Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 16 (11.4.1859)
- Date
- 1859-04-11
- Page
- Seite 231 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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unserm besten- Wissen und Gewissen; auch ist es' ja nicht sÜten; Laß Entsch'eidün gen des-höchsten Gerichtshofes einander widersprechen! Ich kann auch die Bezugnahme des Ministers auf ArK 14. der' Verfassung - nicht Wen lassen ,-und' alle Maßregeln, die von ihm daraufgestützt würden , 'entbehren nach meiner/Ansicht der gesetzlichen Grundlagen^ EinEid ist woW etwas Religiöses,- hängt abernichtmitder Rekigionsubung' zusammen Der Minister läßt die Juden in das Thor ein, um sie in eine Sackgasse zu locken, das heißt nicht: den Weg iersparen, aber eine Falle legen. Und auch der spärliche Bissen,-den Man den Juden nochgelassen, die Rechtsanwaltstellen, soll, wie aus-den Worten des Ministers hervorgeht, ihnen noch verkümmert werden. Das Staatsministerium ist jetzt ein anderes, >ttt Majorität dieses Hauses glücklicher Weise auch eine-andere, und fie wird, denke ich, ihr Gewicht-in die Wagschale legen. Man hat davon gesprochen, daß die Christen Beschwerde erheben würden. M. H.! Wir. in der Petitions-Commissionsindneben einem Juden 27 Christen/ und - wir 27 Christen ' haben—- abgesehen von den - Sympathien und Antipathien, die jedem Einzelnen innewohnew Mögen—- nichts gesagt als: was die Verfassung! was das Gesetz vorschreibt, muß zur Ausführung kommen. Herr v. Blanckenburg hat angedeutet, wir könnten ja ein Gesetz einbringen)um diese Angelegenheit endlich definitiv zu regeln. Soll ich Ihnen, m. H., offenbaren, was Herr v. Blanckenburg insgeheim dabei denkt? Er wünscht die Einbringung eines Gesetzes, das im Abgeordnetenhause angenommen und im Herrenhause verworfen würde (Heiterkeit); dann könnte er sagen, jetzt sei die Sache'auf gesetzliche Weise erledigt. Es wird aber Keiner so leichtstnnig sein, fich darauf einzulassen (Heiterkeit), wir wollen einfach die Ausführung der Verfassung. Herr v. Blanckenburg hat uns in . das Mittelalter geführt. Ich folge ihm gern dorthin, da ich mit ihm einen Anflug von Romantik theile (Heiterkeit); wir begegnen dort einfachen Lösungsversuchen der -Judenfrage, wie man sie schon beim gordischen Knoten - anwandte; man sagte : „Schlagt den Juden tobt! " Ich glaube aber nicht, daß Herr v. Blanckenburg uns zumuthen wird, diese Lösungsversuche anzuwenden. Dann ist er über das Mittelalter hinausgeschweift in die alte Zeit und hat Tacitus citirt, aber, m. H.,- derselbe Tacitus: nennt das- Christenthum oäium generi^ bwwsm und mag der römische Autor dies subjektiv oder objektiv gemeint haben, Herr v. Blanckenburg wird diesen Satz wohl nicht unterschreiben? Wenn Tacitus so ungerecht gegen die Christen war; so werdest fie auf seine Aeu- § ßerungen gegen-die Juden auch nicht allzuviel Gewicht legest-können. . Herr v. Blanckenburg -hat den Juden eine gewisse Sehnsucht nach dem Lande Kanaan zugefchriebest: Im stillen Herzen . Mögen'Mastche Judeneine solche Sehnsucht Hegen, ^ichmeinersiüs - hübe nie - etwas davoM gehört Und appellireu üw! die Mitglieder für,Berlin Änd. Waldenburg (vr. Veit undMeichenheim), dbfie ein solches Sehnen fühlen'(große Heiterkeit). Das'Mitglied ffür WÄdenburg-dürste-fich nichtallzusehr nach Kanaan sehnen, - auch wenn eine Eisenbahn 'börthinführte (Heiterkeit).- - Herv v'. Blanckenburg" hat ferner' den Unterschied: der Nationalität; der Raceverschiedenheit hervorgehoben! M. H.! 'ich Verweise Sie aus jenes' hervorragende Mitglied-des Herrenhauses , das ich - indeß1 nicht, - wie ich in früheren Fällen gethan, nennen werde; wenn nun der noch immer^dtzr Bannerträger der sog. konservativen Partei ist — wollen Sie auch dann noch den Raceunterschied betonen? Die Sehnsucht nach Kanaan hat die Juden im Jahre'1813nicht verhindert, in großer Menge zu den Fahnen des Königs zu eilen/ und sich-Ansprüche/auf militärische Ehren zu erwerben. — Ich Muß als besonders wichtig noch Folgendes hervorheben : tagtäglichkönnen bie- Juden als Geschworne über unsere wichtigsten und heiligsten Interessen, über Leben und Tod entscheiden/ und in der geringeren Function als Beifitzer eines Civilgerichts sollten' sie nicht fungiren können? Nachdem die Juden als Geschworne und der Fall ist denkbar, daß alle 12 Geschworne Juden sind — die Schuldfrage entschieden haben, sollen sie als Richter -nicht über das Strafmaß abUrtheilen können? — In meiner Heimath ist der Fall vorgekommen, - daß! als dem Gerichte ein jüdischer 'Beisitzer beigegeben war/ der Staatsanwalt das Verlangen -stellte! dev jüdische' Richter möge seinen Platz verlassen; Die Sache' Mangtc/ün den Justizminister/ von -dem sie im Siistte der Staatsanwaltschaft entschieden wurde. Ich bedaure ein solches'Verfahren, welches nicht geeignet ist, die Achtung vor dem Richterstande zu erhöhen. — Herr v. Blanckenburg hat endlich von dem'Grundrecht des preußischen Volkes gesprochen, das darin '-bestehe, nicht von Juden gerichtet und regiert zu werden. Ich habe Alles, was ich nur von Grundrechten aüftreiben konnte, durchgestöbert und jenes Grundrecht nirgends entdecken können. Hier greift als Grundrecht: die alte preußische-: Tradition Platz, der Grundsatz Friedrichs des Großen :;,Jn meinen Staaten kann - Jeder nach seiner Fatzon selig werden// Herr v Blanckenburg magdagegen aus - einem gleichzeitigen Schriftsteller das Wort anführen: „Thut nichts! der Jude wird verbrannt! "