Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 26 (20.6.1859)
- Date
- 1859-06-20
- Page
- Seite 371 (sequence 3)
- Language
- German
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371 gefällig hielt? aber die Zeiten find, nicht mehr. Giebt es nicht jetzt: noch Viele, welche Sklaverei und Knute für ganz unentbehrlich haltenwelche das Duell für Forderung der Ehre: l halten -und den.Mord in diesem entschuldigen?. Und doch sieht/jeder Vernünftige ein, daß Sklaverei, Meute, Duell u.dgl. nicht nothwe.ndig, daß ste verderblich, schändlich,, ruchlos find, .und daß sie fürwahr!- doch nicht lange mehr' bestehen' werden. - Vielleicht ist das -mitdem Kriege auch. so der Fall,, und: das: Vorürtheil für: ihn nur.darum anhaltender, . Weiles /-r das älteste der Voruttheile ist,:und mit Kajiw seinen' -bluttriefenden Umgang eröffnete. - . Man sagt, zu erst: . der Krieg sei eine Art physische Nothwendigkeit,! wie das Gewitterdas mit Donner und Blitz-: sich entladet..- Frevelhafter. und dabei. unzutreffender Vergleich!- . Weil der Blitz unter Millionen.' Fällen ein Mal ldas-Haupt :eines Menschen, oder Thieres -trifft oder eine Eiche spaltetsoll ihm der Krieg gleichen, der Hunderttausende. hinrafft und von- Menschengut unsägliche- Menge? Dem Gewitter, das; den Boden befruchtet und alle, Wesen-- erfrischt,. der - Krieg, .der die -.Saaten zertritt und - die Länder "verwüstet? Jenes, - das Frische Dnd Wohlgefühl hinter - sich, läßt, dieser, der Seuche: und Haß zum Gefolge hat?. Warum soll der.Krieg eine physische Nothwenigkeit sein?- Man: sagt: der Ueberbevölkerung zu steuern!— falsch, denn.-nach den 25 Jahren der Revolutions- und Napoleonischen- Kriege. war Europa: bevölkerter als zuvor. Und giebt es nicht noch unübersehbare Landschaften auf Erden- Pie - der. Bevölkerung noch bedürfen?', giebt: es nicht, in jedem -Lande .selbst noch große Striche, die. der Bearbeitung noch':ermangeln?. -find nicht die Arbeitslöhne: selbst'in den bevölkerten Ländern gestiegen, also Beweis, daß der Arbeitskräfte -nichL zu! viele y - sondern /eher. zuu wenig - vorhanden? Was: wäre.- das für; eine Schöpfung Gottes,; wo die!!Geschöpfe fich morden, müssen, um Raum zu! haben für die überlebenden!/! Mit Nichten ist es: so. .Noch hat jede Nation - an W.ohlstand und! Glück zugenommen,: je) dichter die Menschen: darin wohnten, und. nur die wenig bewohnten Länder, -sind /die öden und versunkenen. — Oder man sagt: der Krieg sei -nothwendigum die Menschheit imFluß zu erhalten, damit sie nicht zum stehenden Gewässer,-zum faulen Sumpfe werde,, die Leidenschaften, des Krieges bringen Lebenwo der lang 'andauernde Friede Sttllftand bewirke.: Wiederum. falsch.. Wollt Ihr, um einen Fluß in Sttömung. zu erhalten,! Schutt und Schmutz, Geröll und Sand hineinwerfen? oder strömt nur d e r- Fluß -lebendig- - dev von all' diesem-gereinigt wird? : DieLeidenschaftendes Krieges Sud: dies, nicht, die schlechtesten und abscheulichsten/: die' verdammenswürdigsten? Wo Krieg ist, da verwildern die Herzen , da entmenschlichen die Gemüther, und selbst die edelste Leidenschaftdie Vaterlandsliebeleuchtet nur im Beginne des Krieges, in -dessen Fortgang sie zu Raserei, zu Mord -' und Raublust, zu Gleichgültigkeit gegen Menschenleben und Menschenglück entartet..- Die Leidenschaften, die. :der. Krieg weckt, find gerade die, welche der Mensch in sich bekämpfen soll/ die, welche die Menschheit aus ihrem Innersten .auszurotten hat, die, welchem alle Einrichtungen des Staates entgegenwirken .und die er mit schweren Strafen belegt, und dieseämmer wieder anzufachen und zu nähren soll eine Nothwendigkeit für die Menschheit fein?*-; Und wenn es wahr ist, daß der Krieg Energie des Willens, Ausdauer, Muth in großen Maßen weckt, giebt es nicht außerdem Mittel/ Veranlassung', Gelegenheit genug, sie in den Menschen heraufzurüfen, ohne sie zur Zerstörung und zu-Verwilderung zu wenden, statt zum Aufbauen und Gedeihen? —Neines ist nicht wahr,, daß der Krieg für die Entwickelung der Menschheit nothwendig ist. r Vielmehr ist er.ihr durchaus schädlich; er erstickt Wissenschaft und Kunster erstickt Handel und Verkehr, er /erstickt alle: schöneren und edleren Blüthen des menschlichen Geistes; er erstickt Recht und Menschenliebe, er erstickt Wahrheit und'Freiheit, und tritt somit Allem feindlich, entgegen/ was die wahre Aufgabe des Menschen ist.; Nicht etwa, daß durch den Krieg und nach - demselben die Menschen einen höhern: und schneller» Aufschwung nehmenvielmehr daüert es stets eine lange Zeit nach dem Kriege, bevor: sich die Völker wieder erholen und: die Fäden, wieder anspinnen können, die das Schwert zerschnitten hatte; nach dem Kriege ist dieGewaltsherrschast noch lange dauernd, und erst der Mühen viele kostet:es, bis die Eniwickelung pem- Rechte Und: der Freiheit 'wieder Raum geschaffen hüt. Nein! die Entwickelung der » Menschheit hat dem Kriege an sich nur wenig, zu verdanken, und je weiter: sie. schreitet,: desto weniger; ja, desto: verderblicher wird ihr der.- Krieg. Nurim Frieden / blühet alles Wirken und Schaffen der Menschen auf, nur im Frieden platzen auch die Geister, auf einander und bringen durch friedlichen Streit und Forschung das Höhere zu Tage/ nur in Frieden ruft der Eifer, das Studium, der Erfolg und - Lohn immer neue Strebungen hervor, und die- Menschheit krönt ihr Haupt mit glänzenden Siegen nicht mehr: durch den Krieg, sondern-durchsden Frieden! /' Und darum jst! auch die letzte Zuflucht eine irrige, welche die Vertheidiger des Krieges Vorbringen: der Krieg war immer-und ist immer noch unter den Menschen—■ folglich muß er gut sein, da ihn Gott'also iw seinen 26*