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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1859-05-09 · Heft 20 (9.5.1859) · p. Seite 293

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
23 (1859)
Issue
Heft 20 (9.5.1859)
Date
1859-05-09
Page
Seite 293 (sequence 9)
Language
German
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293 ES sind noch nicht zwei Jahre verflossen, als ich der feierlichen- Grundsteinlegung zu diesem GotteStempel beiwohnte, und schon damals die Üeberzeugung aussprach; dass eS der rühmlichen Opferwilligkeit der CultuSgemeindeglieder und der rastlosen Thatkraft deS Vorstandes gelingen werde, den Bau bald zu vollenden und dieses'Gotteshaus zur Ehre und Anbetung deS Allmächtigen der Gemeinde zu eröffnen. Meine Voraussetzung ist in Erstllung gegangen! Wsr stehen in dem vollendeten Gotteshause, in dem mir vielem Geschmack und zugleich reich und prunkvoll ausgestatteten, zur Verehrung Jehovas geweihten Tempel und schicken uns an, die feierliche Einweihung desselben zum öffentlichen Gottesdienste zu vollziehen. Nicht, allein ich, sondern die ganze Versammlung wird, wie ich. hoffe, diesem gelungenen Unternehmen die volle Anerkennung, angedeihen lassen. . . Sie, meine Herren Cultus-Gemeindevorstande, so wie die ganze sich werkthatig bewiesene Glaubens- Gemeinde mögen sich über dieses gelungene -Bauwerk freuen, und Ln dieser Anerkennung den theilweisen Lohn für Ihre Mühen und Geldopfer finden und das trostreiche Bewußtsein im Herzen tragen, daß Sie nicht allein sich, sondern auch der Nachwelt ein bleibendes Denkmal Ihres Religionseifers geliefert, und ein, bei der stets zunehmenden Anzahl Ihrer Glaubensgenossen für Pilsen lang gefühltes Bedürfniß erfüllt haben./ Sie haben die untrügliche Wahrheit des Wahlspruchs unseres allergnädigsten Kaisers und Herrn bethätiget, denn nur vereinten Kräften konnte der .Bau in so kurzer Zeit und mit diesem Aufwande gelingen. Freuen, Sie sich also unverhohlen des gelungenen Bauwerkes. Ich als Repräsentant der obersten weltlichen Macht Sr/k. k. Majestät habe durch die Uebergabe des Schlüssels an den Herrn Tempelvorstand den Eintritt zur fernem Religionsausübung den Glaubensgenossen gestattet und so den ersten Act der feierlichen Einweihung vollzogen, i So mögen denn diese Räume der Synagoge die Religionsverwandten oft und zahlreich aüfnehmen, mögen die Hallen zur wahren Andacht, zur Anbetung des allmächtigen GotteS feierlich stimmen und erheben, ihre Gebete und Opfer mögen rein und unbefleckt zum Throne Gotteö gesendet werden, damit er in seiner unbegrenzten Gnade und Milde seinen Segen über Euchausschütte und spende. . Aus dem Munde der Cultusvorstände fließe reine, wahre Moral, die wahre Tugend und Sittlichkeit, ohne die kein festes Band der Gesellschaft gedacht'werden kann. " Er lehre Sie Alle, aufrichtig zu Gott im Gebete den Geist zu. erheben, die Liebe gegen den Nächsten, vorzüglich gegen die Armuth zu bethätigen, .er kräftige durch sein Wort und Beispiel die Anhänglichkeit ans Vaterland, die. unbegrenzte Hingebung für unfern allergnädigsten Kaiser und das angestammte Kaiserhaus, und erziehe treue, dankbare, aufopfernde Sohne des Landes. Nie vergesse er auch, im Worte und Gebete für das Wohlergehen unseres allergnädigsten Herrn und Kaisers, als unfern Vater und größten Wohlthäter,^ zu gedenken, und die ganze Versammlung zum inbrünstigsten Gebete anzufeuern. Ihr Wirken sei also Gott, Kaiser und Vaterland geweiht.- 'Nun möge die Feierlichkeit ihren Fortgang nehmem Prag, Anfang April. (Privatmitth.) Unsere Gemeinde hat einen großen Verlust erlitten: Frau Franziska, Edle von Salemsfels, geb. Edle v. Läm e l, ist in Italien einem Brustleiden erlegen. Der Leichnam wurde hierher gebracht und auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe bestattet. Trotz des! sehr stürmischen Wetters war der Leichenzug. ein imposanter. Die Waisenmädchen aus dem Institut zur Erziehung israelitischer Waisenmädchen, das der Verblichenen besonders viel zu verdanken hat, eröffneten, mit dem Gebetbuch in der Hand, den Zug. Dem Leichenwagen, der mit den Wappenschildern der adeligen Familien der Verklärten geschmückt, war, folgten zunächst die Leidtragenden, begleitet von der Geistlichkeit: den Herren Rapoport, Freund und vr. Kämpf. (Rapoport und Kampf waren im Ornat.) : Es folgten die Vorsteher verschiedener Institute und Vereine und eine große Reihe Begleiter aus allen Schichten der Bevölkerung. Große Sensation machte die Neuerung, daß eine Reihe Damen (die Vorsteherinnen des Waifenmädchen-Instituts) der Leiche zu Fuß das Geleite gaben. Auf.dem Friedhof sprachen zuerst Rap op o rt, 20

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