Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 21 (16.5.1859)
- Date
- 1859-05-16
- Page
- Seite 301 (sequence 3)
- Language
- German
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301 worden. Als. Hauptaufwiegler und Rädelsführer, die bei dieser Schlägerei am - meisten, thätig waren und sich auch spater für die. Freilassung? der Verhafteten^.angelegentlichst verwendeten, bezeichnet Man allgemein vier Personen von. der höher» griechischen Geldaristokratie, die Herren Kriona, Sohn'meines durch Zolldefraudation und durch betrügerischen? Verkauf von einheimischem bessarabischem Tabak für acht türkischen steinreich gewordenen Griechen, Ksidy, Inhaber einer. Talglichter - :mnd "Seifenfabrik und Stadttath allhier, Homeros^ Associs des Bankhauses A. Mavro, und endlich Marmarino, Commis der weltbekannten Firma Gebrüder Raüi. ,>Beinahe wäre es dem mächtigen Einflüsse dieser Koryphäen der griechischen Handelswelt und ihrem reichlich ausgestreuten Golde gelungen, den Leichnam in aller Stille beerdigen zu lassen und so die Spuren dieser Mordthat gänzlich zu verwischenindem sie den Stadtarzt dieses Viertels, wo die Leiche hingeschafft ward,' bewogen, in einem von ihm ausgestellten Todtenzettel die Leiche als die eines Verstorbenen'-zubezeichnen/ worauf, sich die Todtengräber Monchg früh mit der den Juden, bei-solchen Gelegenheiten eigenthümlichrn Hast anschickten , zur Beerdigung zu schreiten /, wenn nicht - einige Gemeindeglieder, denen das Herz für ihre Glaubensbrüder warm schlägt, diesem unseligen: Treiben thatkräftig entgegengetreten wären und darauf bestanden hätten, .die Leiche nicht eher bestatten zu lassen, bis dieselbe geöffnet, die deutlichen Spuren der Ermordung erkannt, und solches auf unwiderlegliche Weise zu Protokoll, gebracht worden, im; Beisein: des Rabbiners und 12 Zeugen. . ]jS,. , Unter den' ioaäexn Männern, welche unablässig bemüht waren/ diesen wichtigen Act zu Stande zu bringen, verdienen besonders hervorgehoben zu werden Herr? Samuel Silbermann, Vorsteher.des hiesigen israelitischen Hospitals, Jüdel Hessen, Aeltester des Beerdigungs-Vereins, Leon Rabinowicz/: BaNqüier,: Samuel, Sälingerlund viele Andere, und der junge israelitische Arzt Aschkenasi, welcher bei der Secirung der'Leiche besonders: thätig war: - Zu Unserer? Schande' müssenwir jedoch gestehen, daß der? erwähnte Stadtarzt, der unlängst in diesem Amte angestellte 0r. Rosenblum-Israelit, ist.- ... .. . < Mit aller Entrüstung,: deren? unsere Seele nur fähig ist,: rufen .wir - Schmach und Schande -über »den:feigen Verräther, dem die:: schnöden griechischen Silberlinge theurer wären, als die Heilige-Sache der unterdrückten. Menschheit/ dasssBlUt seiner gemeuchelten.Brüder:und die:Lehre des Märtyrervolkes, welchem er angehört!? : / .? > Odessas 1‘. Mai.? Diesmal habe ich Ihnen ein sehr trauriges Ereigniß? mitzutheilen, und zwar ein Seitenstück zur Galatzer Ka- : tastrophe. Es scheint, daß das Mittelalter mit seinen : Vorurtheilen wieder austaucht. -- Am 24. v. M. feierten die Christen wie alljährlich das- Osterfest. In den früheren Jahren pflegten die hier'zahlreich lebenden Griechen einen Ausfall gegen die wehrlosen Jsrae- - liten zu machen, welcher aber stets im Entstehen unterdrückt wurde. In diesem: Jahre aber, vielleicht durch die Blutbeschuldigung in Galätz ermuthigt, sielen die Griechen am Hellen Tage und auf offener Straße die wehrlos vorüber- und . ihren Geschäften nachgehenden Israeliten aN und mißhandelten .sie. Das Häuflein Juden^ müßte der Wuth der Griechen weichen, während die Sicherheitspolizei herbeikam und Zeuge eines unerhört scheußlichen und höchst unmenschlichen Verbrechens war. Ein armer Jude nämlich, der Zitronen in der Judenstraße feil hatte und feine geringe Waare nicht schnell ge-; nng wegräumen konnte, wurde von den Griechen überfal-; len, mit Messern und Dolchen sein Schädel gespalten, so : daß der Arme besinnungslos zur Erde sank, und als ei- - nige dieser Barbaren an demselben noch Zuckungen gewahr-; ten,. so schnitten sie ihm noch einige: tiefe Wunden in die . Nase, bis das Opfer zu athmen aushörte, und hiermit noch, nicht zufrieden, verhöhnten sie den Leichnam durch die höchste Unanständigkeit, die man sich sonst aus offener Straße zu thunsschämt. .Auch einige Beamte der. Bezirkspolizei, welche ■ zur Abwehr herbeigekommen, würden? nicht unerheblich ver- - letzt. Außerdem; sind noch. zwei andere. Israeliten derart? verwundet, daß man an ihrem Aufkommen zweifelt. Tags daraus, alsoam 25., wurde die Untersuchung eingeleitet und die gerichtliche Obduction der. Leiche im j Beisein der, betreffenden . Behörden, . vieler - hiesiger: Aexzte - und mehrerer israelitischer Bürger vorgenommen, welche!. noch .mehrere tödtliche Dolchstiche entdecken ließ und den Thatbestand ganz -deutlich, zeigte. .? ... : Am .26. Morgens um 5. Uhr wurde die Leiche in : aller Stille auf : den Gottesacker: geschafft und um. 12 Uhr i Mittags, nachdem ein großer Theil der hiesigen jüdischen Gemeinde, sich dorthin begeben ,, wurde fie beerdigt/ - . - Die? Verbrecher, acht an der Zahl, find der Gerechtigkeit. übergeben worden... :. Von. Seiten. der Behörde werden jetzt strenge. Maß- - regeln: getroffen, um solchen Erceffen: fernerhin . vorzubeugen. .; ¥ 21*