Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 43 (17.10.1859)
- Date
- 1859-10-17
- Page
- Seite 627 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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627 Her die Initiative ergriffen, der hier der AuMuß, alle.s Ehlen und Erhabenen ist, baS so glanzvoll, so Herz und Seele erhebend an das Tageslicht tritt. — Mer aber vermag, die Llüthenreichen Hoffnungen zu schildern, die in unseren Herzen ersprießen, wenn wir unfern frohen Blick in die heitere Zukunft werfen? — Trost- und freudenreich ist, die ,Perspective, dafür find, uns die letzten Jahre Bürge.; Darum schlägt jegliches Herz hoch und hehr bei Nennung des Pamens Alexanders des Zweiten; darum betet jeder Israelit inbrünstig und andächtig für das Heil, Leben und die Wohlfahrt eines solchen Landesvaters. , Ich war Zuschauer und Theilnehmer eines begeisternden Abschnitts der Hochherzigkeit.deS.Kaisers und des rührendsten Dankgefühls unseres Volkes, der den tiefsten, Andruck, auf.mich gemacht, und dessen Erinnerung ich zu den schönsten meines Lebens zähle.—; Es war im Jahre 1857, ich wohnte damals noch , in Nowogorodwolinsk, einer Kreisstadt, beim Chaussöe gelegen. Da erscholl die fröhliche Kunde: Ihre kaiserlichen Majestäten, der Kaiser und die Kaiserin werden bei ihrer Durchreise von Warschau nach Kiew in ersterer Stadt anhalten, um daselbst ein Mittagsmahl einzunehmen. — Im Nu hatte sich jedes Winkelchen der Stadt festlich geschmückt und zur festgesetzten Stunde — 3 Uhr Nachmittags bei prächtigem Herbstwetter — strömte Alles in freudiger. Erwartung und mit pochendem Herzen dem Absteigequartier zu..— Zur untexthänigsten Begrüßung Ihrer Majestäten hatten.sich hie christliche und diejüdische Gemeinde feierlichst versammelt; an ihrer Spitze standen die. Vorsteher, nach altherkömmlicher Sitte Brot und Salz präfentirend. Eine, unzählige Volksmenge hatte fich auf diesem Platze eingefunden; die Dächer waren von Menschen besetzt.— Das freudige Gewühl, das bunte Getriebe der erwartungsvollen Volksmenge bot ein. schönes. Bild per Liebe eines Volkes zu seinem angebeteten Monarchen. Bald sahen wir den greisen Gorodnitsch, Oberst K. vom Chaussee heransprengen mit. der Botschaft,: das hohe Kaiserpaar komme angezogen. — Blitzschnell . verbreitete sich diese Nachricht und „der Kaiser, der Kaiser!" erscholl's vyn Mund zu Mund und lautlose Stille bemächtigt.e sich dieser freudig aufgeregten, geräuschvollen Menge. — Wir sahen bald den . Kaiser aus, dem Wagen steigen. Die Vorsteher der christlichen Gemeinde näherten sich. upterthänigst mit Brot und Salz. Se. kaiserl. Majestät grüßte Huldvoll mit der-Hand,bewegend, und wollte sich in die offene . Thür des Hauses begeben. Da tritt Höchstdemselben der Oberst K. entgegen mit der unterthäfligsten Bitte, auch der jüdischen Gemeinde diese kaiserliche Gnade zu gewähren. Der Kaiser machte eine.rasche Menf dung, schritt,, lehhaft , und verklärt von einem huhhv My Lächeln, das auf seinem majestätischen. Gesichte.', thr.on.te, vorwärts ugd grüßte »ufs Herzlichste. —. .Daerdröhnte die Lust von.einem tausendstimmigen Hprrahrust/alle ^eelen jubelte^,. alle. Herzen lebten neu apf,, wie unter dem warmen belebenden Hauche der erquickenden FrsthlinMust nach langer erstarrender. Winterkälte^sah Mchstm Kreise um, und betrachtete manchesgra mdurch furcht^,,hnPmerumstorte Gesicht. Alles stxahlte von einer höheren Frqude wider. Gar manches Phge sahsch pomhjmmlischen-Thau der Seele feucht. Greise. Männ^.hörte ich sqge»: dfeft Huld ist herzgewinnend,. seelenerquichend,. wie wahr M.hhch der Spruch unseres Salomons< -ISP! pipb» Nach einer Stunde rgnschst her Magen unter dem jauchzenden Jubelruf dxr Menge, weiter, ,hi.e Lebehochs schienen nie, enden zu wollen. Ich. aber stand einsam auf dem Gipfel eines Berges, den dahineilenden Wagen mit meinen Blicken verfolgend, uyh in mejye^Se,el.e tiefbewegt von diesem Schauspiel der Liebe.eines Volkes zu seinem Gerechtigkeit lfebepdeuMonarchen,, .welches, lebhaftin den Negungen seiuesHerzensjedeempfangeneWohlthat tief im Busen verwahrend, stets bereit; ist, Gut upd Blut für denselben zu opfern. — Lange vihrirten die jauchzenden, Zurufe in meinem Innern. — Was Wunder, dachte ich ,, daß eg; frohlockt upd .jqbelr;,. ist ihm , ja Mit dzesM Kaiser eine neue Sonne aufgegangen, dieher Menschenrechte und - Würde, der Gleichberechtigung, zu der Liebe und Gnade des Landesvater^ feine stehMden Micke,zu erheben! Wie piele. seiner, WMhen find durch ihn jMy, geheilt, wie viese trostreiche Hoffnungen beleben, imHinhstff aus ihn ihre gramdurchwühlten Hexzen. ,^ln, Wen; glorreichen Namen knüpfen sich ja, all ihxe Ho.ssqungxu eiWx besseren Zusunft! Wie länglich, noch,dqstanh, kqny ich nicht sagen; endlich aber,, gls dex Magen„Migen Pljck.en zu schwinden begann, sagte ich: Fahre, wohl,. Du hoch? herziges äkaiserpaar, Dir .folgen die gjühendeq^Gegyungen eines, zertretenen Volkes, .baS G,ott in stiner ugeudlMen Barmherzigkeit durch Jahrtausende der Geschichte gefühxt, durch Blut myd, Thränen geführt, dprch Feuer-, und Msfertod., dem er,Dich jetzt geschickt, seine schützenhe.n Mgxf zu sein, — es zu retten aus b odfnlosem Elerst, S^Wlh und. Verkommenheit, verjcholleM Jqhxhu.nderte. Ähre,Thränen .für Deine,;Wohlfahrt,. Gost hak sie.- gezWt, ex; w.std fie in die,,Urne Deines Geschistes und des Geschickes, Deiner zahlreichen Völkerschaften legen, damit sie dqxt zu den schönsten Perlen,, .womit die Kronen der Monarchen ge- 43**