Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 31 (25.7.1859)
- Date
- 1859-07-25
- Page
- Seite 447 (sequence 7)
- Language
- German
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Min g^n, däS ich muß thun als eyn veriagter deb Rheinstroms vmb eyns Juden willen, lieber Schulthes vnd Scheffen vnd alle Bürger in S. Gewer (St. Äöar) ich warn euch in trewen es were mir - ' leyvt das eynem Bürger in gewer leydes soll ge- ' ' schehen vmb des Juveüwillen, dannich vnd mein anhangkwerden den Juden suchen Ihn vnd all sein " geschlecht wo wir O finden, rn Docher dnd inSted- ' M, vff Wasser öder lanvt, soll keyner sicher sein ' '' -''vnd däs chinvt in Mütt'er leih, was Götschalk dem;~'u :: JuveN K' seMrr zügehört, sün. müder, fwalhi» scheinlich Söhn, Ä'ntWr re.) EiN zweiter Satz wiederholt diese Drohung, worunter dann ein Galgen gezeichnet ist! -Da' hierauf"keine Antwort erfolgte, so sandte Hensl e i n am 11. März 1548 einen zweiten Feindsbrief ein, unterschrieben: „Henslein von Sperr und sein Anhangk mit Gbtt und seiner Hülff", in welchem er vom Zollschreiber hie Rückerstattung angeblich zu viel bezahlter Summen fordert, unter Androhung einer gleich schrecklichen Verfolgung desselben, wofern er binnen 14 Tagen das Geld nicht einschicht. Es heißt darin unter Anverm: Er soll noch so manch wonde in sein Leib krieg'ech als er mir thaled vff hat gehaben. Dergleichen Keckheit ist augenscheinlich nüt als Wirkung der Klage anzüsehen , welche H e n s l e i N bereits durch eiüen Frohnb o teM bei dem Freigrafen Severin von Fridenalb eüHoden in Neuwenstad im Süderlände^ (Neustadt im Sauerlande) hatte vorbereiten lassen. Dieser citirte den' G ottschalk vor seinen Freistuhl auf den 30. April, und da derselbe nicht erschien, am 11. Mai 'abermals auf den 25. Juni. An diesem Tage erklärte er den Gottschalk (mit allen obigen Bestimmungen) in die Acht, überträgt die Vollstreckung derselben der Stadt und Bürgerschaft von St. Goar, welche den Gottschülk austreiben solle aus der Stadt, bis er den Kläger zufrieden gestellt habe. Falls die Stadt säumig wäre, so ist die gesammte Bürgerschaft, alle Mannspersonen über 14 Jahre, auf den 9. August vor sein Gericht geladen, üm sich zu rechtfertigen. ' 'Dem wurde indeß keine Folge geleistet. Schon nach der etstet^ Vorladung ergmg an den Freigrafen Severin voN weiten 'Reinhard S ch e n k's, Oberamtmanns in der Grafschaft'Cützenellenbogen ein Äbforderungsschreiben. ' Nachdem aber die zweite Vorladung gesunden ward (ste' würdii lstämlich voll einem Frvhnööten in - Mm Armenhaus vor der Stadt unter eine Bank geworfen, und von da durch Kinder des Hauses dem Oberamtmann überbracht), so hielt sich Schenk für verbunden, von dieser Anmaßung den fürstlichen Rathen zu Hessen-Cassel Anzeige zü machen, welche dann den Freigrafen ohne Zweifel zurückwiesen. So weit die Acten vorliegen, hat man die Einwendung, daß Juden nicht vor das Freigericht gehören, hierbei keineswegs geltengemacht, vielmehr nur im ÄugH meinen die Eingriffe des Freigrafe'n in Sachen, l/en'eü das Landesgericht, wie man eh äusvrü^te, mächtig ist, 'vollständig zurückgewiesen. Sollte noch etwas mehr Auskunft gewünscht werden, so werde ich wohl über die jedenfalls anziehende Frage des Verhältnisses der Femgerichte zu den Juden bei Einiger Muße' ausführlichere MittheilüNge'n zü machen Gelegenheit haben. I. Ä. Jöß, vr. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hämdutss, im Juni. (Privatmitth.j Am 12ten d. M. wütvb hi'et eine Feier begangen zü Ehren ei- Ües Muntres, det dürch seine Wirksamkeit als ^re^ digtzt ach hiesigen netten israelitischen Tempel Md qss Oberlehrer NN der hiesigen israelitisches Frelschule sich einen gerechten Anspruch auf eine rühmliche Anerkennung erworben. Der Name deS vr. Eduard Kley wird allen Denen nicht fremd fein, welche die Geschichte dek ReforMbestrebüngen im Judenthüme Mährend unseres Jahrhunderts kennen. Er kam im Jahre 1817 von Berlin hierher, um die Leitung der damals feit einem Jahre bestehenden israelitischen Freischule zu übernehmen. In Berlin hatte er sich den Jäkobsohn'- schen Bestrebungen angeschloffen, in dessen Tempel seine ersten Predigten gehalten, und sich auch auf dem literarischen Gebiete durch manche werthvolle religiöse Schriften einen Namen erworben. Die Reformidee begleitete ihn hierher, und prägte sich sogleich in den von ihm getroffenen Einrichtungen der Schule aus. In derselben hielt er allsonntäglich öffentliche Religionövorträge, Venen deutsche Choralgesänge mit Or- - gelbegleitüng folgten. Diese Vorträge fanden bald eine solchL TheilnahMe, daß sie schön rm Nächsten Jahre zur Eröffnung des Neuen israelitischen Tempels führten, den Kley am 18. Oktober 1Ö1‘8 ein-