Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 24 (1860)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1860)
- Date
- 1860-08-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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24. Jahrgang. U \ \ g ( M p j u C JW 33 Ein unparteiisches Organ für altes jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Magdeburg. Leipzig, den 14. August 1860. Diese Zeitung erscheint wöchcntlick einmal, Dienstags, in t'/j bis 2 Bogen. Preis deS Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig .22 l/a Stgr. Inserate werden mit l'/r Ngr. für die Petit «Zeile oder deren Raum berechnet. - Bcilagegebühren betragen' für 1 Bogen 4 Thlr., für Bogen 3 Thlr. , für iji Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs «Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hanptexprdition für beide Letztere hat sich das Köpizl. Sachs. Haupt «Zeitungs «Bureau hier unterzogen. i I »ha l t. Leitende Artikel: Eine laute'Warnung. — Die Zukunft Palästinas. — Die Sammlungen für die Maroniten. — Die isralitische Bibel-Anstalt. Zeitungsnachrichten:.Deutschland: .Aus dem Braunschweigischen , Leipzig, aus, Bayern. P r e u.ß e n: Cottbus, . Seehausen, Berlin. Oesterreichischer Kais.erstaat: Krakau, Wien. Frankreich : Mühlhausen. Holla Amsterdam. Da ne mar k: Kopenhagen, Kopenhagen. Rußland: Petersburg - Friedrichstadt. Leitende Artikel. . Magdeburg, 6. August. Eine laute Warnung. Der Vorgang in Amsterdam, über welchen in poriger und dieser Nummer berichtet wird, ist wohl geeignet, die Aufmerksamkeit aller Glaubensgenossen auf sich zu ziehen. Ein deutscher Rabbiner- und Prediger, der in ganz harmloser Weise', ohne sich mit der altorthodoren Synagoge in Opposition zu stellen, ohne den bestehenden Satzungen und Formen des Judenthums in'irgend einer wesentlichen Beziehung enlgegenzutreten, bringt durch seine Vorträge über' alihebräische Schriftwerke eine kleine Schaar Solcher zusammen, welche in der Bildung der Zeit das BedürfNiß fühlen nach acht religiöser Erbauung," nachdem sie zumeist seit langer Zeit dem ceremoniellen Wesen den Rücken gewendet hatten und veranlaßt sie, einen Verein zum religiösen Unterricht ihrer Kinder und zu einem geregelten, mit Predigt verbundenen Gottesdienst zu bilden.' Es waren von den 25,000 Juden Amsterdams etwa20 Familien, und an Polemik oder Propaganda war nicht zu denken. Da erlassen zunächst zwei Rabbinats-Ässessoren, die Herren Susan und' Hirsch, eine Bannbulle mit den gewohnten Verketzerungen, Verdächtigungen und Beschimpfungen, und dann wird in den Synagogen der roheste Pöbel fanatisirt, am Sabbath selbst dem deutschen Rabbiner aufzulauern und ihn nebst den Besuchern seines Bctlocals beim Austritt aus demselben mit Steinwürfen zu empfangen und zu verfolgen, mag dies auch die blutigsten Folgen haben/ Selbst die Anwesenheit dreier Polizeimänner , die .mit blanker Masse ihn vertheidigen, schützt ihn nicht und Nur wie durch ein Wunder entkommt er, obgleich viele Aridere verwundet werdenMan'staunt, man hält es kaum für möglich; man weiß zwar seit langer Zeit, daß die untere Schicht der jüdischen Bevölkerung in Amsterdam zu dem niedrigsten Pöbel gehört, aber man zweifelt, daß es in unserer Zeit noch Männer giebt, welche dieser Masse aus pfäffischen Motiven zu blutigen Verfolgungen und Verbrechen sich bedienen und sich zu bedienen verstehen. Aber gemach,' es ist dieselbe Masse, aus welcher vor anderthalb Jahren ein junger Mensch das Messer üuf einen JudeNmisstönär stieß; dieselbe Masse und ihre Führer, von denen sm Jahre 1660 der Dolch gegen Baruch Spinoza gezückt ward, weil er durch Nichtbefolgung der Gebräuche Anstoß erregte — denn von seinen Meinungen und Lehrest war damals noch nichts bekannt