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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1859-06-06 · Heft 24 (6.6.1859) · p. Seite 346

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
23 (1859)
Issue
Heft 24 (6.6.1859)
Date
1859-06-06
Page
Seite 346 (sequence 6)
Language
German
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346 daß er nur von einigen Autoren uns einen Fernblick ihrer geistigen Wirksamkeit und von den Wenigsten eine gedrängte Analyse ihrer Schriftwerke geben konnte. So hat der Verfasser von Ihn Esra's Bibelcommentar, der die Grundzüge seines Systems von Gott, Welt, Seele rc. enthält und die Krochmal mit geistreicher Schärfe zusammengestellt und im Widerspruch mit Jost die Einheit seines Systems anschaulich gemacht^ hat, nur einige Punkte (S. 422.) unklar und ungenau .hervorgehoben. Das . Lehen und geistige Wirken von M ai monides, womit Jost diese Abtheilung schließt, krönt, das. ganze Werk. Ganz vortrefflich stellt der Vexf. die verschiedene Richtung der franz.- deutschen und der morgeyländifchen Schulen dar, welche der Geist M's, zu vereinen suchte. Eine vollständige Analyse seiner reichhaltigen und umfangreichen Werke zu geben, war auf diesem beschränkten Raume unmöglich, der Verf. hob daher aus denselben nur das Charakteristische hervor, wodurch seine philosophische Denkweise und sein Strehen, eine mit Wissenschaft verbundene Religionserkenntniß unter seinen Glaubensgenossen zu verbreiten, selbst dem blödesten Auge sichtbar wird. Ganz entschieden müssen wir gber .die Vermuthung des Verfs. ablehnen, daß M. deshalb keine Erklärungen zur h. Schrift geschrieben habe, weil er wußte, daß seine Ansicht von dem geistigen Inhalt, welche der Lehrweise der alerandrinischen Schule nahe stand, gegen die Meinungen aller Zeitgenossen verstoßen haben würde; denn M. war der Mann nicht, wo es Belehrung galt, seine Meinung zu unterdrücken und zu verbergen. So sagte er auch von sich selbst in der Einleitung zum More bei den Grundzügen, die er von den prophetischen Allegorien aufstellt, daß er, wenn es nölhig sei, den Muth habe, eine Wahrheit zu lehren, wenn sie auch nur Einem Wißbegierigen zum Vortheil gereiche und zehntausend Thoren daran Anstoß fänden, Was nun aber die alerandrinische Erklärungsweise, die der Verf. Maimonides aufbürdet, betrifft, soberuht dieses auf einer einzigen Stelle in einem von Rappoport als interpolirt erkannten Briefe von M. an seinen Sohn Abraham, in welcher er Moses und Aron, Pharao und Aegypten und alle biblischen Personen nur für die Formen einer Allegorie hält. Der Verf. hatte allerdings keine Kenntniß von Rap's. Schreiben, als er dieses niederschrieb, was er auch mit anerkennender Offenheit^ in diesen Blättern erklärt hat; aber der scharfe, kritische Geist des Verfs. Hätte diese Einzige Stelle nicht zur Grundlage eines Systems aufstellen sollen, von der. in seinen übrigen Schriften keine Spur zu finden ist und diese Ausschweifung deS menschlichen Geistes ist keineswegs der maimonidischen Erklärungsweise allere übernatürlichen biblischen- Erzählungen an die Seite zu stellen, die M. ihrer concreten Körperlosigkeit entkleidet und, sie in den Nebel prophetischer Visionen hüllt, was ihm nichtsdestoweniger manche Anfeindung zugezogen hat. - , Die. geschichtlichen Angaben des religiösen Druckes unter der Almohaden-Regierung, welcher, den scheinbaren Uebertritt vieler Juden, und unter diesen auch die Familie Maimun, zum Islam veranlaßt, hat der Verf.?nach den besten Quellen dargestellt. Was nun.die-Ursache, war; daß besonders die maimunische Familie die Auswanderung nicht dem gezwungenen Uebertritt vorzog, so möchten wir keineswegs mit dem Verf. (S. 434.); die von derselben befürchtete Unzulänglichkeit der Erwerbsquellen oder Mangel an geistigem Umgang in. fremdem Lande-als Motive hinstellen, die selbst in unsrer nicht so glaubensstarken Zeit für höchst verwerflich gehalten werden; der richtigste Entschuldigungsgrund lag wohl unter andern uns unbekannten Ursachen in der Bekennlnißformel des Islams selbst, die, was auch M, selbst hervorhob, das .innerste Wesen des Judenthums, die Einheit Gottes nicht aufhebt, wie das christliche Dogma es verlangt. In den christlichen Verfolgungsperioden standen daher auch die spanischen Juden den französischen Deutschen nicht an Glaubensstärke und Aufopferungsfähigkeit nach; am-Rhein wie - am Ebro, an der Donau wie am Guadalquivir gab es Glaubensstarke und Schwache, Märtyrer und Apostaten und die Autodafös in Spanien loderten noch lange Zeit, nachdem die Blutscenen unter den Kreuzrittern in Deutschland schon längst überstanden waren. Wir werden daher , mit Recht Anstand nehmen müssen, dem Vorwurf einer lareren Religionsansicht beizustimmen, den der Vers. (S. 434.) . gegen die spanischen Juden, im 12. Jahrhundert zu erheben sich berechtigt hält. — Erfreulich und anerkennenswerth ist es dagegen, daß der Verf. der Polemik, die sich über M. in unsrer Zeit entsponner? hat, fern blieb, eine Polemik, die, Dank sei es Rappoport, eben so zur Glorie M's. endete, > wie die gegen den More im 13. Jahrhundert. Und so werden auch sicherlich selbst unsre Bemerkungen gegen den Verf., die wir hier, niederzulegen uns erlaubt haben, nur zur Verherrlichung dieses Werkes beitragen, das Keiner ohne Befriedigung und ohne Vieles daraus gelernt zu haben, aus Händen legen wird. Wir nehmen daher keinen Anstand, noch einige Bemerkungen zum 4ten Buche beizufügen. S. 14. sagt der Verf.. von den Streitigkeiten der Schu-

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