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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1859-10-31 · Heft 45 (31.10.1859) · p. Seite 659

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
23 (1859)
Issue
Heft 45 (31.10.1859)
Date
1859-10-31
Page
Seite 659 (sequence 13)
Language
German
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659 sich erheben sehen, gereinigt von aller Beimischung sie entstellender Schlackend — Auch wir stehen zum Allmächtigen, - uns ein 'neues Zion finden zu lasten, in der Bruderliebe der Völker, unter deren Mitte ex Uns geführt— im Schutze ihrer hochherzigen Herrscher, deren mächtige Adler um uns ihre Fittige. gebreitet! — . ... . Siebenfach ertönte der Ruf:. «in M Verklungen 'war der letzte Stoß des Schofars, und Jeglicher eilte heim, um nach mehr als vierundzwanzigstündigem Fasten und Beten sich zu laben an-dem, was ihm Gott beschert/Ämch ich^ eilte Mm in mein Zimmer, fand aber meinen Gdfährten 'nicht'; 'imGewühle, war er -mir verschwunden, wußte ich nicht. Ich mußte gehen, mir selbst eine Erquickung zu verschaffen. Was erblickte ich aber, als ich auf den Hofraum kam? Rings herum lagen viele Juden, den Arbeiterklassen angehörig, umher, ächzend und klagend, daß ihnen nach einem so schweren Fasttage nicht gegönnt sei,, ihr. schmachtendes Herz zu laben. — Ich fragte nach der Ursache^ und man setzte mir auseinander, daß diese Leute ihre Quartiere auf den Flößen, Barken und anderen Orten haben, und sich nur hierher begeben haben, um das Gebet zu verrichten. Da aber die Dame,, die Frau eines Beamten, die das Monopol, Juden zu beherbergen, gepachtet, sich in ihrer Gerechtsame beeinträchtigt glaubte, so ließ sie die Thore schließen und forderte von jedem auswärtigen Betenden für den heutigen Aufenthalt einen halben Silberrubel. Da aber diese Leute zu den Äermsten zählen, auch unmöglich jetzt Geld bei sich haben können, müssen sie stundenlang schmachten, bis die reicheren Kaufleute, nachdem sie den ersten Imbiß zu sich genommen, 'durch' eine Collecte die gehörige Summe aufbrachten und die Dame zufriedenstellten. — Als ich mich erkundigte, wohin man gehen muß, um etwas Eßbares zu bekommen, wies man mich in die Küche; dort fand ich viele Männer, die , zwei große Fässer umringten. .Das eine war. voll Semmel, und das andere gesottener Hühner. — Zwei Juden standen bei diesem einen, Hühner und Semmel austhe'llettd, und der andere die Namen der Abnehmer verzeichnend.— Nach langen Worten kam die Reihe auch an mich. Aber kaum, näherte,ich-Mich einem der Fässer, als ich mir mein Tuch vor die Nase halten mußte, so abscheulich'war her Geruch , -den dieses Faß ausdünstete. — Da man nämlich für so zahlreiche Gäste einen großen Vorrath.. zubereiten muß , so fängt man mehrere Tage vor Jom Kippur die Hühner zu schlachten an,' bewahret sie dann in der'Küche, wo fie ganz natürlicher Weise übelriechend werden. 7— Bei allem Hunger, den ich fühlte, konnte ich mich nicht - entschließen , dieselben - zu genießen. Nach langem Warten, eist^ spät in.der Nacht/ kam mein Gefährte, erzählte mir, eine telegraphische Depesche erhalten. zu haben, und sobald Pas Gebet beendigt war, eilte er in das Bureau, sie zu beantworten. — Bald wurde Thee und Semmel herbeigeschafft , und ich! ruhete nach den mannigfachen Eindrücken des Tages aus. — Frühmorgens, nachdem ich mein Geschäft beendigt, schüttelte ich den Staub von meinen Füßen und machte mich froh auf den Heimweg. Als ich meine Fuhre bestieg, verbreitete sich ein panischer Schrecken unter den jüdischen Insassen des Gasthauses. Es verlautete nämlich, daß ein Beamter von der hohen Regierung beordert sei, eine Untersuchung anzustellen, ob kein Jude den dreitägigen Aufenthaltstermin überschritten. — Ein wildes Hin- und Herrennen, ein Jammern und Händeringen war von allen Seiten zn bemerken. Ich konnte das Ende dieser Untersuchung nicht abwarten; wahrscheinlich fand der Beamte Alles in seiner vollkommenen Richtigkeit.— Anzeige tt. Die vacante dritte Lehrerstelle der hiesigen jüdischen Elementarschule ist sofort zu besetzen. . Qualificirte Bewerber wollen ihre Zeugnisse uns einreichen, und alsdann eine Einladung zur Probelektion gewärtigen. Der firirte Gehalt incl. 20 Thlr. Wohnungsmiethe beträgt 175 Thlr. - Chodziesen, den 10. Oktober 1859. Der Magistrat und israel: Schulvorstand. Zü' Ostern 1860 sucht die hiesige Synagogen- Gemeinde einen Lehrer, der zugleich Vorbeter und Schächter, und eraminirt ist, oder fähig', die Prüfung zu bestehen.— Fixer Gehalt bei freier Wohnung, außer bedeutenden Nebeneinkünften,. 200 Thlr. Bewerber wollen ihre Zeugnisse portofrei einsenden, oder sich persönlich vorstellen. — Reisekosten werden nicht vergütet. Eisleben, im Oktober 1859. Der Vorstand der Synagogen - Gemeinde. In der hiesigen israelitischen Gemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters zum 22sten April k. I. vacant, welche bei freier Station ein Einkommen von 140-7—150 Thlrn. hat. Die hiekauf Restectirenden wollen, sich an. den Unterzeichneten Vorstand wenden. . . . . Crivitz, in Mecklenburg, Oktober 1859. L. Jacobson.

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