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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1860-08-07 · Heft 32 (7.8.1860) · p. Seite 473

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
24 (1860)
Issue
Heft 32 (7.8.1860)
Date
1860-08-07
Page
Seite 473 (sequence 7)
Language
German
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lang in' Dissidenz steht- - nämlich die Fassung des Paragraphenüberdie Freiheit der Bildung neuer Religionsgemeinden, die die Bürgerschaft nicht von befottd'ern Concessionen abhängig gemacht' wissen will. Eine specielle Petition dagegen, und überhaupt im Sinne der- Religionsfreiheit für die Mnderzahl/^ist von der römisch-katholischen Gemeinde eingegangen, deren Verfasser unser Di. JsaacWolffsohn ist. Von diesem Manne Advocat und Abgeordneter — kann man mit Recht sagen, daß er hoch, wie zur Zeit wohlkein Mann - Ln Hamburgin derallseitigen Achtung sieht. - >So führt er auch mit großem Glanze die Sache seines strengsten politischen Gegners, eines hartnäckigen Vertreters der alten- Zustände/ des vom Senate seit mehreren Jahren susp entarten und auf Amtsentsetzung verklagten Wasstrbau-Directors Hübbe, eines Ehrenmannes im Uebrigen. ' Wenn nun die Verfassung vollständig geordnet sein wird>nach dem Anschein einer. Sache von 4 bis 6 Monaten, dann wird auch unsere Gemeinde eine neue Constitution haben müssen, was kein leichtes Werk ist. Zwar als Cultusgemeinde, als Besitzerin von Gebäuden, Gottesäckern- und des financiellen Status wegen wird sich ihr keine große Schwierigkeit entgegenstellen, da keiire Neigung zur Trennung vorherrscht und man überhaupt die Sache nicht so anfangen wird, als habe man tabula rg8s vor sich. Aber die Frage: soll der jüdische Gemeindeverband ein freiwilliger oder ein für jeden Juden obligatorischer sein? und noch mehr die.Frage: soll eine, separirte, wenn auch aus der- Staatskasse subventionirte Armenanstalt fortbestehen? sind schwer zu lösen und noch schwerer wird ein desfallsiger neuer Zustand zu organistren sein. Es. ist leicht gesagt: -keine Halbheiten! Die -Armenversorgung wird zusammengeworfen, wir wollen ,keine besondere Last von 100,000 Mark jährlich für Armenversorgung Nagen! Möge fteiwillig wohlthätig sein wer Lust hat! Allein es istnicht zu läugnen, in der Gegenwart und hier zu Lande sind die jüdischen Armen nicht dasselbe-wie die christlichm Armen. Jene sind zumeift-zurückgekommene Greise undWittwen von kleinen -Handelsleuten, und diese von- Arbeitern und kleinen - Handwerkern. Ein armer Jude denkt: weil es Mir gerade in dieser Zeit kümmerlich geht, deshalb sollen meine Kinder doch nicht unter die Classe ständiger Armen einrangirt werdend ste sind nach Geburt und Verwandtschaft keine-Proletarier, die.von Großvater und Urgroßvater hernichts Höheres vor Augen hatten alseinen zeitweiligen kargen Tagelohn, bei dem man darben mußte-, wenner^ aüsblieb! Wenn meine Kinder in den Armenschulen zu einer besondern kenntlichen Tracht, oder die -Mädchen gar zum Abschneiden ihrer Locken und Flechten angehalten werden sollen, so verzichte ich lieber auf die Armenschule. Wenn meine Frau die freie Feuerung auf öffentlicher Straße zugezählt erhalten soll, da verzichten wir lieber auf diese Gaben und ertragen Frost Und Kältein unfern Wohnungen, weil das zu den Dingen gehört, die der Nachbar nicht zu erführen braucht. Ob dieses Gefühl zu loben oder zu tadeln ist? — Meine christlichen Freunde loben es, und tadelnHabe ich. es nur von jüdischen Principienreitern gehört. Ue^- berdies ist die Zahl derjenigen Familien hier bedeutend, welche durch ihre in Unseren Freischulen erzogenen Söhne in ihrem Alter ein behagliches, von Wohlstand umgebenes Leben führen.- Und was für unsere Armenanftalten, -gilt auch im Verhältniß von unfern Schulanstalten. . Und.das Alles sollte so .zusammengeworfen werden? V :i Seitdem es uns mit unserm Synagogenbau so'fthr geglückt ist, sind wir beim Bauen geblieben. Kaum ist unsere sehr gelungene neue Mikwa vollendet, so sind wir.schon mit. bedeutenden Renovationen in der älteren (sogenannten Altonaischen, steht feit 1788) Synagoge und in dem neuen Tempel beschäftigt. Vor Kurzem wurde hier das auf die Mortara-Ge-' schichte-zielende zLustspielz ,,Die Kartenlegerin^ %(Ia tii’euse de cartes) aufgeführt. Mich dünkt, es ist ganz falsch, eine jüdische.Kartenlegerin darzustellen, weil eine solche wohl nie eristirt hat.^ UnstrAberglaube, ft dick aufgetragen er.ist/-liegt auf einer ganz andern-Ecke. Auch ist unterden 100,000 Frauen, die im Laufe von etwa 450 Jahren in Deutschland als Heren verbrannt worden sind,; keine -einzige Jüdin gewesen. : Freilich eine unerhörte Inkonsequenz von den damaligen rechtsgelehrten Herenrichtern; aber diese Männer dachten, vielleicht im Herzen: die:Juden können wir ft schon herkriegrn, wenn es uns.beliebt!- . . ' Einer nunftrer berühmtm Veteranen, Cremieur in Paris, hat. einen Aufruf an alle.seine-Religiönsgenossen erlassen, um in allen Gemeinden Cömites zur Unterstützung: der jetztin. Syrien - verfolgten Christen zu bilden^ Uns^scheint. diefts Project, nämlich die Bildung besonderer jüdischer Hülfsvereine für jenen Zweck, ein ganz verfehltes M stin. : Vernzuthlich hat der Name Damaskus bei dem ulten-Manne die: Idee: einer edlen

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