Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 31 (25.7.1859)
- Date
- 1859-07-25
- Page
- Seite 442 (sequence 2)
- Language
- German
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442 ihr Haupt erheben! Da man in den letzten Monden fich einzuschränken, sich zu Mäßigen, dem PrurG und derMenuUucht mdzufallen gesucht chat, st> fahre man)Ärin fort Mld suchrMn iv^ses KiLkbiin -krÄrMllW fEiRk ^Dichten, in dem ruhigen und geräuschlosen Streben und Schaffen, iw der besonnenen Haltung, in Fleiß, Ordnung und Sparsamkeit! Der Friede ist da — so mögen wir denn die Werke des Friedens mit frischer Kraft beginnen, und alles Das fördern und weiter führen, was so viele Jahre hindurch unser Interesse und unsre Mitwirkung in Anspruch genommen. Mögen insonders die religiösen Institute, mögen Gemeinde, Schule und Gotteshaus sich der wärmsten Theilnahme und der gediegensten Förderung zu erfreuen^ haben! Wie der Horizont sich wieder aufgeklärt, sh mögen sich auch die günstigsten Aussichten insonders für das „Institut zur Förderung der israelitischen Literatur" wieder eröffnen. Wir bitten die Agenten und Commisstonäre des Instituts, nunmehr wieder frisch Hand ans Werk zu legen, um das jährliche Contingent unvermindert, ja noch vermehrt und ausgedehnt aufzustellen. Andererseits, wer den Frieden mit fteudigem Herzen begrüßt, wem der Gedanke an dessen Segnungen das Herz schwellt, der bringe, diesem auch ein kleines Opfer und wende es der „israelitischen Bibelanstalt" zu, welche auch während der beunruhigendsten Zeit des Kampfes fich langsam gegründet und ihren Bau schon über den Boden der Erde hinausgebracht hat. „Der Frieden schafft in seinen Himmelshöhen, Er schaffe Frieden über alle seine Menschensöhne — Amen!" Veber Gesang und Vortrag in -er Synagoge. I. Je mehr die eigentliche Drangperiode der Cultusreform in der Synagoge vorüber, und zugleich der Widerstand gegen den allmähligen Fortschritt schwächer geworden, desto mehr ist es an der Zeit, die verschiedenen Zweige des Cultus mit Besonnenheit und gründlich zu durchforschen, zu bearbeiten und nach den gewonnenen^Erfahrungen zu gestalten. Eine der wesentlichsten Fragen bildet hier die Vortragsweise der Gebete, indem hierbei eben so sehr die vorhandenen Mittel wie die Bedürfnisse, der Geschmack, die Bildung mitsprechen. Der Gottesdienst im. Tempel zu Jerusalem und der Gottesdienst inD der Synagoge hatten ^deM geradezu entgeg^ftHlH tzharaktD- Psch^h 'im NamM b# MfdmmtHl/ f«4i«KArZ^R8tidid, ,Ua präsentirte die Gemeindr äls ein einheitliches Ganzes. Was der Einzelne an Gelübden und Sündopfern, an Freuden- und Reinigungs opfern noch. that,. gehörte durchaus nicht wßftnMHAm^GanM^ düs MvöN^ÜMbWDg war. Gerade im Gegen theil entstand der Gottesdienst in der Synagoge lediglich aus der Verpflichtung des Einzelnen her- 5aus. Mder einzelne iJsraelit wurde verpflichtet, diese und diese Gebete zu sprechen. Das Gemeinsame entstand eigentlich nur aus dem Umstande, daß Viele die Gebete nicht lesen konnten, daß daher der „Vorbeter" sie laut betete, und die Anwesenden durch'ein lautes „Amen" ihrer SHüldigkeit, das Gebet selbst zu sprechen, sich entledigtem. Dies allein machte den Charakter des öffentlichen Gottesdienstes in der Synagoge aus. Derselbe enthob daher auch niemals den Einzelnen seiner Gebeipflrcht, .und wer zu spät in die Synagoge kommt,, muß die Gebete nachholen, während im Tempel die bestimmten Opfer■ für Alle und Jeden galten. Hieraus entstand denn auch die Vortragsweise in der Synagoge. Während im Tempel, Alleß, schwieg / hie Levitenchöre allein die Psalmen ausführten, Und der Einzelne nur aus eigenem Herzen und eigener Eingebung still für fich betete, was ihm auf die Lippen kam: beteten in "der Synagoge, alle Anwesenden-und nur die vorgeschriebenen Gebete, 'der' Vbrbeter wiederholie' dle^letzten Worte jedes Gebetsatzes, um damit den Segenspruch vorzubereiten, der den Schluß des Gebetsatzes ausmacht, damit durch das Amen auch Diejenigen ihre Pflicht thäten, welche nicht lesen konnten, und deshalb wiederholte er auch die ganze Schemone Esre. Die Gemeinde könnte demnach nicht anders, als zu einem wüsten, wirren Durcheinanderschreien gelangen, so wie umgekehrt die Wiederholungen des Vorbeters fich zu Gesangsweisen ausdehnten, die theils in Recitativ, theils in Melodien bestanden: Allerdings erweiterte sich das Hersagen der Gebetedurch die Gemeinde an einzelnen Stellen zu Responsorien, so wie seinerseits der Vor-' beter sich durch „Baß und Sänger" verstärkte: An und- . für fich blieb es trotz , der großen Entwickelung des Ge-: betumfangs )bei dem eben gezeichneten Charakter des jüdischen Gottesdienstes. ■ =,->■; / < r-’-.v'n-ii- Als nun Bildung Und Geschmackbeiunsern Glau- - bensgenoffen sich zu verbreiten anfingen und die Verbesserung des . Cultus gebieterisch -verlangten, mußte efich -wie Aufmerksamkeit auf die gedachten beiden Momente richten/'