultramontanen: „Wer nicht mit mir, ist gegen mich." Dennoch find wir weit davon entfernt, dem Amsterdamer Pöbel die Schuld zuzuschreiben, oder selbst Denen, die ihn fanatisirt haben, Vorwürfe zu machen — man kann von ihnen nichts Anderes erwarten — wer eigentlich anzuklagen, wer als die intellectucllen Ursachen auzuschuldigen: das sind die Gebildeten und Vorgeschrittenen unter den Juden Hollands- und sei deren Zahl auch klein, welche seit den 65 Jahren, in welchen die bürgerliche Gleichstellung in Holland ausgesprochen, ja seit den drei Jahrhunderten, wo die Glaubensfteiheit in Holland eine Zufluchtsstätte gefunden, Nichts gethan haben , um ihre in geistiges und körperliches Elend versunkenen Glaubensgenossen aufzurichten. Ihr-werdet Minister, Richter an den höchsten Gerichtshöfen, Beamte aller Grade, unter Anderm auch Millionäre, über für eine tüchtige Schulbildung, für geistige und industrielle Entwickelung Eurer armen Glaubens - und Stammcsgenossen thm Ihr Nichts. Almosen gebt Ihr, mit übertünchtcn Anstalten begnügt Ihr Euch,, nichtssagende Menschen, die sich glatt im Kreise herumdrehen und nach allen Seiten hin Reverenzen machen, sind, Euch genehm. Als im deutschen Israel das Licht zu dämmern begann, da gingen unsre Väter in Dessau. von Haus zu Haus betteln, um Geld zur Gründung einer Armenschule zu sammeln,, und . dieseArmcnschule war. bald so vortrefflich, daß die Reichen baten, ihre Kinder in ^dieselbe aufzunehmen. Wann habt Ihr desgleichen: - gethan oder. war schon unter. Euch ei n Jacobson, her, eine. Erziehungsanstalt wie in Seesen gegründet? So habt Ihr Euch , nicht, zu, wundern, daß Euer ganzes Feld in Dornen und Disteln aufgeschossen, welche unversehens die Fackel des Fanatismus in. Flammen setzt!