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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1860-04-17 · Heft 16 (17.4.1860) · p. Seite 237

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
24 (1860)
Issue
Heft 16 (17.4.1860)
Date
1860-04-17
Page
Seite 237 (sequence 5)
Language
German
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237 Disputation imGegenwart von selbstgewählten Secundanten vor, dabei zählt er mit kindischer Befriedigung/seine gelehrten * Schriften' her und -vergißt nicht, des Umstandes zu erwähnen:, '-,jda'ßu er? -durch Hwei- Jahre Dekan bei der hiesigen philosophischen Facultät war." Nun istdas zwar ein. sehr schöner Titel, - aber ich: erlaube mir zu fragen, ob die' obige Argumentation:,aus -dem philosophischen Arsenal genommen ist? -? •; . r . h’lui'&ß chat sich darum gehandelt, daß die kirchlichen Bestimmungen über Juden im Mittelalter Platz gegriffen zum Schutze der Christen,; nicht, aber zur Unterdrückung der Juden." Wahr! haben sie doch stets, wie Vas. arme Schaf in der Fabel, den Christen das Wasser getrübt. >; „Wir werden uns im Streit sehr passiv verhalten, wir werden zuerst einen Juden, der Nation nach, der Christ geworden, dann positiv, gläubige und selbst rationalistische und atheistische Protestanten, und endlich orthodore Juden mit wörtlichen Citaten ins Feld stellen, und ersuchen unsere Gegner, mit diesen zu kämpfen;wir werden jeden Streich, der dieser Truppe ertheilt wird, in der Kirchenzeitung wieder bringen. Dadurch wird' unser Vcrhältniß ein passives." Es ist köstlich, er stellt den getauften Juden, den positiv gläubigen, rationalistischen und atheistischen Protestanten und endlich den orthodoren Juden als so viele Holzfiguren hin, ersucht die Ostdeutsche Post, ihre Verteidigungsreden hinzukegeln, und Dr. Brunner macht selber in aller Demuth den Kegelbuben,' und wird blos ganz passiv die geführten Streiche auf das Kerbholz notirem Es ist barer Unsinn, aber man muß gestehenes ist Methode dabei.. - Heft 2. Absatz 8. wird ein historisches Bild von Suß Oppenheim aufgerollt, und gesagt: „Wer denkt nicht dabei an den Münzpachter Friedrich des Großen, Moses Ephraim, dessen schlechte Achtgrofchenstücke von unserm Volke spottweise Ephraimiden genannt wurden/" Doch halt! ich lese eben in. der neuesten No. 149. der Berliner National-Zeitung vom .28. März d. J> in den Lebenserinuerungen von Fanny Lewald folgende bezügliche Stelle, welche , ich mir erlaube' herzusetzen.: „Friedrich der Große 'hatte nämlich hie/jüdischen Banqujers und-namentlich Ephraim dazu benutzt, - die? englischen Subsidiengelder in schlechte Münze in Zweigutegroschenstücke umzuprägen und verbreiten zu lassen, und beidiesenaufköniglichenBefehl-ausgcfüh.rtenGeschäften war auch mein Großvater thätig gewesen.: Als nun unter Friedrich Wilhelm dem Zweiten Pie Beschwerden über die Münzverfälschung im Lande immer lebhafter wurden, wählte die Regierung den Ausweg, .die Juden, welche einst in ihrem Aufträge gehandelt hatten,' für die Verfälschung verantwortlich zu machen. Man sperrte alsoum der öffentlichen Meinung Genüge zu thun, einige Juden- und unter diesen meinen Großvater, ins Gefängniß/ ' Er für sein Theil, wie viele Andere, verlangten eine Untersuchung, indeß die Negierung konnte es zu dieser nicht kommen lassen- und man gab sie ohne Urtheil und Recht frei. Man hatte den Zweck erreicht, die Rechtlichkeit der Männer zu verdächtigen und die Anklage der Regierung auf die Schultern der Juden zu wälzen." So weit Fanny Lewald; es bleibt'nur noch dahingestellt, ob sie vr. Brunner mit Veith zu den Christen, oder mit Börne und Heine zu den Juden zählen will. - Ich weiß nicht, wie viel Wahres an der Geschichte von S. Oppenheim ist, aber gesetzt, es sei, als ob ein Jude nicht'auch ein Schurke sein kann? Aber Mit welchem Wohlbehagen wühlt er in den Eingeweidett seines Schlachtopfcrs, erquickt er sich an der gräßlichen Erecution desselben - zählt dessen erlöschende Pulsschläge - und verläßt? dasselbe nicht früher, bis er dem baumelnden Cadaver das letzte Todesröcheln ausstoßen hört. : Aber warum, frage ich, wird denn an dem Gefäßedas sich durch Jahrhunderte abgeklärt, woaller Schmutz zu Boden gesunken,- wiederum eifrig herumgerührt,'um ihn auf-die Oberfläche zu fördern? Warum gefallen sich vr. Brunner und Consorten, aus dem Mittelalter längst abgethancn Leichen nachzuwühlen, um sie ans Tageslicht zu schaffen? Wäre es nicht eines Christen und noch eines philosophischen würdiger, den Mantel der Vergessenheit für immer darüber zu breiten? Ach, die gute, alteblutige Zeit! sie ist auf immer unwiederbringlich dahinall Euer Gekrächze bringt sie nicht wieder, es ist eitles Bemühen, hier und da zu einem Hep Hep, zu einem Messerstich könnt Ihr den Pöbelaufhetzen, aber einen gut organisirten Kreuzzug bringt Ihr nicht mehr zu Stande. Wie nehmen sich nun im Munde des vr. Brunner Redensarten wie --die wir-aus Schonung. zurückhalten" aus? er und Schonung! Noch Eins:; in der. neuesten No. 13. der Kirchenzei- .tung findet sich eine Correfpondenz vom Neckarworin man sich bitter beklagt, „daß die Juden bei den dortigen Bauern Alles machen, so zwar,, --daß die Bauern bereits ohne die Juden nicht mehr heirathen können"; aber solche Klagen verhallen in der Luft, so lange auf den Rathshäusern vielfach die Juden beliebter sind, als der glaubensverwandte Bauer." Aber stehet denn der vr. Brunner nicht ein, daß dies von Seite der Juden eine indirecte Antwort auf die

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