Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 24 (1860)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1860)
- Date
- 1860-06-26
- Page
- Seite 394 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3226202-3226229--18689-3247665- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- hazzan 1× ep/1004827
OCR text
erst mit allen Pertinentien definitiv geschafften -sogenannten Schutzverhältniffe - der ' Juden, von -diesen *053)72 euphemistisch -tmp,. Erhaltung, Bestand, genannt, nach welchem. gegen einen vom Vater auf -den ältesten Sohn zu vererbenden Schutzbrief, für schwere Geldopfer erkauft, es diesem allein nur gestattet gewesen, sich zu verheirathen, während alle übrigen Söhne zum Cölibat .vermtheilt gewesen waren, eine Maßregel/ die sich, zum pharaonischen Verminderungsbefehl wie der Keim zur Frucht werhält. *) Eine, derartige restringirende Maßregel mußte nun natürlich ein. Zurück- und Zusammenziehen der davon Bettoffenen zur Folge haben, welche nur in allem Mystisch-Traditionellen ihren einzigen Trost und ihren stärksten Anker zu finden glauben. Diese hyperorthodore Richtung giebt sich hauptsächlich bei Denen kund, die im Mittage oder am Abende ihres Lebens stehen, und findet ihre Rechtfertigung in sich stlbst.; Die zweite Ursache liegt in der durchgängigen Mittellosigkeit der hierländischen jüd. Landgemeinden, die ein auskömmliches und angemessenes Besolden wissenschaftlich gebildeter und moralisch gediegener Lehrer für die Dauer unmöglich macht. Aus diesem Grunde nahmen diese Gemeinden früher wie anderswo auch, und nehmen auch jetzt noch theilweise als Nothbehelf jedes hergelaufene Subject, das als Chasan und Schochet einigermaßen fungiren kann, auch zugleich zu ihrem Religionslehrer auf. Wie aber nun von solchen Idioten, deren moralisch-religiöser Charakter eben oft auch nicht als Muster dienen kann, diese Wissenschaft aller Wissenschaften, wodurch das höchste Heil der Menschheit überhaupt und Israels insbesondere bedingt ist, gehandhabt wird, läßt sich leicht denken. So wird nothwendig unser theuerstes Erbe, für dessen Erhaltung unsere Vorfahren als wahre Märtyrer ihr Gut und Blut gelassen, in den Augen der Jugend durch solche Lehrer, die es nicht verstehen, weder sich selbst *) Der Aeußerung eines hiesigen ehr-und glaubwürdigen Greises zufolge, dem der Ursprung und die Einführung dieses beschränkenden Gesetzes noch in gutem Andenken lebt, soll diese Restriktion von den hierländischen Juden selbst früher, und zwar.aus Handelsneid gegen die diesseitige Ansiedelung ihrer Glaubensbrüder in den Nachbarländern, wofür der Regierung von diesen große Summen geboten, provocirt worden fein, eine Beschränkung, die jedoch auf ihr eigenes Haupt zuruckgefällen ist nach Msalm 7, 15., 16. u. 17. u. Sanhedrin M)Oa.: “iV b.-ni?2 ^172 . . C o xr e sp. noch die heilige Sache, die sie doch nun einmal noleas volens lehren und vertteten sollen) zu der gebührenden Ehre und-Achtung zu bringen-/ verunglimpft und bis in - den Staub zumärgerlichstendörr >-bibfr herabgewürdigt. -- - - - r -'iv.vn •].-i r,;,;; 'Diese Art von Lehrern verschwindet indeß immer mehr aus diesem Landchen, ihrem bisherigen Asyl, .und sucht' ambulirend 'Ist'der'weiten ÄZett, nvE die Hiörländischen Ziegelarbeiter,' aber ^nicht wie diefthurch Arbeit, sondern specülirend 'auf'dm Wöhlthätigkeitsstnn ihrer Glaubensgenossen, ihr trauriges Dasein zu Fristen ünd im Branntweinrausche ihr herbes und bitteres Geschick zu vergessen. Zuweilen wirst auch Da schon, lieber College, einen collegialisch sein sollenden Besuch wie einen Deum ex machinä von einem solchen grauköpfigen Sitenus erhalten Haben, der von diesem sich nur durch das 1^72 »bi N-12D7 (Jes. 51, 21.) unterscheidet. Und auf Deine Frage alsdann, wo er denn ftüher als Lehrer conditionirt habe, wird Hundert gegen Eins zu wetten, die Antwort erfolgen: auch im Lippe'schen Da das Loos dieser Leute sin der That ein sehr bedauernswerthes ist, so werden hiermit im Interesse derselben alle Menschenfreunde gebeten, durch ihre Mildthätigkeit ihnen dasselbe minder fühlbar zu machen. Alleindas Loos derjenigen Gemeinden, bei denen solche Individuen als Religionslehrer conditioniren (nicht fungiren) ist noch weit bedauernswürdiger, indem sie Generationen liefern, bei denen Religion und Judenthum, mit solchen Lehrern identificirt, wie eine lächerliche Carrikatur erscheinen müssen. Dieses und der. große Mangel an gebildeten und tüchtigen Lehrern überhaupt, wodurch eine völlige Unkenntniß in den religiösen Dingen entsteht, die wiederum Lauheit und Jndifferentismus in ihrem Gefolge hat, und deren weitere traurige und schädliche Consequenzen von einer unabsehbaren Tragweite sind, influiren am meisten auf die Jugend, das andere und das jüngere Geschlecht überhaupt. So sehr nun auch unser Landesrabbiner vr. Fahrenbach bemüht ist, diesen schroffen Erttemen vermittelnd die Spitzen abzubrechen, und auf Schule.und Synagoge so einzuwirken, daß Kopf und Herz gleichmäßig befriedigt werden durch das Abstellen alter Uebelstände und das Acquiriren zeitgemäß gebildeter Lehrer, so muß auch er, wie so viele Andere, die traurige Erfahrung machen, daß mit dem besten Willen allein noch nicht viel geschehen kann, sobald dieser an Oppositionen, einerseits