Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 20 (9.5.1859)
- Date
- 1859-05-09
- Page
- Seite 294 (sequence 10)
- Language
- German
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2S4 und dünn vr. Kämpf. Die TheilnahMe war-eine allgemeine und gesteigerte. — Friede ihrer Asche! . Pom Testament ist noch, nichts bekannt; wie zu vermuthen, werden verschiedene WohlthätigkeitS - Institute reichlich bedacht sein. Wir werden seiner Zeit darüber berichten. KöcÄemet, im Marz. (Privatmitth.) Die Hebung und Verbesserung deS jüdischen Unterrichtswesens hat Hierlands im Laufe weniger Jahre siegreiche Riesenfortschritte gemacht. Im Pesth-Ofener VerwaltustgSgebiete giebt eS keine noch so kleine Gemeinde ohne öffentliche Schule. Selbst' von den an Galizien grenzenden, und von dem daselbst herrschenden, der Volksbildung nichts weniger als günstigen Geiste influenzirten Gemeinden werden zur Besetzung neucreirter Lehranstalten Concurse verlautbart. Dabei ist die Stellung deS Lehrers eine definitiv gesicherte,. sein Wirken, seine.Berufspflichten und sein Verhalten der Gemeinde und allen mit der Leitung und Ueberwachung des Unterrichts betrauten Organen gegenüber geregelt und geordnet. Diesen Lichtseiten gegenüber erscheint um so greller der über alle Verhältnisse deS Rabbinats nach allen Seiten und Richtungen hin lagernde düstere Schatten, die darin herrschende chaotische Verwirrung, die zur Regel gewordene Principlosigkeit und mit Machtvollkommenheit bekleidete Anarchie. Es weiß die Gemeinde nicht, welche Ansprüche und Prätensionen an den Rabbiner zu machen sie berechtigt sei; wer und waS diesen zur Ausübung seines heiligen Berufes, befähigen und autorisirett kann; welche Pflichten und Rechte diesem ersten Cultusbeamten obliegen und.zukommen, noch endlich, wo die Grenzlinie zwischen der Competenz der Seelsorge und der der Communal-Verwaltung zu suchen wäre. Der angehende Candidat zumal befindet sich in voller Unklarheit und Ungewißheit über all jene wichtigen Momente seines Standes. Er weiß nur aus Erfahrung, daß der Vorsteher seiner Gemeinde in petto es ist, der ihn äe Meto diplomirt und seinen Wirkungskreis erweitert und schmälert. wn m -win2. Derselbe kann nämlich entweder, weil unkundig des Hebräischen, dessen in dieser Sprache abgefaßte Zeugnisse und Empfehlungsschreiben, dessen Morenu oder Chower für eine Hatoroh ansehen Und erklären, oder ihm gewisse Rabbiner designiren, von denen er das Befähigungszeugniß zu erwirken habe, oder ihn endlich von jeder diesbezüglichen Formalität ganz und gar dispensiren. v Ist eS ja der Vorsteher, der nicht selten den frühem Schächter und Vorbeter, oder den in einer andern Gemeinde mit dem Vorstande, dem Rabbiner, oder mit der religiösen Disciplin in Disharmonie und Collision gestandenen Lehrer zum Rabbi und Prediger avaneiren läßt, um ihn wieder eines Tages, so der Schützling, sich vergessend, seinen eigenen Willen' dem deS Protektors nicht unterordnen mag oder kann, auf der Kanzel ein lautes Wort des Tadels' ausspricht, von dem auch der Patron sich getroffen fühlt, oder auf welche Weise immer des Letztem Ungunst sich zuzieht, zu degradiren, und dessen Amtsunfähigkeit aus Mangel an der gehörigen Autorisation, oder der nicht makellosen Antecedenzien wegen bei der Behörde geltend zu machen. Um so betrübender ist eS, wenn solches in den kleinern, in der Heranbildung begriffenen Gemeinden übliche Gebühren von den größern und ältern nachgeahmt wird. Wir könnten die betrübendsten Beispiele erzählen, wollten aber hiermit nur die Aufmerksamkeit der Gutgesinnten auf diesen Gegenstand hinwenden, welcher der ernstesten Erwägung und Anstrengung zur Abhülfe bedarf und würdig ist. F. Pesth, im April. (Privatmitth.) Unter den Männern, die bereits in die Arena getreten, um den hiesigen Rabbinatssitz zu ringen, nenne ich Ihnen die Namen: Hochmuth aus Kula in der Bacska, ein routinirter Rabbiner, ein gediegener Charakter, ein gesinnungstüchtiger Jude, — und vr. Sch Mied! aus Prosnitz, der seine Meisterschaft in der Homiletik wie in der Derascha aufs Glänzendste bewährte. Ich höre, daß der Cyclus der vom CultuSvorstande bestimmten Mustervorträge noch nicht geschloffen ist; da aber angenommen werden kann, daß die Rabbinerwahl, der Einweihung des neu erbauten, in der That prachtvollen Tempels, die am nächsten Schabuothfeste stattsindet, vorangehen wird, so dürfte ich in Bälde in der Lage sein, Sie von dem Endergebniß zu verständigen. . In den beiden öffentlichen Schulen gedeiht die religiöse wie intellectuelle Bildung an über 8Q0 Kindern nach Wunsch und Bedürfniß. An der Normalhauptschule, die aus sechs Knaben- und drei Mädchenclaffen besteht, wirken zwölf Lehrer und zwei In-