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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1859-09-19 · Heft 39 (19.9.1859) · p. Seite 564

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
23 (1859)
Issue
Heft 39 (19.9.1859)
Date
1859-09-19
Page
Seite 564 (sequence 6)
Language
German
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664 der Pflege, wenn nicht der gänzlichen Umgestaltung. Eine Gemeinde von 300 Familien sollte überhaupt ihre eigene Bürgerschule haben/ die Hell KMeMeine dem Anforderungen 'des bürgetlichen.Lebens entsprechende Bildung mitzutheilen im Stande ist. Hier besteht eine- Schule-- in welcher nür ein kleiner Theil der schulpflichtigen! ^Jugend in der' Relitziöü ' Und im Hebräischen .unterrichtet! wird - und zwar-in derjenigen Tageszeit, wo die Schüler bereits, sechS^ Stunden in der öffentlichen Stadtschule unterrichtet worden sind. Es ist in. dieser Zeitung schon so oft auf das Unzweckmäßige -solcher /, Religionsstunden "'hingewiesen worden, daß! wiruns füglich einer Wiederholung desselben enthalten können. Indem wir über diesen Punkt zur Sprache brachten, wollten wir zeigen, daß dem künftigen Rabbiner außerhalb der Kanzel noch eiü wichtiges -Feld der Wirksamkeit übrig, -bleibt. >— Neben der Schule muß der Gottesdienst einet immer größeren Veredlungentgegengehen. In dieser Beziehung sieht es hier wenig, besser aus, als überall. Woran liegt' es wohl, idaß 'die Bestrebungen so vieler Rabbiner,' den Gottesdienst durch Beseitigung aller eittgeschlichenen Mißbräuche in der ihm geziemenden Würde und Andacht erweckenden Weise herzNstellen, in den seltensten Fällen nur von bleibendem Erfolg gewesen sind? Es giebt Gemeinden/ deren Verwaltung auf's Beste organisier ist/ welche die vorzüglichsten Institute besitzen, in deren.würde- und geschmackvoll erbauten Synagogen begabte Redner ihre Zuhörer begeistern, — aber die Begeisterten sind — andachtslos. Der Vorbeter ist mit dem Vortrage eines Gebets oder eines Thora- Abschnitts beschäftigt und hier unterhält man sich von profanen Dingen; die Einensitzen nachlässig angelehnt, die Andern -stehen in unanständiger Haltung; Dieser hat den Kopf mit einem schwarzen, Jener mit einem weißen Hute, eiü Dritter gar mit einer Mütze bedeckt; dort steht ein Andachtsloser ohne Gebetbuch und hier liegt ein Gebetbuch unbenutzt, oft in Fetzen zerrissenumher! So lange solche Zustände noch in unseren Synagogen obwalten/ stehen wir auf sehr niedriger Culturstufe und können uns nicht rühmen, den Anförderungen der größeren Bildung in unfern Tagen genügt zu haben. Es kann nicht unsre Absicht seindie Ursachen für solche Erscheinungen hier zu untersuchen; wir müssen es vielmehr Denen überlassen und ans Herz legen, deren Beruf es ist. — Um die Rabbinerstelle concurriren achtzehn Bewerber, Männer der vetschiedinsten Richtungen/^ ' Es'werdenMbchlnMVM oder, öier'- derselben -zu?, einet.Probepredigt ^Ingelädeü werden, über welche später zu. berichten wir Uns Vorbehalten/ n - ' --? - -!; > n - i 1 ' - - " ' Danzig- 12/ September. sPrivatmitth/) -Die'hiestgen fünf Israeliten gemeind en sind n och immerein ML lösbarerUnoten für die Regierungdie>schön'ffeit fünf Jahren versucht, das Gesetz von 1847 zur-Ausführung zu bringen- und siicht'damit zülStäüde 'komMt/ Die VckeinigUttg ist weder von der! Regierung--noch von den Gemeinden chorgeschlagen, weil auf-beiden Seiten 'die- Sonderinteressen höher ' angeschlagen werden, als das allgemeinereligiöse/ Während'bas Mittelalterliche Gepräge der Stadt Danzig immer mehr verwischt wird, indem man dett Förtschritten der Neüzeit Rechnung trägt, scheinen die Juden bestimmt, die ewigen Denkmälev jener finstern Zeit zu sein.- -Die Gemeinden tragen Namen vött ehemaligen Pertinentien Danzigs/ von denen längst keine' Spür mehr aüzurreffen ist. Die im vorigen Jahre niedergebrannte Danzig-Breitgasser Synagoge, die älteste in der Stadt, ist wieder itt demselben Winkel erbaut, den ein höchweiser, hochedler Rath im 18/ Jahrhunderte zu ignoriren die Gnade hatte. Der Fremdeder hier hinter den großen neuen Prachthäusern etwas ganz Anderes sucht, dürfte sehr verwundert seinauf ein Gotteshaus zu stoßen. Die kleine, durchschnittlich arine Gemeinde konnte aber Nicht anders, es war ihr nicht züzumuthendaß ihre Mitglieder beständig als geduldete Gäste in den verschiedenen andern Synagogen sich einschiebesi lassen sollten. Einen neuen Platz zu kaufen und eiü würdiges Gotteshaus darauf zu errichtenüberstieg aber ihre Kräfte. So war man, wenn auch mit Widerstreben, genöthigtdie alte Stätte wieder zu benutzen^ Wie nachtheilig die Zersplitterung' der Kräfte auf die Gründung gemeinnnütziger 'Jnstitüte wirkt, dafür giebt das vor zwei Jahren hier projectirte Waisenhäüs einen starken Belege Der hier gebürtige, aber seit läNge nicht Mehr hier ansässige Herr Charles Semön beabsichtigte eine solche wohlthätige Anstalt hier M gründen. Erfchenkte dazu einen Stiftungsfonds von 10,000 Thlrn., kaufte aus seinen Mitteln ein-Haus' nebst Gartengrundstück und stattew es auf siine Kosten zur Aufnähme von 10 Waisen aus. —- Es ergab sich abed, daß die Zinsen jener Summe nicht würdön ausKreichL haben, die jährlichen Bedürfnisse der Anstalt zu deckest/

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