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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1859-10-10 · Heft 42 (10.10.1859) · p. Seite 611

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
23 (1859)
Issue
Heft 42 (10.10.1859)
Date
1859-10-10
Page
Seite 611 (sequence 9)
Language
German
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stände.entfernt werde, damit durch das entehrende Betragen einzelner Lehrer nicht den gesammten Lehrer- ' ständ ^Entehrung und Herabwürdigung) treffe^?- ./i ' ' Ist' eS^ nicht ferner Denunciation zu nennen, wenn nach §. 28 „nicht vorschriftsmäßig geprüfte, dennoch als Lehrer fungirende Subjecte alsbald, der betreffenden Regierungsbehörde zur Entfernung von ihrem Posten namhaft? gemacht werden sollen"? - Wohl will ich glauben, daß der Verfasserso wie die Acceptanten der Statuten diegute Absicht hatten, durch' folche Gesetze unfern Lehrerstand zu heben; ob aber solche Mittel die rechten find, bezweifleich nicht allein, sondern verneine es geradezu. Ist überhaupt dasDenunciren eine mißliche und verwerfliche Sache, so ist eS bei > dem Lehrerstande um so Unrechter am Platze. Warumi gerade unter den Lehrern solche Ehrengerichte? Haben andere Stände nicht auch Unwürdige? Auch meine ich, die Lehrer würden oft genug „gemaßregelt", sollen sie sich Nun auch selbst noch unter einander „maßregeln" und maßregeln helfen? Mancher würde mit Recht der „hohen Generalcommission" zurufen: --- --; i?ii^■'■'öbtövlw "füiö'*•»;: " Unsere Gemeinden und Vorgesetzten Behörden werden schon den Unwürdigen herauszufinden wissen und ihngebührend zurechtweisen, dem würdigen Lehrer wird, wie wir dieö gar oft sehen, seine Anerkennung nicht' versagt werden. — Auch laßt sich überhaupt nicht leicht über das Unwürdige selbst urtheilen und mögen auch hierüber die Begriffe verschieden sein. Ich mag nicht weiter auf die Conseqüenzen, die sich auS der Annahme der betreffenden Statuten-Parägraphen in sittlicher Beziehung ergeben, eingehen, sie 'sind zu augenfällig, als daß man sie weiter zu beleuchten nöthig hätte; ich möchte nur schließlich noch auf die praktischen Folgen derselben aufmerksam Machen. Es ist weitbekannt, daß es an Lehrern, namentlich in unferm Lande, fehlt; ^wer wird nun unter solchett Aussichten sich unserm Stande widmen wollen? Wer wird/ wenn er auch von-den Kämpfen und Mühen, die ihn als Lehrer erwarten, 'äbsieht, in eine Reihe von Eollegett' eintreten wollen) die ihn stets bewachen, ihn vielleicht wegen eines kleinen Fehlers mit dem Namen eines U N w ü r d i g e n belegen und der Staatsbehörde zur Bestrafung -überliefern; oder weil er vielleicht sein Eramen noch nicht gemacht und. doch schon einige Zeit als Lehrer fungirt, bei' der 'Regierung " auf seine Entfernung aus deck Ämte dringest?' ' Ist ja die Behörde' hierin oft nachsichtig, Mch'wei'' Anfern"christlichen''Evllrgin, deren Manche schon als Lehrer fungiren, ohne das Eramen bestanden zü haben, denen Man aber Zeit hierzu läßt, dasich eben allenthalben ein Lehrermangel fühlbar macht. ' - '■ y ' ES sei damit keineswegs gesagt, daß der Unberufene sich herandränge, und daß derjenige, dem die Liebe, der Beruf und die Kenntnisse zu diesem wichtigen Amte abgehen, dasselbe begleiten soll; es sei nur vor unserem schroffen Dazwischentreten, vor Denunciation u) dgl. gewarnt, da wir dadurch Manchen, der Unserem Stande keine' Unehre Machen würde, von dem Eintreten in denselben zurückschrecken. Ueberlaffen Wir dieses Einschreiten namentlich unfern Gemeinden, die ja bis jetzt ihre Religions-Lehrer änzüstellen And zu bezahlen haben; sie werden durch'Schaden klug werden, und wenn sie endlich einmal zur Einsicht gelängt sind) werden auch solche, unfern Stand entwürdigende Subjecte vom Schauplatz der Lehrerthätigkeit verschwinden. K. Marr, Lehrer. Preußen. Atttswalde, im September. (Privatmitth.) „Zur judenfeindlichen Literatur." Es wird jetzt auf dem Wege der Colportage die vielfache Verbreitung eines in Lieferungen erscheinenden Werkes „Betty, die -Tochter des Juden) Lebensbild aus jüngst vergangener Zeit" betrieben. Damit sich nicht mancher durch den Titel dieses Büches zum Ankauf desselben verleiten lasses dürfte die Notiz attgenehm sein, daß dieses elende Machwerk, von welchem mir zufälligdie beiden ersten Lieferungen-zu Gesicht gekommen, Nichts Anderes bezweckt,- als alle Juden zu Spitzbuben und Betrügern zn stempeln und bei jedem' Diebstahl und Kirchenraube Juden figuriren zu lassen. Viele in jüdischer Mundart gegebene Ausdrücke, die das Werk durchziehen und in Parenthesen erklärt werden, documentiren deutlich den anonymen Verfasser alö einen Eisenmenger unseres civilistrten Jahrhunderts, Wer sich in dem Eifer,' Haß und Mißtrauen gegen die Juden zu säen, seinen Beruf gezeichnet -hat. Wenn auch die Drachensaat eines solchen Bücherschmierers nicht so sehr zu fürchten ist, so müßte doch jedenfalls, so weit eS im Bereiche der

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