Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 33 (8.8.1859)
- Date
- 1859-08-08
- Page
- Seite 472 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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m 1 Literarischer Wochenbericht. Gr. B e c s kr re k, im, Juni.;- Mit inniger Freude wurde in der gesummten.jüdischen Schulwelt des Kaiser-: staates die Nachricht?-begrüßtdaß das k. k. Ministerium des Cultus i/und des Unterrichtes! die Herausgabe einer biblischen Geschichte für - die . israelitischen. Volksschulen bereits veranstaltet habe. Mit;!wahrer Sehnsucht: griff da-: her der eiftige Schulmann nach! dieser;neuen, .-längst - erwarteten^ : trefflichen Spende-, die vor Kurzem, unter -dem Titel: Biblische Geschichte, zum Gebrauche der israe-: litischen Schulen im Kaiserthum Oesterreich. - Wien. 3m k. k. Schulbücher-Verlage. 1858. erschienen- und im Vor-: aus auf ein freundliches Willkommen rechnen" durfte. Nochläßt fich nichts sagen über den Erfolg -und die Aufnahme, die das Werkchen bei derjungen Lesewelt gefunden, was hier, wo es dev: anziehendsten .Gegenstand-:des Jugendunterrichtes, -die. heilige Geschichte, betrifft, - eine besondere Er-- wägung verdient/- da dasselbe erst jetzt allmählig eingeführt: wird. Allein von dem pädagogischen. Standpunkte kann man demselben leider kein günstiges Prognostiken stellen, da eS im Allgemeinen andem bei einem Schulbuche nicht zu rechtfertigenden Fehler leidet, daß die/Geschichten, die Facta: und Beispiele - so. kurz und umrißlich wie nur möglich erzählt und dagegen bis zur Ueberladung allerlei Raisonnement, Sprüche, Moral und: Nutzanwendung aufeinandergehäuft werden -7-7während die Jugend, das.gerade- Gegentheil liebt. Vorha :mov:ent, exemplaj trahunt-ist ein Spruch, den jeder einsichtsvolle. Pädagog zu machen: Gelegenheit hat! Eben so wenig können wir. uns mit dem- Styl und dem Tone, der Erzählung befreundender. nicht die leiseste Spur von der naiven Einfachheit- und der klaren Durchsichtigkeit der Bibel, die dem Herzen der Jugend so sehr zusagt, an sich trägt, sondern gar oft in tönenden Phrasen und. sentimentalen Floskeln .sich gefällt. ES gehört aber unbestreitbar zu dem Wesen einer guten biblischen-Geschichte, daß die Begebenheiten, so weit?dies nur möglich -ist,, mit den Worten und Anschauungen der Bibel erzählt werden. Wir müßten den unS gegönnten Raum weit überschreiten, wenn wir unsere Bemerkungen dem fernen Leser,' dem das Schulbuch - nicht» zugänglich ist,!mit Citaten; und Belegen so zu-sagen ad oculos ^beweisen und demonstriren -wollten. - Ddch -können wir es nichts unterlassen - einige - Beispiele zur Erhärtung und Verlheidigung uunsereS Urtheils anzuführen, ..wie? sie unS gerade der Zufall beim Durchblättern dargebyMft ' Befremdend wird gewiß jeder Leser mit unS folgende ' Stelle beider. Schöpfungsgeschichte -finden. -,Welche find ' » die vorzüglichsten Geschöpft?" „Alle Geschöpft find zwar bestimmt, Gott zu verehren u: ft w^"? >-Die vorzüglichsten Geschöpfe sind die Engel und die Menschen: Die Engel find geistige Wesen. Einen Leib wie wir haben sie nicht ■ mft w," 77-: NO2» l Nh'iriy rufen wir mit UN,; fern Weisen dem unbekannten - Verfasser zu. . In devSchrift wjxd-absichtlich bei der, Schöpfungsgeschichte dev Engeb nicht I erwähnt — und mit welchem Rechte läßt dev Verfasser-die | Engel erst am-sechsten Ta ge - entstehen?!: (Vgl. Talmud Sanhedrin 38d. undBereschithrabba.AbschM'3.) - Als einen unrichtigen-, falschen - Ausdrück müssen wir folgenden! Passus §; 27.- bezeichnen: „Als nun ihre bei-! den ersten Söhne Kain und Abel heranwuchsen'- opferten' - a u ch sie! dem Urheber dev Welt."; Warum -auch: sie ft mev ^.hat denn früher vorihnen geopfert??? Die' schöne- Sage r von dem. Opfer Adams, die nur-das?, auszüsagen scheint,! daß die Idee des Opfers" gleichsam a priori im menschli-; chen Bewußtsein gelegen, gehört nichts in die:-biblische Geschichte..— .Hochtrabend und pomphaft ist folgende Phrase §. 94., die wie ein Napoleonisches Schlachtenbulletin klingt: „Während nun am folgenden Tage in der Ebene die Schlacht - tobte und die Schwerter klangen, stand Moses auf einem Hügel, und hob betend seine Hände auf zu dem Gotte der Schlachten, und erflehte den Segen von oben her rc." '— Die Gesetzgebung am Sinai wird H. 97. mit den Worten eingeleitet: „Als nun der Morgen des dritten Tages graute, da wälzte sich ein Gewitter herauf über die Gebirge. Es rollten fürchterliche Donnex, die in den Schluchten widerhallten; entsetzliche Blitze zuckten, durch die Luft, und die herzdurchdringende Stimme einer, gewaltigen Po-... saune übertönte die Donnerschläge. . Zitternd und. bebend! stand das Volk im Lager. Pur Moses sah, kühn und 'glgu-, -bensfroh in diese Schrecken 'hinein rc?,. Und? siehe, eH stieg! ein schwarzer Rauch auf und hüllte den .Sinai ein. Aus 'dem Qualme zuckten Feuerflammen,,und ein Erdb.eben erschütterte die ewigen Granitftlsen des. Berges/^ — Wäre eS nicht schöner und einfacher gewesen, die Offenbarung,; mit den Worten der Bibel zu geben? Verwerflich find in einem Schulbuche folgende Ausdrücke §. 121.: „Beim Tode Aarons lagen 120 Jahre auf Moses Schultern"! - lieber die Behandlung: der Geschichte, - die hier nur als ein Substrat für rhetorische- und homiletische Zwecke bearbeitet-zu'sein scheint, wollen wir natürlich mit idem Ver^ ftffer gar nicht rechten-; : aber tadeln müssen wir es, daß: -so viele wichtige Begebenheiten Und Thatsachen, z. B.'-die> i Geschichte der Empörung und des -Todes v 0 wK a r a ch