Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 43 (17.10.1859)
- Date
- 1859-10-17
- Page
- Seite 628 (sequence 12)
- Language
- German
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schmückt sein können/ erblühen mögen?' 'In dm Herzen -und der-'Geschichte'dieses armenWolkes' hastDü'eines'der schönsten und unvergänglichsten Denkmäle errichtet'!'' '' -Me'jüdischen Vorsteher eines 30 Werst entlegenen Ortes? Namens Korez? erzählten wir? daß ' sie üath der üblichen Begrüßung Ihrer Majestäten mit Brot und Salz HöchstdeNselben ' schöne -BirneN auf einem silbernen Brete dart'üch'teNi' Das hohe' Käiferpäar nahm von' ihnen und aß sogleich. Welch ein rührendes Berhältniß zwischen dem Landesvater und seinen dankbaren Landeskindern! «Heil dem hochherzigen Monarchen, der solch zuversichtliches kindliches^ Zutrauen einzuflößen gewußt, und dem Volke tausendmal Heil, von einem solchen Landesvater'regiert zu werden? Die Leser der Mg: Ztg. d. Jud. wissen es sehr wohl, daß unter den 'unzähligen neuen, die russischen Juden betreffenden wohlthätigen Maßnahmen der hohen Regierung auch die Aufhebung der jüdischen Gasthäuser in Kiew und Moskau zu zählen ist. Um den geschätzten Lesern dstses Blattes einen 'Begriff beizübringen, welche Bewandtmß es damit hattet versuche ich, ihnen folgende Schilderung einer kleinen Episode meines Lebens zu bieten; sie werden dadurch inne werden, welche zu Dank verpflichtende Wohlthat allin jüdischen nach Kiew und Moskau Reisenden durch diese Aufhebung der modernen Ghettis geworden. Wie gar manches Stück Geschichte - der Juden wurde auf diesem beschränkten Plätzchen abgesponnen.; An' einem prächtigen Morgen des Rüsttages zum Versöhnüngstage des Jahres 185. rüttelte mich ein ziemlich unsanfter Stoß meines Reisegefährten mit dem Rufe: Kiew! Kiew!'aus meinem, süßen Schlummer. Ich war nämlich auf einer' Reise dahin begriffen, und nach zwei schlaflos durchwachten Nächten mußte ich der Natur ihren 'Tribut zollen, und war auf dem dahineilenden PoflwägelcheN ziemlich fest eingeschlafen. Ich schlug die Augen auf, und geblendet vom Lichtglanze einer ausgehenden majestätischen Herbstsonne schloß ich sie wieder, um sie allmählig an dieses Lichtmeer zu gewöhnen, — wie auch, um mich gehörig zu sammeln, den herrlichen, nie zu erlöschenden Eindruck, den dieser Morgen auf mich machen sollte, in mir aufzunehmen. Welch ein Anblick! Die' ganze in üppiger Vegetation noch dastehende farbenreiche Natur schien, nachdem sie ihr Auferstehungsfest gefeiert; ihrem Schöpfer das Morgenopfer darzübringen. -— Wohin das Auge schweifte, sah es in weiter Ferne dichte Nebel sich zum blauen Aether emporschwingen, gleich Rauchsäulen,' die choin Altar der Natür zum'Himmel einpörstiegen!^ Wir- 'rollteneine Strecke weiter, W nach und nach tauchte aus dem Horizont eine Masse vom Reflexe' der S dnnenstrahlen schimmernder Zinnen Und Kuppeln vieler Kirchen und'Paläste auf. — Endlich läg vor uns nach rechts und links sich erstreckend, in imponirender Schönheit amphitheatralisch sich erhebend Kiew, eine der 'ältesten Städte'Rußlands, die Wiege seiner Religion,' der Schauplatz so vieler historischer Begebenheiten, ' die in den Annalen seiner Geschichte eine so große Rolle spielt die einst eine zahlreich? wohlhabende jüdische Gemeinde in ihl° rem Schoße barg, jetzt aber die Juden ausgewiesen, verbannt hat und ihnen höchstens auf einige Nächte flüchtige Herberge gewährt. ' ' ' ' ' '; Mein Reisegefährte, der Sohn eines russischen ehrwürdigen Geistlichen, der in Kiew seine Univerfitätsstüdien gemacht und sich gegenwärtig zum praktischen Beamten heranbildet, ein kluger, junger Mann, gebildet, vorürtheilsfrei und human, eine jener gesunden, kernhaften, edlen Naturen, die unter den ächten Russen so oft üüzUtreffen sind, — fing an, mich auf die uns aufstoßenden Gebäude aufmerksam zu machen. Nach kurzer Pause sagte er: „Ja, bald hätte ich vergessen, Ihnen einen Rath zu ertheilen, dessen Befolgung Sie mancheEnbequemlichkeiten überheben wird. Für den Juden giebt es hier zwei Absteigequartiere, eines in demjenigen Theile der Stadt gelegen , den man How ostrogenin nennt, und das andere auf dem Padol; da Sie aber Ihr' Anliegen, wie!r^ie mir geäußert, in die Nähe der Universität führt, so würde ich Ihnen rathen, lieber im ersteren, obgleich weit unbequemeren, Ihr Logis zu nehmen, weil es ganz näh? der Universität liegt." Ich folgte dem gutgemeinten Rathe, und bald hielt der Jamschtschick vor einem Thor Und trug meine Siebensachen in ein Erdgeschoß herab. — Nachdem ich meinem Reisegenossen für seine freundschaftlichen Gesinnungen gedankt und von ihm Abschied genommen, folgte ich meinem Gepäck nach. — Bald erschien ein in Lumpen gehülltes Subject,' führte Mich durch mehrere leere! Zimmer, die im Erdgeschoß lagen, und nachdem er mir eines derselben zu meinem zeitweiligen Aufenthalte angewiesen, verschwand er. — Schon der erste flüchtige Anblick dieser Zimmer konnte Einem mit Ekel und Schauder erfüllen. Es lag auf Allem ein fingerdicker Schmutz; die schlechten Betten wimmelten von Ungeziefer aller Art,' und was das Schlimmste war: diese ZimMer hauchten einen seuchten Modergeruch entgegen, daß ich alle meine AthmuNgsorgane davon zusammengepreßt fühlte und mich voll Schau-