Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 45 (31.10.1859)
- Date
- 1859-10-31
- Page
- Seite 658 (sequence 12)
- Language
- German
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Meine halb -rüinirte 'Hütte wieder' äüszurichten j auch t'meinen - 'verfallenen Kram in Ordnung zu bringen: Da kam - plötzlich wie ein - ungestümes Ungewitterl.'das.Ver- VerVen ' herbei. Man führte' : nämlich : eine- Abtheilung jun- ' ged RetrUten? unter 'denenmeinSohn sich? befand; in die' Militär - EoloNie' Lei -Uman;? um? sie dort in den . Hand-. griffen der Waffen'zeitig zu üben: — >JN/der Gegend von i Kiew' verschwandmein- Sohn: -währestd einer! stürmischen: Nacht. Hat er in den brausenden Fluchen' des Dniepers: ftin Grab gesündest/ oder lebt dr noch,: ich weiß es. bis . setzt noch nichts u— i Allein dieser unselige Umstand sollte! vollends das Maß Meines Leidens voll machen. Ich sollte 1 den' bitterst Kelch ganz: leerest' Da die? Gemeinde in solchem Falle verpskichtet ist / einest anderst Recruten. zu J stellen, und' die beiden Schurken mir grolltest daß ich? gewagt, öffentlich - mich üb er ihr Mmpfliches-Treiben zu' Vektägen — Machte män^ mir? den Proceßmit meinem: 'Sohne ist 'einem 'sträflichen Einvernehmen:gestanden und seine Flucht'befördert-zü haben. -^- ZuM Beweise führte: Mdn - mein' ungesetzliches''lastges Bleiben rist Kiew: Ml.: Ich konnte^ zum Beweise Meiner Unschuld ^nichts vor-r bringen! als aufs Heiligste betheuern, die Hand nicht im/ Spiele gehabt zu haben; :— allein was helfen Schwüre, s wo mast mein Verderben durchaus herbeiführen wollte? ich ward verurtheilt zu jahrelanger.Festungsarbeit, und > so sehest Sie mich hier in diestr Gestalt? in dieftr Lage. : —Fände ich nicht Trost in unserer Religion, in der Ergebung in den göttlichen Willen, mein Leben wäre^ längst-ein Opfer meines endlosen Jammers. - - : : „Doch", sagte er nach einer kurzen Pause;? „lange \ wird's nicht mehr Mit mir dauern: Dieser steche Leib, bald wird er zusammenbrechen, und mein besseres Ich in eine bessere Welt eingehen; dort wird es mir klar werden , warum ich gelitten, so viel, so 'hart gelitten." — ' Das Mußafgebet begann, und ich entfernte mich, tief erschüttert von diesem Manne des Elends. —- Meine Leser können sich leicht an meine Stelle versetzen, welche Gefühle und Gedanken diese Erzählung in -meinem Herzen und Geiste hervorgerufen. — :--;- : : Immer tiefer sank die Sonne ihrem Untergange zu, immer näher rückte das Schlußgebet dieses Tages heran. —^ Meine'andächtigem Leser wissen Wohlwelchen erhabenen Aufschwung die 'Andacht in diesen feierlichen Momentest nimmt; mit der Abnahme der leiblichen Kräfte? nehmen die des Geistes zu' und die Gottesgläubigkeit: . zieht ein in den Busen des Betenden, ihn beseligend und- Sühne verkündend. Der Geist Hwingt fich dann empor zum Erbarmungsvollen, der,' liebevoll seine hohe Rechte dem Bußendest: entgegenstreckend,. ihm? die? heilsamen Worte zuruft iriiin iiübv ö*> liivö i istiiv IbtfW» . . - / - » . - •.; .Jndieser: hohen, feierlichen Stimmung stand .ich am Fenster,' blickten von der? Tiefe empor zu den mrs umgebenden- Bergen, auf deren Gipfelst eine große: Stadt aus-- ge streckt lag.' Die?Sonne ließ ihre.purpurnen' GlutheN auf den Thürmen und: Kuppeln der-unzähligen Kirchen spielen; der blaue Azur des Himmels wurde: -rosenfarben angehaucht von: ihrem letzten Scheidegruße;?da stand mit einem Male das. Motto dieser Erzählung wie mit Feuerbuchstaben vor meinem Geiste?^- und ich fragte, mich: Wird /wohl: je der Zeitpunkt kommen, in dein auch Israel gegönnt sein wird, nnter-dieser Masse von: Tempeln; auch seinem. Gotte ein Heiligthum zu? errichten, um dem Schöpfer des Himmels und der Erde iw würdiger und erhabener Weise: änzub'eten^—: Mein ahnendes Gefühl/ mtsn unerschütterlicher Glaube an den Fortschritt der Humanität, .'Mein Zutrauen zum Genius der Menschheitzum.Biederfinne des: russischen Volkes- Undder/Hochherzigkeit'feines .erhabenem Kaisers, ließen mich diese Frage bejahend beantworten:? Ob aber dieser Zeitpunkt nahe oder fern? wer kann sich vermessen, den Schleier -der Zukunft zu lüften? Dir, Allwissender, find die Geschicke bekannt, die im Schoße der Zeit liegen, Dir allein, der Du bist der Lenker der Geschicke des Einzelnen wie der ganzer Völker! — Wie ich in wehmuthiger Betrachtung und rin geistigen Anschauen einer besseren Zukunft dastand, erklang abermals jene weiche, klagende Stimme, aus. dem Betsale herüber, und die Worte jenes erhabenen, Gebetes: v'-nbrr üifibN wi ^122 hbn b3> bi “wann rrnnn. birrw -i* - nbaiüi so: klagend und; rührend an den Gestaden des Dniepers erklungen,- versetzten mich an die User'der babylonischen Bäche, in die Mitte-jener Schaar der gottbegeisterten Sänger? - die an Zion dachten-- an- Zion, das ewige Ziel ihrer heißen Sehnsucht, dessen heilige Gesänge sie -nicht aus fremder, ungeweihter Erde ertönest lassen wollten -- um sienicht zu? entweihen. Unwillkürlich netzten sich meine Augen mit T^ranen. — Auch -wir, dachte ich, trauern um Zion, auch wir möchtenuns unter diesen Massen von Völkern ein neues- Jerusalem auf- . richten, aber eingeistiges:-Jene Gottesstadt der- Reli- , gion, - die jetzt so sehr darniederliegt, gebeugt undniedergeworfen, begraben in Schutthaufen verrotteter Gebräuche, im Drucke finsterer Tage — 0, wir möchtest fie: glanzvoll