Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 24 (1860)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1860)
- Date
- 1860-08-14
- Page
- Seite 484 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Beirut 1× ep/1047833
- Hebron 1× ep/1047559
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484 noch nicht einig genug sind-- um-dem französischen Vor- ' gehen-ein völliges Interdikt aufzulegen, gesteht den Franzosen, doch immer -eine Besetzung Syriens -zu, und - wie Weit dann die Thatsachen die gegenwärtige.Vereinbarung -überholen werden, läßt sich nicht im geringsten voraussehen. - -::v -,b ■■ -; Diese. Besetzung Syriens, zu welchem auch Palästina gehört, durch eine europäische Macht muß aber eine wesentliche Umgestaltung der dortigen Verhältnisse zur Folge haben. Schon-als Ibrahim-Pascha Syrien besetztgehalten, war allgemeine Sicherheit vorhanden, und Ackerbau und Handel begannen emporzuhlühen. Der Aegypter hielt strenge Mannszucht, übte Gerechtigkeit, jagte die Beduinen in. hie Wüste zurück) die Ernte war sicher, in die Scheuer des Landmanns einzugehen, die Heerstraßen konnten ruhig begangen werden. Mit dem Augenblicke, wo der Türke,-die Herrschaft wieder in die Hand bekam, hörte alles Dies wieder auf, und die -Keimedes Kulturlebens verdorrten wieder unter dem.Sande der Wüste. Die französische O.ccupation wird im- Nu eine vollständige Acnderung bewirken. Die -verschiedenen Nationalitäten und Religionen werden: gleichberechtigt,neben einander bestehen, die Arbeit wird ihres Lohnes'sicher fein, und die angehäuften Bettler in Jerusalem die Entschuldigung der Unsicherheit und der Nahrungslosigkeit nicht mehr für sich haben. Aber die. europäische Herrschschaft bleibt bei dieser bloßen Negation nicht stehen. Schon militärische Rücksichten bedingen die Herstellung guter Straßen, Eisenbahnen, Ttlegraphenstränge. Einer unserer geehrten Mitarbeiter-hat jüngst in diesen Blättern aus einer amerikanischen Broschüre berichtet, wie in Syrien und Palästina hierzu die ^Anfänge-bereits kräftigst gemacht worden. Bald wird/ man per Eisenbahn von Beirut nach Jerusalem fahren,, eine Nachmittagstour nach Hebron oder dem tobten Meere machen, Brücken über den Jordan schlagen; es werden Hotelsaller Art in Jerusalem und, Betlehem so gut wie in Alerandrien und Kairo, und noch besser, erstehen, Boulevards um den Berg-Zion laufen; die Industrie wird sich -des Landes und aller, seiner Mittel bemächtigen, die Spekulation sie - nach allen Seiten hin ausbeuten, und bald wird man van-, den Ufern des Salzsees Bäder und auf den saftigen Triften Basan's Molkenanstalten sich erheben sehen. Wer irgend einmal Gelegenheit gehabt, die Umwandlung zu beobachten, welche die europäische Cultur, namentlich in. unserer Zeit, wo die - Dampfkraft, die Elektricität und-die.außerordentliche Entwickelung der Mechanik alle Entfernung -und Schwierigkeiten überwinden, in einem Jahrzehend selbst auf einem ganz vernachlässigten oder naturwü'chsigen "Gebiete,'' das nbtr einen Mittelpunkt füxu die Nationen darbietet, hervorzubringen vermag, wirdvdie i -obigei Schilderung micht für übertrieben finden.V v v,--v-.v-v; orr1:-'; ,• ,Vv •:; ' Diese Veränderung auf dem uraltheiligen Boden würde allerdings zwei verschiedene Seiten haben. Von der einen ginge auch, hier alle Romantik, aller Aufschwung des Gefühls und der Phantasie verloren^ Die „zerfallene Hütte! Davids" - wird an heiligem Glanze der Erinnerung und der Verheißung verlieren, wenn auf ihrer Stätte nicht Ruinen und Mauerreste, sondern Bahnhöfe und französische CaMs stehen. Andererseits aber wird die jüdische Bevölkerung der heil. Stadt und des heil. Landes aus ihrer trostlosen Lage gerettet und nach und nach zu einer würdigen Stellung emporstreben. Statt der hungernden Faulenzer, von denen die ungeheure Mehrzahl/was sie auch sagen, nicht einmal dem Talmudstudium obliegtwerden arbeitsame,'selbstständige Juden sich ansässig machen;' Schulen werden erstehen, jwahrhafte Meister der jüdischen Theologie werden sich dort zufammenfinden und durch gesicherte große Stiftungen ein Lchrplatz unserer Religion gegründet werden , der mit denen der Vorzeit zu wetteifern vermag. Was nicht minder wichtig, Jerusalem wird dann der Punkt iwerden, von welchem' aus auf düs Schicksal, der zahlreichen, unglücklichen, in den Ländern am Euphrat in Kurdistan und Persien zerstreuten Söhne Israels, die dem tiefsten Elend in körperlicher und geistiger Beziehung verfallensind, nachdrücklich gewirkt wer- - den kann, so daß von da aus dem ganzen -orientalischen Judenthume eine neue Sonne. aufgehenwürde. Die Sammlungen für die Maronitcn. Es ist unfern Lesern bekannt, daß Crämieut in Puris und Monteftore in London Aufrufe an ihre Glaubensgenossen zu Sammlungen für die Maro«iten und .syrischen Christen erlassen haben. - So eben lesen wir auch, daß Rabb. Wälder in La up he im im „Schwab. Merkur" einen ähnlichen Aufruf veröffentlicht hat. Niemand wird voraussetzen, daß wir minder als West Herren von Entsetzen über die begangenen Gräuel, von Mitgefühl für die beraubten und verwundeten. Mitmenschen, für die Wittwen und Waisen der Gemordeten erfüllt sind, Niemand kann den Sammlungen.zu diesem Zwecke, von welcher Seite sie auch ausgehen, größerzi Erfolg wünschen. Dennoch