Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 26 (20.6.1859)
- Date
- 1859-06-20
- Page
- Seite 372 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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m Wettplan ausgenommen. Null , das thundie Menschen immer gerndaß sie alles UeLle, was sie thun, Gott zuschieben. Gott hat diese Welt aufs Beste geschaffen, gerade,indem er dem Menschen Freiheit deS Willens gegeben, indem er ihm also gestattet hatalles mögliche Böse zu thun, allenmögttchen Frevel zu üben. Ist:aber darum düs Böse gut und der Frevel Tugend? Daß Gott auch aus dem Kriege zuletzt auch einiges Gute für den Menschen: entstehen läßt/ rechtfertigt dies den Krieg? Waren die- Brüder Josephs unschuldig/ daß sie ihren Bruder als Selaven verkauften und ihren greisen Vater in Trauer versenkten, darum weil jener dadurch vielen Völkern und ihnen selbst Gutes zu thun berufen ward? Nein! Gott hat daö Uebel und Böse in seiner Menschenwelt zugelassen-: weil der Mensch eS bekämpfen und mindern, nicht aber verewigen und gutheißen soll. Hat der Krieg in früheren Epochen einige gute Folgen gehabt: für die ge-- sammte Menschheit, ^z., B. für die Verbindung unter den Völkern, so müssen die Zeiten der Barbarei endlich aufhören, denn längst find andere Mittel an die Stelle getreten, die hundertfach erwirken, was der Krieg iw früheren Zeiten hervorbrachte. Tretet hin vor den Stuhl der Menschheit, bringt eure Zeugen mit für die Sache des Krieges, die brennenden Städte, die geplünderten Flecken, die verwüsteten Fluren, die Taufende von Leichen, die Wittwen und Waisen, den Ruin des Handels, den Verderb des Gewerbe-, den Verlust des Besitzthums, die Pest und den Hunger, den Haß und die Mordlust, bringet sie alle , vor diesen Stuhl, und die Menschheit wird sich mit Abscheu abwenden und sprechen: „nein, nicht zum Segen, zum Fluche bist Du mir!" — — So es aber dennoch nun soist, und nach fast fünfundvierzig Jahren die Schrecken des Krieges wieder über Europa gekommen, und: so, daß das Ziel noch nicht abzusehen— fo. fragen wir uns drittens, welche find die Mahnungen und Tröstungendie die Religion in solcher Zeit und Lage uns zu spenden hat? Und was wäre hier das Nächste,"wenn nicht: btt Niir 'fi V* „Wälz' auf den Ewigen Deinen Weg, Er wird's vollbringen!" (Psalm 37, 5,). Wenn, der Mensch vor dem großen Labyrinthe der Zukunft steht/ und Eingang- und'Durchgang und Ausgang nicht erblickt, wenn seiner Hand der Faden entfällt, der ihn hindurchleiten könnte—- dann erst gehet dem religiösen Gemüthe die ganze. Wahrheit und die ganze Kraft der religiösen Lehre auf: droben wohnet der Lenker der Geschicke, nach seiner Fügung ordnen sich die Dinge, Er vollbringt's, Er vollbringt eS auch' - mitDir, Er' wandelt jede Wüste zur Flur/ und läßt in der Steppe noch Saat und Frucht und Schatten werden, und mitten unter den großen Geschicken der Nationen, in den Momenten, wo es sich tun die Zukunft ganzer Welten handelt, vergißt Er Dein nicht und der Deinen ~ darum Ihm vertraue und Seiner Vatttsvrge! „Was ist Dir so bange, meine Seele, Und waS seufzest Du in mir? Harr' auf Gott, denn noch' werd' ich ihm danken, und der Hülfe seines Angesichtes!" <Ps. 42, 6) Und zweitens: hast Du es nicht gehört von Kindheit an,, hast Du es nicht erfahren von Beginn an-— VaS Leben des Menschen soll keine Sicherheit und Festigkeit bieten; eS soll die Erde bisweilen unter unseren Füßen wanken; es soll unser Weg bald auf die Höhen, bald in die Niederungen führen; daö Leben ist und soll sein voller Wechfelfälle. Und es ist gut, daß der Mensch daran und immer wieder, gemahnt werde. Unser Geschlecht war zu sicher geworden, der gestiegene Verkehr, der gehobene Erwerb, die gesteigerten Genüsse'harten die Menschen übermüthig, voll Selbstüberschätzung, , voll materiellen Thuns und materialistischer Anschauung gemacht—- es ist daher gut, daß wir das Unzuverlässige all' dessen einmal wieder so recht empfinden und einsehen, daß sie zu Schanden werden die Männer, die allein Geld, und Gutzu schätzen durch Wort und That predigten und den Adel des Menschen nach den Ziffern des Befitzes maßen; es ist gut für Dich, daß Du durch Verlust und Drohung auf Dein besseres Wesen, auf Dein höheres Selbst Hingetrieben werdest! Die Ihr es verlachtet, Ihr werdet es wieder selbst findender Mensch muß durch den Schmelzofen der Prüfungen hindurch, soll die. Schlacke in ihm das reine Silber nicht ganz verbergen, soll er nicht ganz zur Schlacke werden. Und da sei uns gegrüßt-als dritte Erkenntniß: daß die einzige wahre und bleibende Frucht des LebenS — die guten Werke find, der einzige rechte Verdienstedas Verdienst bei Gott und um die Menschen: Damit prüfe Dich. Du bist unglücklich, daß Du Dein Lebelang-Dich gemüht und gearbeitet hast, und nun, da der Weg schon abwärts geht, hast Du Alles verloren, und Du scheinst Dir nichts vor Dir gebracht zu haben? Nun frage Dich: habe ich auch gute Werke gethan, habe ich mich um meine Mitmenschen verdient gemacht? habe ich Etlichen Hülfe gebracht, Beistand geleistet:? Etlicher Wohl gefördert? den allgemeinen Instituten gedient? meinen Theil getragen von den Lasten für Unglück und Armuth und- Verlassenheit? war ich stets freundlich gegen meine Mitmenschen? pflegte ich die Bande der Familie, und war ein sorgsamer Va-