Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 36 (29.8.1859)
- Date
- 1859-08-29
- Page
- Seite 515 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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515 Rechnung /zu tragen: Demüngeachtet wollen wir'schon hier( nicht perhehlen/ daß die . Sprache an einer gewissen Gezwungenheit leidet, und' daß ihr oft jener Fluß, jene Leichtigkeit -der Rede, und jener Wohlklang fehlen, welche den. Reiz der Prosa ausmachen, und zumal in dichterischen Werken ungern vermißt werden. Der Vers.-muß hierin mit sich selbst gerungen haben, denn im Laufe seiner Arbeit ^verring^ sich , diese Schwierigkeit und macht einem größeren Schwünge Platz, Der Gegenstand der Dichtung ist der Kampf, -den Muhammed nach seinen ersten Siegen mit den freien jüdischen Stämmen Arabiens-zu bestehen hatte; er besiegte dieselben,ohneste zu vernichten. - Der Dichter hat dabei Gelegenheit, von der einen Seite den Gründet des Islams, in allen seinen persönlichen Vorzügen -und Mängeln zu zeichnen,.' von der anderen Seite die Selbstständigkeit und Glaubenstreue der freien .jüdischen Stämme darzüstellen. Er thut Beides mit lobenswerther, Unparteilichkeit,. indem er den Fehler vermeidet, inwelchem jüdische Dichter so leicht verfallen, alle Juden als Tugendhelden zu schildern. Zu bemerken ist, daß et. diesen arabischen Juden den jüdischen Cultus in seiner späteren ausgearbeiteten Gestalt schon zuertheilt, was aber zur Charakteristik,! den Auslassungen Mühammeds gegenüber, mit sehr gutem Grunde geschehen ist: Die bekannte Sage, daß Muhammed von einer Jüdin vergiftet worden, - zwar augenblicklich nicht daran starb, aber die Wirkung doch mit sich herumtrug, hat der Verf. geschickt benutzt, , indem er diese That: dennoch durch eine den Juden fremde Hand herbeiführen ließ, und die Verrätherei 'Mühammeds selbst zum Knotenpunkte machte. Dennoch .hat der Verf. seinem Werke eine höhere Unterlage zu geben nicht verstandenwelche diese Dichtung zu einer Arbeit ersten-Ranges zu erheben vermocht hätte. Sowohl die Moslim, als diese, freien Juden treten hier nur im Kampfej-um) die weltliche Herrschaft und Existenz auf. Es könnten eben so gut andere arabische Stämme sein, die'hier-/ihre Freiheit vertheidigen, als. die Juden von Chaibär. . Daß es sich hier um einen Kampf zweier größer Wel.treljgionen handle, oder noch besser, zu zeigen, wie der Islam aus dem.Judenthume entsprungen, wie dieser .versucht:habe, jenes in sich aufgehen.zu lassen, und warum dieser- Versuch' eben'so wie Seitens des Christenthums, nicht aus /äußerlichen,. sondern aus inneren• ' inhaltlichen Momenten scheitern mußte, das wäre die eigentliche! Aufgabe dieser Dichtung gewesen, aber der Dichter wollte sie .sich:-entweder! nicht-stellen oder, vermochte sie MichtiM lösen. Nichts desto weniger begrüßen wir dies! Werk -mit Vergnügen, empfehlen es nachdrücklich- und wünschen wohl den Namen des Verfassers zü kennen.' ' } - Magdeburg, 22. August. In diesemTagen erhielten wir von Pesth eine Schrift, welche folgenden Titel führt: Die Volksschule: Das!Anrecht -der Kirche auf'die Schule;' aus'historischen "und inneren Gründen dargelegt von einem? katholischen Laien. Pesth 1859." Der Verfasser - ist der k. k. Professor 0r. Lazar S tanojovich. Der:'HigentlichenGegenstand dieser in einem tief religiösen Geiste geschriebenen Schrift' ist' ein so gewichtiger, daß ihn? näher zu erörtern der Räum hier nicht gestattet, und würde uns auch auf Gebiete führen, welche uns ferner liegen. So viel nur wollen wir bemerken, daß diese Schrift allerdings beweist, wie dieser so überaus gewichtige Gegenstand, der zu den bedeutungsvollsten Fragen der Gegenwart gehört-, nicht mit' einigen oberssächlichen Phrasen und etwas Achselzucken abzumachen ist, wie . es - vor einigen Jahrzehenden noch Mode war. -Unsere- Zeit hat - allerdings darin einen großen Fortschritt gemacht, daßsie die in der Wirklichkeit vorhandenen und in der Vergangenheit wurzelnden Verhältnisse in der Oeffentlichkeit wie auch im Staatsleben nicht mehr mit einigen die allgemeine Zustimmung voraussetzenden Worten für abgethän erklärt, und ihren wirklichen Bestand ignorirt, sondern noch einmal zur gründlichen Erwägung der entgegesetzten Ansprüche und zum offenen Kampfe der Parteien geschritten ist. WäH uns aber in dieser Schrift eines ganz auf Seiten der katholischen Kirche stehenden Laien und deren Ansprüche scharf vertheidigenden Oesterreichets aufs Wohlthätigste berührte, war der Abschnitt, den der Verf: dem -Judenthume widmet, und der von Seite 169 —186 reicht 'Der Verf. ist keiner der sogen. Weichmacher; er erkennt den fortdauernd lebendigen Widerspruch zwischen dem Judenthume und Christenthume an, findet ihn sogar in dem heutigen Judenthume noch stärker ausgeprägt als früher. Ob zwar er die Belege dafür in Schriften findet, deren Autorität wir sicherlich nicht anerkennen, so ist es doch genug, daß der Katholik hierin unparteiisch : feilte Ansicht - bildet.''' Er 'gestehet ferner dem Judenthume eine starke Positivität zu und besonders auch in allen-staatlichen und häuslichen. Lebensbeziehungen. Er weiß .es: und/verschweigt es nicht, daß die Nächsten -- und Feindesliebe zu den religiösen Grundlagen des Judenthums gehört und daß .die religiösen. Anschauungen und diesen entsprechend die /religiösen Pflichten hinsichtlich der, wichtigsten Beziehungen im staatlichen und gesellschaftlichen Le- 3b*