Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1859-05-23 · Heft 22 (23.5.1859) · p. Seite 322

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
23 (1859)
Issue
Heft 22 (23.5.1859)
Date
1859-05-23
Page
Seite 322 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3226147-3226170--17741-3246667
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Entschädigung von 600 Fl. C. M. freiwillig restgnirte. 7. Dvnaufürstenthümer. Galatz, 7. Mai- (Privatmitth.) Das Gros der hiesigen Bevölkerung besteht aus Griechen, welche ihrer Gehässigkeit' gegen' Juden schon öfters hier am Orte durch den jüngsten ähnliche Scenen Ausdruck gegeben haben.: 'Daß sie:die jetzigen zerfahrenen hiesigen Zustände; als: günstigen Boden zur Ausführungihres Vorhabens mitwvhlberechneter Bosheit gewählt haben, läßt sich um so leichter begreifen, als sie bei noch, so plump angelegter Fabel auf Ungestraftheit rechnen konnten. Umsonst'untersuchte man den Knaben, der angeblich: von den Juden mißhandelt sein sollte, und eine ärztliche Commission bestätigtedaß er keine Spuren einer Verletzung, von der eine Blutentziehung vor sich gehen konnte, an sich trug; nun, das änderte nichts an der Sache, denn wenn sie es nicht gethan, so wollten sie es doch thun!!! Die Gemeinde wandte sich in ihrer - Angst an die Vorstände derjüdischen Gemeinde in Wien, Paris, London, und der Wiener Vorstand schritt sogleich bei Sr. Enellenz dem Grafen Buol ein, der-trotz dem Drange der jetzigen Zeitverhältniffe Muße gewann, ihr Bittgesuch zu beantworten und das hiesige österreichische Consulat telegraphisch dahin zu instruiren, sich der Juden unverzüglich anzunehmen. Aber trotz alles Laufens hat sich leider der Stand der Dinge bis jetzt fast noch um nichts geändert, und die 15 Judendie man gefangen gesetzt, sind noch bis heute detinirt. Und ich werde auch nicht versuchen, Ihnen v on der Verbrechenschett, schmutzigen Angelegenheit einen klaren Begriff zu machen; wie soll ich auch Ihnen eine Sache klar darstellen, die im Trüben und Finstern einherschleicht. Die Juden, scheint mir, werden nach aller Mühe und Anstrengung wieder froh sein, wenn man sie auch diesmal von aller Schuld aus Mangel an Beweisen freispricht. \ So viel ist gewiß, daß das sociale Verhältniß der Juden mit ihren christlichen Nachbarn, welches hier und in Odessa durch vieljähriges Zusammenleben vermittelt' worden ist, durch: die letzten Vorgänge zerrissen und in Mißtrauen Und Argwohn verwandelt worden. Dieses falle' auf die Häupter Derjenigen, die diese Vorgänge angezettelt haben und Die, die Hetzer und Anstifter wattruu: Jch^iß nur5allzü gut, daß die Bessern unter'den :Griechen: die Sache bedauern und ihren' Abscheu dagegen auSsprechen, selbst literarisch ist'ein Grieche in einem schönen, in wallachischer Sprache geschriebenen Aufsatze aufgetreten —- aber die Wunde ist nun einmal geschlagen, und es dürften viele Jahre darüber hingehen',, bis dieselbe wieder verharscht ist. . M. S.‘au8 0. - Aus der Moldau, 1. Mai. (Privatmitth.) -ins inijv -iwrri °>n-!Ns (Job. 3, 24.). Denn es wird leider von-allen Seiten gemeldet, daß überall eine schreckliche Judenverfolgung entfesselt worden ist. Und besonders zeichneten sich neuerdings die Gemeinden Fokschany, Waslucund Piatra aus.- In Fokschany nämlich war der Schrecken unserer K)laubensgenoffen so groß, daß solche es vermeiden mußten,' die ersten Pessachtage. die Synagoge' zubesuchen, und die Beherzten konnten alldort ihr Gebet nur unter Bewachung; der Polizei .abhalten. Die Ursache war, weil sich dort ein Complot gegen die Juden bildete, letztere in der Synagoge während des Gebetes zu überfallen. - In Wasluc kam es ebenfalls schier zum Ausbruche; denn als in-einer Freitags-Nacht ein dortiger jüdischer Insasse.einen vorübergehenden Nachtwächter hereinrief, um sich von ihm, wie es gebräuchlich ist, das Licht auslöschen zu lassen, und Letzterer eS auch wirklich ausgelöscht Hütte, ' fing er aus allen Kräften zu schreien an, daß der Jude bei ihm Blut nehmen wolle. Natürlich ermangelte es auch nicht, daß ein Zusammenlauf entstand/ und mit mit schwerer Mühe gelang es dem dortigen Jspravnik, die Menge von einer Lynchjustiz abzuhalten, ließ aber sogleich den Nachtwächter und Juden verhaften.-- : 7 - •' ■ ' - Endlich in Piatra geschah es, daß am 23* vorigen Monats mehrere Griechen eine Puppe als Juden herumschleppten und insultirten; die Absicht.war natürlich, daß die Juden herbeispringen sollten, um den vermeintlichen Juden zu retten. Glücklicher. Weise wagte es Keiner, herauszutreten, und durchzogen unsere Helden die ganze Judengasse. Als -aber die Polizei davon erfuhr, ertappte sie solche, als sie im Begriffe waren, das Machwerk in die Bißritz zu stürzen, und als die Polizei die Rädelsführer verhaften wollte, setzten sie sich zur Wehr, underst nach einem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.