Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 21 (16.5.1859)
- Date
- 1859-05-16
- Page
- Seite 308 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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308 auch wir waren in größter Besorgniß, daß der religiöse- Fanatismus , diese schnell um sich: greifende Seuche, - auch die Bevölkerung unserer Stadt erfassen möchte/ denn die Schreckensbotschaften, von denen ich Ihnen gleich berichten, werde, wurden in gehässigster, die- Wahrheit: entstellendster Weise, sogar, von Personen, denen die Erhaltung der Ordnung und des Friedens obliegen sollte, in öffentlichen Blättern hierorts verbreitet. Um so betrübender ist eS, da bis vor Kurzem die beste Eintracht unter den verschiedenen Glaubensbekenntnissen geherrscht hat, an Judenhaß nicht zu denken war; doch, dem Himmel sei Dank, den energischen Maßregeln der Consuln der fremden Machte ist eö gelungen, daß die Blutscenen unserer Rachbarstadt von uns abgewendet wurden. Von diesen berichte ich in Kürze, waS mir ein sicherer Gewährsmann darüber schreibt. Am 12. dieses Abends soll ein 12jühriger griechischer Knabe, so wird vorgegeben, bitterlich weinend zu seinen Eltern gekommen sein, „die Juden hätten ihn in den Synagogenhof gelockt, gewaltsam zur Ader gelassen, Blut abgezapft und dann fortgejagt". In derselben Nacht wurden die dortigen zwei Synagogen überfallen, und 15 Juden würden von dort fortgeschleppt. Früh de'S Morgens war die Sache in der Stadt bekannt/ die Griechen und Bulgaren forderten die Moldauer zur Rache gegen die Juden auf für von ihnen vergossenes Christenblut. Die Wuth war furchtbar, ganze Rotten zerstreuten sich in den Straßen, mißhandelten, verwundeten die Juden, wo sie sie trafen. Militär war nicht zu beschaffen, da eS einige Tage zuvor nach Bukarest abgezogen war. Da indeß die Greuel Zunahmen, sich zu Schandthaten steigerten, beschlossen der französische und englische Consul, die Matrosen von ihren im Hafen liegenden Kriegsschiffen ans Land steigen zu lassen, denen es dann auch im Verein mit den mittelst Dampfboot aus Jbraila geholten 200 wällachischen Soldaten gelang, die Ruhe ziemlich herzustellen. Aber noch, andern Tags fielen einige traurige Fälle vor. 50 Menschen sind mehr oder weniger schwer verwundet, von .denen schon einige an. ihren Wunden gestorben.. Zwei Synagogen find bis zum Grund zerstört, 40 Thorarollen theilS verbrannt, theilS zerschnitten in den Wind zerstreut, so wie zu Trommelüberzügen verwandt, viele Judenhäuser geplündert und demolirt, wodurch eine ganze Anzahl Juden an den Bettelstab gebracht find. Doch - scheint die Ruhe jetzt gänzlich hergestellt und hoffen wir, daß eS bei diesen traurigen, inS tiefste Mittelalter gehörenden Vorfällen sein Verbleiben haben wird. Galatz, 19.. April, Das österreichische Consulat bemühte sich, rasch Truppen herbeizuziehen; so wurde noch Mittwoch Nachmittags ein Dampfbootnach Jbraila gesandt, mit welchem AbendS 250 Mann wallachisches Militär anlangten; so auch wurde daS in der Sulina stationirende österreichische Kriegsdampfschiff mit den darauf befindlichen Marine-Soldaten telegraphisch nach Galatz.einberufen. Neue Greuelseenen haben sich nicht ereignet, doch mag auch in den Nachbarstädten der.religiöse Fanatismus aufstammen, der jetzt, wie es scheint, zu weiteren Zwecken in jeder Weise aufgestachelt wird. Das griechische Consulat benahm sich bei den letzten Vorfällen höchst zweideutig, und die Griechen waren die eigentlichen Rädelsführer. Der den Israeliten zugefügte Schaden wird auf 50,000 Dueaten geschätzt; den unter' fremdem Schutze stehenden wird er ersetzt werden müssen. (Oesterr. Bl.) Bukarest, 21. April. Vorgestern empfing Fürst Cousa eine Deputation Israeliten, die ihm im Namen ihrer Glaubensgenossen in Galatz für die denselben schnell geleistete Hülfe ihren Dank abstatteten. Der Fürst empfing dieselbe sehr wohlwollend und äußerte unter Anderm: „Mir sind alle meine Unterthanen nur Romanen, sie mögen sich zur mosaischen odev christlichen Religion bekennen." Er versicherte ferner, daß die strengsten Maßregeln getroffen sind, ähnlichen Fällen vorzubeugen, und daß er an den Haupträdelsführern in Galatz ein warnendes Erempel statuiren werde. (Oesterr. Ztg.) Konstantinopel, 23. April. Das „Journal de Sonst." spricht sich mit großer Entrüstung über die Vorgänge in Galatz aus und hofft, die moldauische Regierung werde nicht ermangeln,' die Urheber der Greuek mit. derselben Strenge zu bestrafen, wie der Sultan. die Missethäter in Dscheddah. Es meldet, daß bereits 5 Juden , ihren Wunden erlegen sind, und daß die Epistaten (eine Art von Polizeicommiffären) den Pöbel aufstachelten und sich offen, an der Plünderung betheiligten. Außer dem österreichischen hat auch der. preußische Eonsul sein Haus den Verfolgten geöffnet. Andere haben Aufnahme am Bord der Dampfer der österreichischen Donau-DampfschifffahrtS-