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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1859-12-05 · Heft 50 (5.12.1859) · p. Seite 723

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
23 (1859)
Issue
Heft 50 (5.12.1859)
Date
1859-12-05
Page
Seite 723 (sequence 7)
Language
German
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723 Schillerfeier haben sich in der Hauptstadt, wie in allen Orten hiesiger Provinz, wo jene begangen wurde, auch unsere Glaubensgenossen aufs Lebhafteste betheiligt. An mehreren Orten haben Israeliten als F estredner fungirt. In Gleiwitz hat Herr Director vr. W. Freund „über die mit Recht verdiente Volksthümlichkeit des gefeierten Dichters" gesprochen. — In Rat i b o X' ist es zur Constituirung einer Gemeindeschule nicht gekommen. Seit dem vor etwa acht Monaten erfolgten Tode des concessionirten Lehrers Ritter hat ein anderer Lehrer, Herr H. WachSmann, bei der Königlichen Regierung zu Oppeln um die Concefsion sich beworben, welche ihm nunmehr zu Theil geworden und von ihm benutzt werden wird, um eine Privatschule, etwa wie die früher bestandene, einzurichten. Außerdem wird dort noch durch einen Theologen, Herrn Dr. Levy, ein Privatlehrinstitut geleitet. Aber muß es nicht Jeden befremden, daß eine so große und intelligente Gemeinde wie Ratibor nicht ihre eigene, resp. von ihr unterhaltene „wohlorganisirte mehrclassige Schule" soll aufzuweisen haben? An Mitteln fehlt es ihr wahrlich nicht dazu, und wollte sie von diesen nur den gehörigen Gebrauch machen, sie hätte in beregter Beziehung längst mit ihrer nachbarlichen Schwester Gleiwitz rivalisiren können. Als im Jahre 1855 in Gleiwitz die bekannte (auch in diesen Blättern schon öfters besprochene) mehrclassige und allen Bedürfnissen entsprechende Gemeindeschule ins Leben gerufen wurde, so hatte man in Oberschlesien geglaubt, daß dieses schöne Beispiel zuerst in Ratibor Nachahmung finden werde. Und nach gewissen klangvollen Annoncen, welche seitdem zu wiederholten Malen von Ratibor aus in öffentlichen Blättern (auch in dieser Zeitung) erlassen wurden, hatte es auch in der That den Anschein, als wenn die Erwartung, die man hegte, sich wirklich realisiren sollte. Allein der Schein trog, und der Status blieb der alte. Rybnik gründete mit großen Opfern eine Gemeindeschule, Sohrau in neuerer Zeit desgleichen, Ratibor ließ vergebens hierauf warten. Nicht minder befremdend als von Ratibor ist es aber auch von der großen und reichen Gemeinde B e u t h e n in Oberschlesien, allda noch immer keine G e m e i n d e sch u l e anzutreffen. Auch Tarnowitz könnte eine solche haben, und hat sie nicht; — eben so Myslowitz, Leobschütz u. a. m. — Als Probe von dem in hiesiger Provinz herrschenden Ri sch uö sei schließlich noch das Factum erwähnt, daß in der Gemeinde Rybnik am letztverflossenen Jom Kippur, und zwar am Kol-Nidre-Abende, — von ruchloser Hand geschleudert, •— ein großer mächtiger Stein durch ein Fenster in die mit andächtigen Betern gefüllte Synagoge kam, in Folge dessen — wenn auch glücklicher Weise keinerlei Beschädigung — so doch eine höchst unwillkommene Störung des Gottesdienstes herbeigesührt wurde. Aus Schlesien , 25. November. (Privatmitth.) Beruhen in Oberschlesien hat bei einer Gesammtbevölkerung von 10,388 Seelen 1158 jüdische Einwohner. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder jüdischen Glaubens mag etwa 200 betragen, von denen 2/s (also 80) die christlichen Ortsschulen besuchen, während die übrigen 3/s (gegen 120) von 2 jüdischen Lehrern in 2 besondern concessionirten Privat-Instituten unterrichtet werden. Die dasige jüdische Gemeinde, eine der ältesten in Oberschlesien, hat — nach genauen statistischen Nachrichten — Anno 1784 (also vor 75 Jahren) 132 Seelen gezählt. — In den oberschlesischen Fabrikdörfern K a t t o w i tz und Königshütte, welche beide von Juden ziemlich stark bewohnt sind, werden im nächsten Jahre Synagogen erbaut werden.— Nach einer uns gewordenen ganz authentischen Mittheilung hat der Chef-Präsident der König!. Regierung zu Oppeln, Herr von Viebahn, bei seiner jüngsten Anwesenheit in Gleiwitz (am 1. d. M.) in Bezug auf die dasige jüdische Gemeindeschule sich dahin geäußert: daß es in der Absicht der Regierung liege, diese Anstalt— ihrer höchst zweckmäßigen pädagogischen Einrichtung wegen — zur Realschule ersten Ranges*), d. i. mit der Berechtigung zur Abiturienten-P rüfung, zu erheben. - Diese Aeußerung, von jedem Freund des Fortschritts gewiß als eine höchst erfreuliche begrüßt, muß natürlich so verstanden werden, daß Das, was sie verheißt, erst dann eintreten werde, 'wenn die in Rede stehende Schule, die jetzt schon bis zur Tertia reicht, sich in weiterer vorschreitender Entwickelung bis zur Prima würde gehoben haben. Um dies zu ermöglichen, sollen aber, wie wir hören, Seitens des:Ge- *) Vgl. die neueste Verordnung über die Realschulen vom 6. Oktober d. 3. . Der Referent.

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