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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1859-08-01 · Heft 32 (1.8.1859) · p. Seite 461

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
23 (1859)
Issue
Heft 32 (1.8.1859)
Date
1859-08-01
Page
Seite 461 (sequence 7)
Language
German
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461 den Mitteln nicht wählerisch ist, vorausgesetzt, daß sie zümZield führen-,' so ist sie in den meisten Fällen Herr derSitucltion) Ist dies aber' für die Gegenwart sehr bedauerlich und der Hemmschuh auch' der niedersten Entwickelung von Intelligenz) so verdient das Gebahren dieser Parrer Nm so mehr unsere 'Aufmerksamkeit, wenn sie sich mit der ' Gegenwart nicht begnügt) sondern' auch "die'Zukunft mit Beschlag -zu belegen beginnt. Man' höre-ündstaune! > 'l - ' -Theils'riicht"die Würzburgei Jeschibo nicht mehr aüs, theilskann-män'doch nicht Alles und Jedes dort so paffend unterbringen; man hat deshalb'in Höchberg;-Gerolzhofen,' Reipar und vielen andern Orten Schulen nach 'dem Muster der alten Chedorim gegründet -und als Zweck sich die Aufgabe gestellt, die Zöglinge ihrem Berufe als Rabbiner und Lehrer zuzuführen, wie dies in einem Rundschreiben dargelegt wird. Da aber nur solche Eltern' ihre Kinder dieser Musterschüle attvertrauen, deren-Vermögensverhältniffe nicht gestatten, anderweitig für dieselben zu sorgen, so brauchte man vor Allem Geld. - Neue Rundschreiben wurden erlassen und unter dem verführerischen Namen „Für's Thoralernen" aller Orten freiwillige Gaben gesammelt. Reichlich stoffen und fließen die Gaben von allen Seiten und die Leute machen brillante Geschäfte. Sie klopfen nirgends vergebens an. Alt wie Neu öffnet ihnen willig den Säckel-und so Mancher glaubt Wunder was zu thun> wenn er Leute dafür honorirt, Das zu thun, was er nicht mehr für zeitgemäß hält, aber nur für sich. Was soll aber' daraus werden? Schon jetzt macht sich eist sehr bedeutender Lehrermangel fühlbar. Der Seminarbesuch ist für Israeliten nicht mehr nothwendig und Denjenigen, die es ja noch besuchen wollen im Würzburger Seminar sind gegenwärtig vier jüdische Zöglinge erschweren die s»genannten Schwarzen ihre Lage nach Kräften, und wer nicht Alles auS eigenen Mitteln bestreiten kann, kann sich dort nicht mehr^halten. Wie leicht aber die BefähigungSnote als Rabbiner und Lehrer erlangt wird, davon könnten wir so manches hübsche Beispiel erzählen/ wollen aber nur erwähnen, daß Rabbiner Bamberger die Hauptperson bei der PrüfungScommiffton bildet. Bedenkt man nun, daß die Vorsteher dieser Pflanzstätten jüdischer Lehrer und Rabbiner auch-'desgeringstenweltlichen Wissens bar/ kaumder Mehrzahl-' nach im Stande sind, Deutsch zuschreiben und jeden-'' fallsnicht dorr^ch so-könnenauch nur-geistig verkümmerte Subjecte aüs dieser Schule hervorgehen. Freue ' dich aber dann, bayerisches Judenthum, wenn erst deine geistlichen Angelegenheiten unddie Erziehung deiner Jugend in solche Hände übergegangen. Traurig ist die Zukunft, der wir auf solche Weise etttgegengehen, und es thut wahrhaftig Noth, diesen Leuten entgegenzuarbeiteiu Niemand unterschätze die Gefahr, die unfern heiligsten Interessen droht. Soll jedoch.Etwas geschehen, so muß-dies rasch geschehen, ehe eS zu spät ist. Darum kann es nicht laut genug gesagt werden: Ihr -Freunde des Judenthums, schaaret Euch zusammen, entziehet Eure Spenden diesen Spekulanten auf Eure Gutmüthigkeit, wendet sie solchen jungen.- Leuten zu, denen es jetzt doppelt schwer wird, sich für ihren Beruf gehörig vorzubilden. Doppelt wünschenswerth erscheint eS aber, unter den gegebenen ^.Verhältnissen, daß-Wan, sobald die Zeitumstände sich wieder freundlicher gestalten, Hand an die Gründung eineS jüdischen Schullehrer - Seminars für Süddeutschland lege. Wohl läßt sich nicht läugnen, daß für das Studium des Religiösen mehr geschehen muß, als? in der letzten Zeit geschehen ist; aber ein Ertrem ist so verwerflich als das andere, und sehr treffend lehren unsere Weisen ym itniFi vr, und ■p« rr^in v« Pi« :<TC3*- ■ Erfreulich ist es/ zu sehen, wie neben diesen Instituten der Finsterniß auch recht gute Elementarschulen, und wo. sich seminarisch gebildete Lehrer befinden, sehr gehobene Religionsschulen in Unterfranken befinden. Außerdem sind zwei in höchster Blüthe stehende Handelsinstitute - fast neben einander, in Marktbreit und Segnitz, von denen jedes 70—80 Schüler, worunter viele christliche, zählt. Bisher wurde in diesen Instituten, vielleicht aus letzterem Grunde, der israelitische Religionsunterricht etwas stiefmütterlich behandelt, doch ist in Segnitz letzter Zeit ein Vorstandswechsel eingetreten, und wird jetzt jedenfalls dort das religiöse Element die gehörige Würdigung finden, ohne daß deshalb weltliches Wissen vernachlässigt wird, und so soll es sein. Um den Bericht nicht allzusehr auSi züdehnen, will ich Specielles aus einzelnen Gemei'n-! den für nächstens .sparen und nur bemerken, daß auch i in Unterfranken Herr Rabbiner Lebrecht für die Bjbeli anstatt thättg lft^' derselbe ist unermüdlich für alles r wahrhaft Mute unp läßt sich .durch keine Hindernisse, ■ von welcher Seite sie.auch kommen mögen, in. seinem anerkennenswerthen Eifer beirren. -7- -

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