Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 43 (17.10.1859)
- Date
- 1859-10-17
- Page
- Seite 622 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sandez, im September^ (Privatmitthij' Am ein Beispiel der Frechheit zu geben, mit welcher der'ChäsfidiSmuS hier zu Lande auftritt, theilen.wir Folgendes mit: Eine skandaleuse Scene trüg sich vergangenen Sämstag hier zu. DeS hiesigen chässidifchen Rebbis Sohn, Namens Ezechiel Halberftamgistg nach dem Ausheben der- Thora nach dem Almemor und hielt daselbst eine höchst anzügliche Rede gegen das nichtchasstdische Jüdenthüm. Unter Anderm sagte kr Folgendes: Heutzutage giebt es nur zwei Eläffeü Juden: Ehüssidimund Poschim.' Wer kein Chassid istist Indifferent, und daher kein Jude; wer nicht an den Sandezer Rabbiner glaubt, der läugnet die Thora. Einem hiesigen Insassen, Namens Mendel Ehrlich, der sich einmal erlaubt hatte, den heiligen Mann der Falschheit in seinen richterlichen Aussprüchen zu befchüldigen, flüchte er mit folgenden Worten : Vertilgt soll sein Name werden, aüsgerottet soll er werden von der Melt. Dieses kann ein chassidischer Rebbi thün im Tempel, wo Alles heilig ist! Die Anwesenden hörten aufmerksam zu und ließen ihn nach Beendigung dieses schändlichen Gallenergusses unangefochten vom Tempel gehen. Diese Feigheit zeigten die hiesigen Juden. Die Mehrheit mag sich wohl mit den Worten getröstet haben: Er hat ja uns nicht gemeint l; Brody, 9. September. (Privatmitth.) Gestern Abend wurde hier 'ein seltenes - Familienfest gefeiert. Es war dies der Vorabend des Tages, an welchem der als Chef des Handlungshauses Nathansohns Erbe und A. Kallir und als Präsident der hiesigen Handels- und Gewerbekammer in der Handelswelt, wie nicht minder auch außer derselben wegen seines regen Eifers für alles - Gute und seines vielfach bewährten WohlthätigkeitSsinnes rühmlichft bekannte Hr. Mayer Kallir vor einem halben Jahrhundert mit seiner Gattin getrauet worden. Die ganze Bevölkerung des auS seiner Asche schöner wieder erstehenden Brody nahm an diesem seltenen Feste den lebhaftesten Antheil, und bekundete dies in mannigfacher Weise. Während aber Angehörige, Freunde und Verehrer in Kundgebungen ihrer freudigen Theilnahme wetteiferten, beging der edle Mann sein Jubelfest in der ihm eigenen, seiner würdigsten Weise — durch eine edle That. Hellen Kopfes, warmen Herzens und offener Hand, verstand er es von jeher seinen Gesinnungen und Gefühlen den sinnigsten, edelsten Ausdruck zu. geben, und so verfehlte er auch nicht, .diesem Familienfeste /seine eigentliche Weihe zu geben durch eine Stiftung zum Besten armer Schulkinder, indem er zu dem auf seine-Anregung und durch sein Beispiel gegründeten undbereits in gedeihlicher Wirksamkeit bestehenden Schulkinderbekleidungsfonde neuerdings 500 Fl. und andere 500 Fl. zur Begründung eines Armenbücherfondes widmete, zw welch. letzterem sein wackerer Sohn, Herr Nathan Kallir,.noch:100 Fl. fügte.- . -; Wenn all die Festlichkeiten dieses Tages längst vergessen, wenn auch schon alle Diejenigen, welche Zeugen derselben gewesen, langst heimgegangen sein werden, wird das Andenken an diesen Tag noch lange fortleben in den Seelen Aller, denen' die Erziehung und Bildung armer Kinder am Herzen liegt, und sie werden'den Mann segnen, -der in solcher.-Weise seine goldene Hochzeit gefeiert. (Durch Z u fa l l ver> spätet.) ' H. Neitmann. -1 Lemberg, 27. September. (Privatmitth.)- Auf seiner langen-'Pilgerreise hat das edle, aber unglückliche Israel' so vielem Ungemach zu begegnen gehabh es hat so unzählig viele Feinde in jeglicher Gestalt bekämpfen, so viele anscheinend unüberwindliche Hindernisse überwältigen müssen, daß die leisesten Regungen eines freundlichen Windes-die Aeolsharfensaiten seines von Schmach.und Verfolgung gesättigten Herzens in -freudige Bewegung versetzen. Darum ist auch die Nachricht, daß die unglücklichen Schlachtopfer der Judenverfolgung in Galatz endlich ihre Freiheit wiedergefunden, die Urheber der Verfolgung hingegen ihrer wohlverdienten Strafe entgegensetzen, überall, wo das müdegehetzte Wandervolk seine Zelte aufgeschlagen, mit Freude begrüßt worden. Ich will es im Folgenden versuchen, Ihnen über den Vielen noch unklaren Vorfall Aufklärung zu verschaffen. Nach dem fürchterlichen Blutbade, das im Laufe dieses Sommers in Galatz stattfand, wurden nicht blos die überwiesenen Thäter des entsetzlichen Verbrechens freigelaffen, sondern, vielmehr die unschuldigen, in der Synagoge gefundenen Juden in den Ker^ ker geworfen. - Alle Schrecken des Mittelalters schienen wieder angebrochen und selbst die geringe Errungenschaft der Neuzeit, die der traurigen Duldung, wieder entrissen zu sein. In dieser höchsten Noth, an aller menschlichen Hülfe fast verzweifelnd, wandte sich