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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1859-11-21 · Heft 48 (21.11.1859) · p. Seite 694

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
23 (1859)
Issue
Heft 48 (21.11.1859)
Date
1859-11-21
Page
Seite 694 (sequence 6)
Language
German
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wollen wir einige Bemerkungen unterdrücken) die wir machen hätten. — Zur - Entwickelungsgeschichte der Hägada iw' neuerer Zeit. Von G: Wolf) -Der Titel ist wohl ' nicht ganz richtig, denn der Aufsatz null über die Bearbeitung der Hagada in neuerer Zeit Händeln. Jndeß erhalten wir nur eine Anzeige des vr. Beer'schen Werkes „Leben Abrahams." — Oberrabbiner Jonathan Eybschitz von G. W ol f, eine sehr -interessante -Episode aus dem vielbewegten Leben dieses Mannes, bereichert mit einem FacsiMile der deutschen Unterschrift desselben. — Wir halten es' für - eine Schwäche des ehrenwerthen Herausgebers, daß er in Folge einer tadelnden.Bemerkung Gutzkows, die „Ehrentafel der Humanität im Verhalten von Christen gegen Juden" und die „Ehrenhälle österreichischer Juden" nicht fortsetzt. Die Verhältnisse liegen im größten Theile Europas noch so, daß man für die Verbreitung der Humanität, für die Bekämpfung der Vorurtheile noch in jeder möglichen Weise wirken muß, und daß, wenn wir Juden noch allzu oft gezwungen sind, gegen die Missethaten aufzutreten, die an Glaubensgenossen geübt werden, wir um so froheren Herzens Diejenigen ehren müssen, welche sich ehrenvoll gegen uns benehmen. Wir dürfen nicht vergessen,* daß es; leider für die Mehrzahl der Christen noch immer viel schwieriger ist, gegen Juden Werke der Barmherzigkeit und Liebe zu üben, schwieriger, weil sie in sich das in frühester Kindheit eingepflanzte Vorurtheil gegen die Juden erst'niederzukämpfen haben. Andererseits'wird, wo sich irgend ein Jude'als Spitzbube betreffen läßt, durch alle Tagesblätter in die Posaune gestoßen, und dabei das Prädicat „Jude" mit fetter Schrift hervorgehoben.- Gute Thaten von Juden aber werden möglichst verschwiegen, oder die Bezeichnung „Jude" dabei unterdrückt. Herr vr. Gutzkow hat gut reden von seinem idealistischen Standpunkte aus, obgleich er gerade auch nicht selten mit den Juden unsäuberlich zu Werke gegangen. Wir, die wir im praktischen Leben ringen uNd uns abmühen, wissen doch anders zu beurtheilen, was nützlich und nothwendig ist. Wir möchten daher dafür stimmen, daß-der Herausgeber des Jahrbuches diese Rubriken nicht fallen lasse, was wir mit dem Wunsche begleiten, daß er immer in denselben eine Fülle von Thätsächen zu berichten habe. — Die Beschlüsse des Wiener' Conciliums über die Juden aus -dem Jahre 1267. Von vr. Herman Bärwald, ein höchst schätzbarer Beitrag mit der bekannten Sachkenntniß, Umsicht und Klarheit des Verfassers geschrieben, und für die österreichischen Juden von großem Interesse. — Zu diesen Artikeln kommt Nun noch einiges Belletristische^Hauptsächlich die Skizze:: Eorporal Spitz von Leopold' K ompert. Wir find ganz besonders erfreut, diesmal dem -Verfasser wieder Musi ganzem Herzen Zeinen schönen Dank" zurufen zu können: ' Wir haben hier nicht eine jener verkümmerten und verdrehten Gestalten aus dem Ghetto vor uns) -sondern eine frische Lebendigkeit , aus der Gegenwart genommen , unw in einer so rührenden - Einfachheit und Treue-- daß-wires 'bedauern, - wenn wir Abschied davon nehmen - müssen. Um die Hauptperson gruppirt sich nun noch ein Familienbild von großer Liebenswürdigkeit, - aus welchem Hintergründe die Hauptperson um soanziehender Hervortritt. Weniger konnten wir uns an dem Gedicht von Frankl: '-„Es brennt! Es brennt!" erfreuen. Bei seiner überaus leichten und gefälligen Versivication läßt sich der Dichter zu sehr verleiten, ins Breite zu gehen und Ueberflüssiges zu sagen. So haben die einleitenden fünf Verse gar keinen inneren Zusammenhang. Nicht minder »will uns bedünken , daß die Frivolität oder Nudität in -'-einem Volksbuche am wenigsten am Platze-ist. Das Bild eines Nabbinen mit langem - Barte, im-Hemde -beim Mondschein eine Leiter heraufsteigenv, ist in-der That nicht sehr geschmackvoll. —- Endlich' noch eine Scene aus deinem Drama von Leopold Stein. Das Drama soll den Kampf des Rationalisten vr. Jacob Ehrlich mit dem Zeloten R Naphtali Schwarzmäntel schildern. Man sagt zwar ex ungüe leonem, indeß kann man aus diesem Bruchstück doch nicht erkennen, ob der Gegenstand auf dem fünfjambigen Kothurn sich genügend groß erweist oder nur thut. Die Verse aber selbst und die Sprache sind incorrect,"holp erigohne Fluß und Reiz. Zuerst tragt die Unsitte des Verfassers hiezu bei, schlankweg Alles zu apoftrophiren, was vorkömmt, es mag ein Hiatus da sein oder' nicht: „Ich sprech' den Neffen", „wir -lasen einmal jene Talmudstell'" , -)er rühm' die Alten", ,-ich Hab' bis jetzt", „ich wünsch' daß Du", „des künft'gen Tages erste' Stund' begrüßend" rc. rc., in solchen Härten geht's immer fort. Verse, wie: '' ' - : „Nicht um des Herrn, nein, der Herrschaftwegen" oder „Den Tag, der sie erweckt; wir wollen sie wecken-- haben gar kein Versmaß. Wie incorrect an Sprache und' Maß find Verse, wie: ' -- - „Wider's (!) eig'ne Haupt Wird schnell'» (!) die Ruthe, die er schwingen möchte — das heißt eigentlich: die Ruthe wird wider - ihr' eigenes Haupt schnellen! oder - . - - -7^

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