Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 24 (1860)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1860)
- Date
- 1860-03-20
- Page
- Seite 176 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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tragischen Elemente feines Volkeszugewendetund -es vorherrschen läßt, -während Wer-Typus, die; eremplarischen Ein- -zelgestalten der polnisch-russischett Juden gänzlich vernachlässigt zu -sein scheinen. --Die Billigkeit erfordert aber auch von einer gerechten Beurcheilung, daß sie allen Umständen Rechnung tragen Der etwas polemisch -apologetische Charakter unserer ins Deutsche übertragenen -Schilderung hängt mit - dem - polemischen Charakter -der gegenwärtigen russischen'? Kiteratür überhaupt, so <wie-auch mit der publicistischen- Mirksa.m^eit > unseres Verfafftts zusammen, für die er . durch mehrere Aussätze.in den periodischen JournalengroßeMesähigung -gezeigt, und die auch in der letzp ten Zeit, durch eine -etwas freier gewordene. Censur möglich geworden ist. Jedermann kennt seine Leistungen; in diesem Gebiete und die hohen Verdienstedie -er sich dadurch erworben, daß er nicht bloS als wackerer und geistreicher Vertheiviger seiner Glaubensgenossen hervortrat, sondern.auch. durch sein Beispiel viele-junge Kräfte zur Nachahmung aneiferte. -Man kann ihm dieses Verdienst nicht hoch genug anrechnen, zumal-wenn man bedenkt, Waß die russischen Juden durch ihr fremdes Jargon mehr Schwierigkeiten zur - Annäherung an die allgemeine Bevölkerung begegnen müssenals es mit den deutschen Juden zu den Zeiten/Mendelssohns: der Fall war Dieser Zustand? der socialen und geistigen Abgeschiedenheit hat gegenwärtig -in Rußlandeinige wenige Ausnahmen abgerechnet, leider noch seine volle Gültigkeit. .Die russischen Juden sind aber in so fern ungünstiger. gestellt, als sie. eben durch ihre Sprache von der Masse der Bevölkerung streng geschieden sind. Eine russische Literatur und Sprache, eristirt für die meisten Juden noch eben so wenig,- als für die Russen eine jüdische. Herr O. Rabbinowitsch ist nun der Erste und vielleicht noch bis jetztder. Einzige, der für sein Volk, eine Stimme erhob, die. bald, vernommen und verstanden werden.Mußte. Indem er für die-Unbill und das mit Füßen-getretene Recht seiyer Leidenshrüder muthig hervortrat,-war >eS-ihm nicht -so, sehr darum, zuthun, eine schöne, Dichtung an den Tag zu fordern, oder von seinen Brüdern verstanden zu werden, als vielmehr für dieselben dasmenschliche, Mitleid der rusfis^en Nation zu erregen.- Und ist ihm dieses gelungen, —7 woran jetzt Niemand zweifelt, -7so wird sein, Name , mit;-gutem Rechte auch in der .Geschichte seines Polkes rühmlich notirt werden. - Ihn mußte das große Interesse seiner Brüder mehr bekümmern, als - die Erfordernisse der Schönliteratur. Er schrieb für, aber nicht-über seine Brüder.. Er vertheidigte fie gegen ihre äußeren Feinde, und wenn er sich um deren-innere Feinde, den Obskurantismusdre.i Scheinheiligkeid'u. st w./ fchelstbKt wellig kümmert - sowar es aus dem einfachen 1 Gründe,1 'daß -sie ihn nicht verstehen würden, während andererseits V<rm Unterdrücker, - dem es nie an Stachel fehlte, jetzt nur noch' eine neue Waffe gegen uns geböten sein würde. geistreicher, sonst sehrhumaner Russe,; Zromckerä, hat, übrigens ohne böse Absicht, eine sehr! treffende And charakteristische Schilderung von meiner kleinstädtischen? Jubeng^ meinde. und. deren krähwinklerischem Treiben dkm rüsfifcheü Publikum gegeben.? -Es\ ist ein Meisterstück lvön^güttk Be^ obachtungSgabe i undHamott Natürlich konnte Wid Schill, derung nicht sehr; günstig für die Juden aüsfällen.u Dib russischeLiteratur ist davürch wohl um eine schöne^Skizzb reicher geworden. Allein diejenigen Russen- - die die Jübeü sonst nicht kennen, beeilten fich,' hierin eine^ Rechtfertigung ihres ererbten; Widerwillensgegen die Juden zu finden. Und. den Juden-, denen obige Schilderung vorzUßsrdeise gegolten hat, kam fie noch weniger zu güte , -da? sie voll ihnen garnicht gelesen wurde. — Es isei? aber - auch mit dieser Rechtfertigung unseres;-Autors wichtgemeint,? baß es. mit, seiner früheren tendenzsreien, rein literarischen THA tigkeit ein; Ende! Haben müsse. Vielmehv-sprechen wid üll^ verhohlen den Wunsch und die Hoffnungaüs, daß -er -ts wissen wird, die dichterischen Neugebilve seines Geistes vön den Erfordernissen der. Polemik und-Püblicistik 'streng -zu sondern, sie wohl neben einander zu dulden/ aberme die einen in die andern aufgehen-zu lassen oder gär jknv diesen unterzuordnen.. ' Wir hörendaß die hohe Regierung eiii Gesuch Mtri die Herausgabe einer -jüdisch-russischen Zeitung genehmigt, und daß Herr Rabbinowitsch.sich unter Mltwirkuüg Witz Herrn Tarnopol mit -der Redaction derselben befassen-Wölls. Gleichzeitig syy auch Wie Allerhöchste Bewilligung zirrGtÜM düng eines hebr.-.deutschen periovischen Blattes, um welchk der eifrige. Herr Zederbaum angesucht hat,; ertheilt wvrddtt sein. Wir wünstchen beiden Unternehmungen -den besten-Etd folg und zweifeln nicht, daß-r auch der! Segen nicht -Ausbleiben; wird , wen» die? Redakteure ihre- Aufgabe? richtig erfaßt und sich innerhalb derjenigenGrenzen halten witL den, die ihnen durch die , Natur ihrer/Blätter? an gewieseti zu sein scheinen. Wstv-e- Unternehmungen .würden ' fich-geir genseitignur vervollständigenaber -in?-keinem »Falleeit»L ander hemmend entgegentreteü. Denn während Herr Rabbinowitsch sich mehr mit der socialen und? politischen StA lung der russischen Juden befassen würde, wäre es die Allstgäbe des Herrn Zederbaum, feine ganze Aufmerksamkeit Auf deren innere. Wiedergeburt -zu richten.? -Mögedas uniit