Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 23 (30.5.1859)
- Date
- 1859-05-30
- Page
- Seite 337 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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ausmacht, im Jahre 1840 unter dem Namen Samson'- scher Legatenfonds als moralische Persönlichkeit von der Staatsregierung'' anerkannt und unter die allgemeine Controls des Stadtmagistrats gestellt war. Erst eine kleine, nicht sehr verbreitete Schrift*) gab Kunde von dem historischen Entwickelungsgange dieser Erziehungsanstalt, so weit solcher bei dem Mangel älterer Aufzeichnungen noch zu ermitteln war. -Auf diese Schrift mögen Diejenigen sich verweisen lassen, die sich mit der Geschichte/rind den Verhältnissen der Anstalt bekannt zu machen wünschen. Im Anschlüsse jedoch an eine schöne, am 18. Januar begangene Feier und auf Anregung verschiedener Gönner und Freunde der Anstalt soll ein gedrängter Ueberblick über dieselbe gegeben, jene Feier selbst in ihrem. Zusammenhangs mit der Vergangenheit kurz geschildert werden. ■ 126 Jahre find verflossen, seit der älteste uns bekannte Stammvater der Samson'schen-Familie, Marc u s Gunrpel Moses Fulda (hiers. gest. 1733) , den Grund-zu den schönen Stiftungen l^gte, die heute als Samson'- scher Legatenfonds in ausgedehntem Maße ihre Wohlthaten spenden. Stilles Wohlthun, in großartiger Weise Mit religiöser Frömmigkeit gepaart, ist nicht selten im Judenthum, ist namentlich oft der Charakterzug einzelner Familien. So folgte auch das ganze Sam so n'sche Geschlecht dem Beispiele seines Patriarchen, und man wollte — was besonders in jenen geistig dunkeln Zeiten so erhebend ist — nicht blos armen Glaubensgenossen Brot reichen, sondern ihren Sinn auf höhere geistige Genüsse lenken; man wollte nicht blos „den Himmel durch die dankbaren Herzen Unglücklicher erstürmen", sondern selbstopfernv wirken für den väterlichen Glauben. Daher waren die Vermächtnisse (mehr als 100,000 Thlr. betragend) allerdings zunächst armen Familiengliedern geweiht, sei es Verarmte zu unterstützen, oder Bräute auszustatten, sei es arme Knaben zu erziehen. Aber der letztere Zweck trat bald in den Vordergrund, und die Ausbildung armer jüdischer Knaben ward durch die von den frommen Brüdern, Hertz Samson in Braunschweig (geb. 1738, gest. 1794), und Philipp Samson in Wolfenbüttel (geb. 1743, gest. 1805), seit 1786 gestiftete talmudische Lehranstalt (Leid ha-midrasch) in einer die Anfangs gezogenen Grenzen weit überschreitenden Wirksamkeit erstrebt. Auf diese geistige Erhebung blieb unausgesetzt auch das *) Die S a m so n 'sche Freischule zu Wolfenbüttel. In ihrer Vergangenheit und Gegenwart geschildert von vr. Ph. Ehrenberg. Leipzig, 1844. 8. (61 S.) Auge der spätern Nachkommen gerichtet, welche bald erkannten , daß jene von den Eltern aus der Fülle ihrer warmen Herzen geweiheten Stiftungen noch der geregelten Ordnung , des klären Zieles entbehrten, die Jugend mehr für eine abgegrenzte religiöse Richtung, als zu wahrhaft religiösen Menschen zu erziehen befähigt waren. Die alten Talmudschulen zerfielen; auf ihren Trümmern erhob sich die Samsonsche Freischule. Es war der 5. April des Jahres 1807, als diese Erziehungsanstalt durch Israel Jacobson*) und den Administrator sämmtlicher Stiftungen, IsaakHerz Samson**), feierlich eingeweihet ward zu einer deutschen Bildungsanstalt für deutsche Juden, und Samuel Meyer Ehrenberg***), von ihnen berufen, deren Leitung übernahm. Die politische Macht, welche damals schon unser deutsches Vaterland niederdrückte, mußte zwar den freudigen Aufschwung hemmen, war aber den Juden weniger fühlbar, als ihren christlichen Mitbrüdern; denn dieselbe feindliche Macht gewährte ihnen die erste Anerkennung ihrer Menschenrechte. Und in dem Abglanze-dieses freien Athmens, in dem ftischen innern Leben entwickelte und entfaltete sich allmählig die S a m so n 'sche Freischule — ein treues Bild der Culturgeschichte des Judenthums. „Wie dieses sich aus einer durch tausendjährigen Drück und tausendjährige Gewöhnung verhärteten Schale löst und sich freier und fester entfaltet, so schüttelt auch die Schule jene Fesseln finsterer Zeiten von sich ab und gründet der Jugend ein neues Haus voll schöner und inniger Zukunfts- Hoffnungen" j-). Dieses Haus, es sollte ausgleichen, sollte ersetzen, was das Elternhaus nicht vermag; es sollte eine ‘ *) Stifter der Jacobsonsschule, nachheriger Consistorialpräfident, geb. in Halberstadt 1768, gest. in Berlin 1828. **) Sohn des obigen Hertz Samson und Schwiegersohn des Philipp Samson, geb. in Braunschweig 1778, gest. in Berlin 1849. Er führte die Verwaltung bis zum Jahre 1840 und übergab sie dann drei erwählten Familiengliedern, die sich seitdem gegenseitig ergänzen und Einem die Geschäftsführung übertragen. Nach der Reihe verwalteten dieses mühevolle. Amt des geschäftführenden Administrators: 1) vr. zur. Mor Cohen in Hannover, gest. 1845; 2) Banquier Heinrich Cohen daselbst, gest. 1856; seitdem 3) Domainenpächter G o t t - helf Jacobson in Duttenstedt.; ***) Geb. in Braunschweig 1773, gest. in Wolfenbüttel 1853, leitete die Anstalt bis zum I. 1846. Vergl. Sam. M. Ehrenberg, ein Denkmal für Angehörige und Freunde, von vr. Zunz. Braunschweig, 1854. j-) „Die S a m so n 'sche Freischule; S. 53. 23**