Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 37 (5.9.1859)
- Date
- 1859-09-05
- Page
- Seite 533 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3226147-3226185--17981-3246922- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
binerS> aus dem hervorgeht, daß die Bereitung des seit einigen Jahren allenthalben in Gebrauch stehenden Cichoriens mit Schweinefett geschehe. So lächerlich diese Behauptung schon im ersten Augenblicke jedem nur^ einigermaßen Ln der Fabrikation dieses rein vegetabilischen Wurzelmehls Eingeweihten erscheinen, muß, so hat dieser Artikel doch in Galizien, wo die nur 2—-3 Meilen von hier entfernte Cichorienfabrik- Smikal u. Comp, ihre Niederlagen hat, dem Absätze sehr geschadet. Schreiber dieser Zeilen hat sich auf Aufforderung jener Fabrik mit Herrn Rabbiner Freund in Bidschow an Ort und Stelle verfügt, und nach genauer Prüfung sich durch den Augenschein überzeugt, daß die dort bereitete Cichorie nur aus der getrockneten, gerösteten und pulverisirten reinen Cichorienwurzel bestehe, -und durchaus mit irgend einem animalischen Fett nicht in Berührung kommen darf, da sie sonst ungenießbar würde. Bereits sind auch unsere Gutachten, bekräftigt vom Rabbinercollegium zu Prag, in hebräischer und deutscher Sprache gedruckt erschienen und nach Galizien versandt worden.*) Dr. Ehrentheil, Rabbiner. Donaufürstenth ümer. Galatz, 16. August. In Folge der energischen Note, welche die Hiesigen Consulate an die Regierung erlassen haben, sind nach der „Allg. Ztg." nunmehr die eingesperrten Juden endlich freigelaffen worden, nachdem sie 3 —4 Wochen im hiesigen Gefängnisse ohne alles Verhör zugebracht hatten. — Leider wird, wie es heißt, das hiesige Judenspital eingehen, weil die Regierung die Geldmittel dem Institute entzogen hat, die demselben bisher aus einer Fleischsteuer für die hiesige Stadt zufloffen.— (Nicht einige „Wochen", sondern Monate waren die unglücklichen Juden eingesperrt, und wie sie ohne Verhör gefangen gehalten, wurden sie ohne Erklärung freigelassen. Das ist Justiz in den Donaufürstenthümern! Das Traurigste dabei ist, daß die Art, wie diese Vorgänge dem'griechischen Gesindel unbestraft hingegangen, dieses zu anderweitigen Erceffen sich um so aufgelegter fühlt! Redaktion.) *) Wir geben diese Correspondenz wörtlich, obgleich unsere Untersuchung nach der vorigen Nummer nicht dasselbe Resultat gebracht hat. Nedaction. Italien. Vereelli, im August. Der Läueatore israelits hat seine Publikation wieder begonnen, und daS letzte Heft enthält einen ausführlichen, vortrefflich und mit großer Besonnenheit abgefaßten Artikel über die jüngsten?Begebenheiten. Wir können hier auf die eiüzelnen Umstände und Ereignisse auS den vorübergegangenen. Kriegsmonaten nicht mehr zurückkommen. Es werden darin theilS schon erwähnte, theilS bisher unbekannte Erweise der Tapferkeit und Vaterlandsliebe sowohl >er im französischen' und sardinischen, als im österreichischen Heere dienenden Israeliten mitgetheilt, über den Tod und die Verwundungen Vieler auf den Schlachtfeldern, so wie über die Ehrenbezeigungen und Avancements, die sie erlangt haben, berichtet. ES werden die Namen der Männer aufgeführt, die in Italien bereits im Staatsdienste verwendet wurden^ Wir heben nur hervor/ daß die' Redaction mit Recht den tiefen Eindruck schildert, welchen es hervorbrachte,' als man in Vercelli beim Durchmarsch der Truppen häufig die französischen Soldaten und Beamten jüdischen Glaubens im Tempel erscheinen, manchen der tapferen Zuaven zur Thora aufrufen,' oder zur Absagung des Kadisch an der Jahrszeit deö Vaters oder der Mutter vor die heilige Lade treten sah. Auch haben die italienischen Gemeinden und ihre Rabbinen ihre Pflicht gethan und den verwundeten und sterbenden Glaubensgenossen, wo sie es nur irgend vermochten, den Beistand der Religion und Nächstenliebe eifrigst geleistet. — Der Läue. Israel. berichtet, daß vom Rabbiner Debenedetti in Saluzzo eine italienische Uebersetzung der bekannten französischen Schrift „?aroles d’un croyant Israelite“ erschienen ist, und während das Buch in Frankreich niemals eine Anfechtung erlitten hat, wurde der gedachte Uebersetzer vom FiscuS in Saluzzo „des Angriffs gegen die christliche Religion" angeklagt und vom Tribunal mit der allerdings geringsten Strafe belegt, nämlich mit einer Geldstrafe von 51 Lire, einem Tag Gefängniß und der Unterdrückung der Schrift. Die Redaction weist'nach, daß, wenn auch die gedachte Schrift eine Polemik enthalt, diese dennoch sehr gemäßigt und respektvoll gehalten ist, und am Ende jedem Cultus die ihm entgegenstehenden Lehren einer anderen Religion in wissenschaftlicher Form zu besprechen gestattet sein müsse. Sie bedauert, daß die Israeliten Piemontö keine ge-