Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 23 (30.5.1859)
- Date
- 1859-05-30
- Page
- Seite 335 (sequence 9)
- Language
- German
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als; Mitglied des: jüdischen Censurcomite. Wer ba; weiß, : wie 'tief oft die Censür der alten jüdischen Schriftwerke in das Lebendes JudenthumS einschneidetwenn auf; unbedeutende politische und sociale Anspielungen ein allzu großes Gewicht gelegt wird, und wer da weiß, wie gerade durch diese Pedanterie kleine Dinge eine allzu wichtige Bedeutung erlangen, einerseits? in den Augen der Regierung, die wider ihren Willen-falsche und. ungünstige Anschauungen überden. Inhalt unserer Literatur empfängt, und andererseits in den-Augen' der Juden, die durch die entstellenden Veränderungen ihrer Schriften oft zu hartnäckigem Obscurantismus gereizt werden; nur wer dies Alles durch langjährigen Aufenthalt in Polen selbst erfahren, kann von der segensre ichen abwehrenden Wirksamkeit eines edeln.und gebildeten Cenförs einen Begriff haben. Dieses schwierige unk mit großer Verantwortlichkeit verbundene Amt bekleidete Hertzfeld durch dreizehn Jahre ohne alle Besoldung und rein aus Liebe für fein Volk.; _ : Nach der Revolution aber, 1831, hörte feine öffentliche Wirksamkeit auf. Andere Verhältnisse waren eingetreten, in denen seine Geradheit und Offenheit für die Oeffentlichkeit nicht mehr laugten, und er trat bescheiden und wohl mit schmerzlichem Bedauern, gleich vielen andern edeln Kräften, ist den Hintergrund, leidet, um' denen Platz zu machen,, die durch Ränke und Schliche sich eine Bedeutung und Stellung anzumaßen wußten. Aus dem Schulvorstande trat er, weit er es nicht ertragen konnte, daß der hebräische Unterricht aus jüdischen Schulen verbannt wurde. *) Seine Stelle im. Censurcomite wurde einem Renegaten übertragen. Höher vielleicht als Alles, was H. in seinem Leben g e t h a n, ist diese zwanzigjährige Thatlosigkeit,. weil edle Thaten und gerade Wege ihm versagt waren, anzurechnen, und noch höher, daß er nach so vielen. bitteren Erfahrungenwieder in. den Vordergrund zu treten, keinen Anstand nahm, als mit dem Regierungsantritte: unseres, edeln Kaisers Alexander ll. neue Hoffnungen für die Verbesserung unserer Lage wach wurden, und neue gerade Wege der öffentlichen Wirksamkeit sich darboten. Die genaue Vertrautheit mit der politischen und *) Derselbe ist jedoch vor einigen Jahren wieder eingeführt worden. Carresp. i socialen Entwickelung der Juden Polens, die er wäh- : rend. seiner erzwungenen Ruhezeit gewonnen;, so wie der ihm von seiner Heimath angeborene Freiheitssinn waren neben seinem sonstigen edeln Wesen gerade die- \ jenigen Eigenschaften, die ihn zur Wiederaufnahme seisneS lange unterbrochenen StrebenS— trotz der inzwischen erfolgten gänzlichen Umgestaltung aller Perhält- Kniffe—-befähigten. Bon da ab galt seine Thätigseit j ununterbrochen und unverdrossen seinen polnischen? l Glaubensbrüdern, bis er leider nach mehrmonatli- : chem Aufenthalt in Peters bürg) am 30. April durch, jdie Cholera seiner Wirksamkeit entrissen wurde, und. | fern Tod alle Diejenigen mit tiefem Schmerz erfüllte,: 'deren Herz - noch nicht für das Geschick der Juden erstorben ist.;;; Wie viel seiner unermüdlichen Strebsamkeit ge* 'lungen>ist, kann erst die Zukunft lehren; aber was. jauch immer von der Gnade unseres Kaisers SegenS- > reiches wird verliehen werden, das Alles wird sich am! Hertzseld's Andenken knüpfen. *) Aus Rußland, im April. (Privatmitth.) ES wird Ihnen angenehm sein, den Wortlaut, des mehrfach. - in d. Bl. erwähnten. jüngsten Ukases mittheilen zu können. Er lautet: In Folge der Vorstellungen deS Ministers deS Innern und der Finanzen hinsichtlich der:freien Niederlassung und des Handels israelitischer Kaufleute. Ifter Gilde und auswärtiger Israeliten außerhalb der Sini.e der den Israeliten angewiesenen Wohnplätze,, erfolgte die Allerhöchst bestätigte Meinung deS StaatSrathS, wonach die betreffenden Paragraphen des russischen Gesetzbuches folgende Abänderung erleiden:. \ 1) In allen Städten des russischen Reiches über- \ Haupt, auch außerhalb des RayonS der den. Israeliten : gegenwärtig angewiesenen Wohnplätze. wird den israelitischen Kausteuten Ister Gilde die Erlaubniß ertheilt^ in den Kaufmannsstand der Isten Gilde auf allgemeiner Grundlage einzutreten,, und zwar erlangen dieses. Recht 1) diejenigen Israeliten, die vor dem Erscheinen dieses Erlasses bereits der Isten Gilde angehörten, wenn sie in. derselben entweder, volle zwei Jahre. j ’ *), Auch wir, die wir den sel. Hertzfeld persönlich kann-! ten, fühlen uns von feinem Heimgang schmerzlich berührt k! Wir hoffen , bald wird es möglich werden , seiü Wirkeni v o l l stä n di g öffentlich würdigen zu können. > Die- Redaktion.