Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 38 (12.9.1859)
- Date
- 1859-09-12
- Page
- Seite 548 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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548 enthalten uns des Urtheils und bitten nur: row* Sch. Aus dem Großherzogth. Hessen, Ende August. (Privatmitth.) Als zur Zeit der Mobilmachung unseres Bundescontingents von Darmstadt aus ein Nothschrei an Aerzte und altere Studirende der Medicin erging, bei unserer Armeediviston als Militärärzte einzutreten, da waren es unter 11 Studirenden, welche nach absolvirtem Eramen sich einreihen zu lassen gesonnen waren, auch mehrere Juden, welche ihren Beitritt erklärten. Es bestimmte sie hierzu nur der Gedanke,. Andern an Patriotismus nicht, nachzustehen, und sie glaubten um so mehr, daß auch ihre Anmeldung bei der Regierung keine Beanstandung finden würde, als großer Bedarf vorhanden war und sie voraussetzen durften, daß das bis jetzt nicht aufgehobene Gesetz vom 2. August 1848, welches allen Confessionen ohne Unterschied gleiche Verpflichtungen auferlegte, aber auch gleiche Berechtigungen zuerkannte, jetzt endlich in Kraft treten würde, daß man also die Juden, die seither nur in den Lasten gleichberechtigt waren, jetzt auch hinsichtlich ihrer rechtmäßigen Ansprüche nicht mehr hintenansetze. ES war deshalb die Täuschung um so größer, als dieser Tage die Entscheidung deS Ministeriums eintraf, wonach von den Angemeldeten die sich darunter befindlichen Christen für zulässig zum Militärdienst erkannt worden sind, während man in der betreffenden Liste vergeblich nach den Namen der Juden sucht, obgleich sogar Einer derselben weiter mit seinen Studien vorgerückt war, als sieben seiner angenommenen christlichen Commilitonen. Man hat also die Juden nicht einmal einer Antwort gewürdigt, sondern einfach mit Schweigen übergangen. Es erleidet hiernach kaum einen Zweifel, daß die seitherige Praris unserer Staatsbehörde, sich bei Anstellungen über daS erwähnte Gesetz hinauszusetzen, auch fernerhin eingehalten werden soll und daß die in andern Ländern jüngsthin gegebenen Beweise von Gleichberechtigung aller Confessionen in unserem Staate keinen Widerhall gefunden haben. Hält es nun sogar das vielverschriene Oesterreich nicht unter seiner Würde, jüdischen Aerzten — sogar des Auslandes — Anstellungen bei der Armee zu ertheilen, so ist es begreiflich, daß jene Entschließung unseres Ministeriums nicht nur bei Juden, sondern auch bei Christen die größte Sensation erregen mußte. ES bleibt nur die Frage zu beantworten: Hätte man, wenn man wirklich auf daS Schlachtfeld gezogen wäre, den jüdischen Soldaten wohl auch gestattet, zu Hause zu bleiben, oder hätte man diese, wie die jüdischen Aerzte, für würdig genug befunden, ihr Blut für üas Vaterland zu vergießen? Unseres Erachtens mag es die den Militärärzten zugestandene Bedingungspäter im Civilstaatsdienste berücksichtigt zu werden,, gewesen sein,, welche die Veranlassung gab, die-Juden.zu ignoriren. Es liefert indessen der ganze Vorgang den Beweis, daß es letzteren nicht an Patriotismus gefehlt hat; wird es die Regierung zu andern Zeiten anders finden, dann habeat sibil*) Preußen. Berlin, 29. August. '(Privatmitth.) Die Angelegenheit in Betreff der Lehrer-Bildungsanstalt geht rüstig vorwärts. Für die im O cto der. d. A an gesetzte Eröffnung der neuen Anstalt hat sich bereits eine genügende Zahl von Zöglingen aus den verschiedenen LandeStheilen gemeldet. Es scheint, daß neben dem oft genug besprochenen Bedürfniß der Gemeinden nach guten Lehrern und dem Wunsche lehramtsbefliffener junger Leute nach geregelter Ausbildung dem neuen Institute noch ein anderer Umstand von größtem Belang zu Gute kommen wird. Es ist dies das ihm von den Königlichen Behörden eingeräumte Recht der Entlaffungsprüfungen unter bloßer Zuziehung eines Königlichen Schulraths. WaS die Subsistenz-Frage der wohl meisthin unbemittelten Zöglinge betrifft, so wird man wohl hier ein Recht haben, vertrauend nach den Landesgemeinden hinauszuschauen, wie diese wiederum hoffentlich die Pflicht empfinden werden, sich mit ihrer Beihülfe für ein Institut zu beeilen, dessen Segnungen wesentlich ihnen zufließen werden. Es ist erfreulich und aufmunternd, daß schon jetzt in diesem *) Wiederholt versicherten Correspondenten in d. Bl., daß im Großherzogth. Hessen die bürgerliche Gleichstellung nicht blos auf dem Papiere stände, sonvern eine'Wirklichkeit wäre. Dies ist nun freilich ein höchst unerfreuliches Specimen davon! Das Medicinalfach im Militair ist in keinem Staate der Welt — Neapel und den Kirchenstaat ausgenommen — den Juden versagt, und sowohl in Nüßland als in Oesterreich haben Glaubensgenossen darin mit Ehren gevient — nur ein deutscher Kleinstaat will sich auf die Höhe der Ausnahme erheben?! D i e Re d a c ti o n,