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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1859-05-16 · Heft 21 (16.5.1859) · p. Seite 300

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
23 (1859)
Issue
Heft 21 (16.5.1859)
Date
1859-05-16
Page
Seite 300 (sequence 2)
Language
German
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W- , , ” Nun halt die hiesige griechische Gemeinde durch lange Verjährung an der löblichen Sitte fest, Hrem Osterfeste, an ^rer^Hrche ^dadurch> mehr fliimbüs zu.werlleihen,..daß sie "diF Huftrn jüdischen, Einwohner.in den üm!tiegende.n Straßen recht tüchtig durchbläuen, mitunter sä wsjorem dei gloriam mit blutigen Köpfen heimschicken. Dieser schö-, nen Gewohnheit eingedenk, hielten sich die Juden für dieses Osterfest, ingerechter^ Erwägung vorhin 'erwähnter^ Verhältnisse, einer doppelten Tracht Schläge gewärtig, aber auf Messerstiche! Banditendolche! wer konnte sich darauf gefaßt machen? Und hier in Odessa, mittewiinchieftrfto-E leranten, friedlichen, gutmüthigen russischen Bevölkerung ein Osterfest mit Judenleichen? Nein, das kam Niemandem in den Sinn. * Doch lassen Sie mich schnell über die greuliche Scene hinwegeilen. Am Ostertag Nachmittags versammelten ,sich an verschiedenen Punkten hiesige griechische Einwohner, unterstützt von griechischen von im Hafen liegenden Schiffen herübergekommenen Matrosen —die bewaffnet mit Messern, Dolchen „Stöcken über die Zudem in den verschiedensten Stadtquartieren Herstelen. In der Judengasse' überraschten sie einen,warmen Zitronenhändler, durchstachen ihm an zwei Stellen .die Lunge, zertrümmerten ihm.den Schädel und — besudelten schließlich die Leiche mit ihrem Unrath. Und so geschah es an - mehreren Stellen-/ wiewohl es ihnen nicht überall gelang,„ ihre Miffethat zu vollenden. So befindet sich im„ Judenspitale ein. durch mehrere Kopf- und Ge- ,fichtswunden Verletzter, den sie als tobt auf dem Platze ließen, ein Zweiter,, dem mit scharfem Messer die Vorderarmmuskeln aufgeschlitzt find, ein Dritter mit zerbrochener Kniescheibe, und ' so sind . deren eine größere Anzahl in häuslicher Pflege befindlich. Nun kam die Polizei in Bewegung, fing eine Anzahl Thäter ein und brachte sie in Gewahrsam. Nun, es hat je.de Nation, ihre schlechten Subjecte, jede.Familie ihre mißgerathenen Söhne, aber sobald diese Helden des Osterfestes unter sicherem Verschlüsse waren, erschienen namhafte griechische Kaufleute und versuchten ihre Fürsprache für-die bluttriefenden Mörder einzulegen. Der Wahrheit gebührt die Ehre, daß dieserganze Vorgang dem. bessern undigrö? ßern Theile der Griechen ein Greuel und sie nur mit .Entrüstungdarüber sich äußern.- - „ i■;Wir haben Zutrauen zu der Verwaltung, daß Gerechtigkeit und zwar.nichts mehr als Gerechtigkeit geübt werde, und wir hoffen zu - Gott, daß derlei Scenen, welche den russischen Boden besudeln, nicht mehr wiederkehren werden. -14/26. April. Leider, wie: es den Anschein gewinnt, o s <*r war die ganze Angelegenheit angezettelt und auf eine größereMetzelei berechnet; die Fäden scheirienHsich wGper>zu , erstrecken. ' Doch^ mag ich'michf vorgreife'ii/fdEUn^erAchüng Muß heraussteyen, was^nÄer Säche.ist.H 15/27. April. M Vergeht nun leider kein Tag , an welchem nicht Juden verfolgt und mißhandelt werden. ,. ,.16/18. April. Heute endlich. Ruhe. So viel steht Dest, daß-^wenn wir --auch^einen Todten unb kmehrere Verwundete zu beklagen haben, das Odium dieser Schandthat, der Flecken dieses unschuldig vergossenen Blutes an den NamettLder Anstifter und Hetzer kleben bleiben wird. Odessa, 29. April. Ein Schrei des Entsetzens ging durch die israelitische " Bevölkerung Odessas. Unsere Freudentage find in Trauer- . tage verwandelt worden, das erhabene Fest, der Befteiung unseres Volkes vom Sclavenjoche der Aegypter ward durch em?; Greuelthat entweiht, welche an die finstern Zeiten des Mittelalters erinnert, wo Pöbelemeuten und Judenhetzen an der Tagesordnung waren... " Seit vielen Jahren ist man nämlich PEdarän gewöhnt, die während des „Osterfestes vor. der griechischen Kirche „vorübergehenden Israeliten von Seiten der allezeitfanatischen und mordlustigen Griechen mit Steinen geworfen und durch Schläge mißhandelt zu sehen; doch hatte dies gewöhnlich keine wichtigen Folgen, und nahm man sich auch immer in Acht,- während der Ostertage vor dieser Mörvergruhe vorhejzugehen.,- In, Folge der jüngsten Vorgänge in Galatz zeigte sich diesmal unter den hiesigen Griechen eine besondere Aufregung. Da sie nun am verflossenen Sonntag den 12/24., .April in der Nähe ihrer Kirche vergebens auf vorübergehende Juden lauerten, so drangen Einige von ihnen, mit Knitteln und langen Jagdmessern bewaffnet in. die nahegelegene Judengasse, und griffen die daselbst versammelten wehr- und harmlosen Juden ohne die geringste Veranlassung an, wobei zwei Israeliten schwer verwundet wurden, und einer als Opfer ihrer blinden Wuth todt niederstürzte. Dieser letztere, einer von den vielen hier weilenden polnischen Juden aus Berdyczeff, der Zitronen feilböt, wurde plötzlich von den blutdürstigen Mördern beim Bart ergriffen, mit. Knitteln , geschlagen und mit Steinen geworfenund uls er mit einem Messer tödtlich verwundet, unter ihren, Streichen zu Boden, sank, ward seine Leiche von den-Unmenschen: mit Füßen getreten und muthwillig beschimpft. - Die Mörder sind, zur Haft gebracht, und der Leichnam des Erschlagenen nach dem ersten Stadtviertel geschafft

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